Die Austernlilli

Deutschland 1937 Spielfilm

Films from the National-Socialist period must be considered in the context of state-influenced production and reception. Further informations »

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Falk Schwarz
Keiner reimt so schön wie er
Ob Textdichter Bruno Balz stolz war auf diese Zeilen? "Man muss bei den Mädeln nicht schüchtern sein/sonst kommt man nie in ihr Herz hinein/sie sagen nein/ und warten drauf, geküsst zu sein." Denn das erste Drittel des Films "reimt" sich nur: Sprechgesang, von einer Grete Illing mit Larifari-Musik unterlegt. Unwillkürlich zuckt es im Zuschauer: "Haben die noch alle Tassen im Schrank?" Aber dann wird es unmusikalischer, will sagen: alle reden normal. Die hübsche 25jährige Gusti Wolf in ihrem ersten Emo-Film bezaubert alle: natürlich, frisch und ein bisschen verrückt. Sie will ihren Papa suchen, der gar nicht ihr Papa sein kann. Also Auftritt des Emo-Komödienpersonals: Hermann Thimig (eigentlich zu alt für's Wölfchen) und der wunderbare Heinz Salfner, der als Kammerdiener mit seiner vornehmen Zurückhaltung nun den Austernkönig abgeben soll, weil es das Drehbuch so will. Dazwischen wuselt noch ein Revuedirektor herum, der einen völlig blödsinnigen Einfall hat, nämlich eine Willkommensrevue im Schloss des Austernkönigs zu inszenieren und dafür Girls und Boys in Mannschaftsstärke auffährt. Natürlich besetzt mit dem Näselkönig Theo Lingen. (Man traut sich gar nicht, sowas niederzuschreiben: aber wer jemals gesehen hat, wie Ernst Lubitsch in seiner Stummfilmgroteske "Die Austernprinzessin" von 1919 die Heerscharen von Bediensteten dirigiert, wie er sie einsetzt und damit einen hochironischen Effekt erzielt, der kann an dieser Austernlilli nur verzweifeln. Aber dies nur nebenbei). Thimig und Wolf machen ihr Ding und als schließlich die "Austernrevue" auf die städtische Bühne kommt, da klappt eine überlebensgroße, aus Pappe gefertigte Jakobsmuschel auf und wer kommt zum Vorschein? Thimig und Wolf, die sich heftig küssen. Der übliche, vielfach geprobte und eingesetzte Emo-Schluss. Wer hier als Austernliebhaber zuschaut, muss sich nicht grämen. Diese edlen Meerestiere sind überhaupt nicht gemeint, spielen eine Nebenrolle und werden auch nicht geknackt, sondern sind vom Requisiteur vorbehandelt. Man braucht sie ja auch nicht für diese Fabel. Einmal allerdings kommt dann doch Freude auf. Als Thimig und Wolf an zwei Klavieren sitzen, aus vollem Halse schmettern "Wenn jetzt der Richtige käm, der meine Hände nähm" und die Klaviere sich plötzlich anfangen zu drehen und sich aufeinander zu bewegen. Das hat soviel Schwung und strahlt Lebensfreude aus. Könnte man mit nach Hause nehmen. Und wer hat diese schrägen Zeilen entworfen? Bruno Balz, der Reimer!

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Editing

Music

Cast

All Credits

Director

Assistant director

Screenplay

Director of photography

Still photography

Make-up artist

Costume design

Editing

Sound

Choreographer

Music

Conductor

Music performer

Cast

Line producer

Unit production manager

Location manager

Original distributor

Shoot

    • 07.04.1937 - Mai 1937: Umgebung von Berlin (Kladow, Gatow), Paris, Holland
Duration:
8 Akte, 2281 m, 84 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
s/w, Tobis-Klangfilm
Censorship/Age rating:

Zensur (DE): 17.07.1937, B.45769, Jugendfrei ab 14 Jahre

Screening:

Uraufführung (DE): 03.08.1937, München, Gloria-Palast;
Uraufführung (DE): 03.08.1937, München, Rathaus-Lichtspiele;
TV-Erstsendung (DE): 07.11.1976, ZDF

Titles

  • Originaltitel (DE) Die Austernlilli

Versions

Original

Duration:
8 Akte, 2281 m, 84 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
s/w, Tobis-Klangfilm
Censorship/Age rating:

Zensur (DE): 17.07.1937, B.45769, Jugendfrei ab 14 Jahre

Screening:

Uraufführung (DE): 03.08.1937, München, Gloria-Palast;
Uraufführung (DE): 03.08.1937, München, Rathaus-Lichtspiele;
TV-Erstsendung (DE): 07.11.1976, ZDF