Der Kontrolleur

Deutschland 1994/1995 Spielfilm

Summary

The Border Guard

Hermann, a middle-aged widower, was a border guard in East Germany, and has never accepted that the frontier no longer exists. Dubbing himself the "last of the Mohicans", he continues to report for duty at an abandoned border crossing. Arriving punctually every day, he battles (in vain) the weeds that sprout up through the concrete and assiduously keeps a log of his observations. When Inge, a curious waitress, gets a little too close to the deluded loner, Hermann reacts aggressively to the violation of his private frontier, following a deeply internalised order to shoot.

The jury at the 1995 film festival in Ludwigsburg called Stefan Trampe's debut film "an impressively detailed study of emotional anxiety and obsession", awarding it best narrative feature. Trampe, a graduate of the Konrad Wolf film school, cast several stars of the former East German film studio DEFA in his psychological portrait of a fanatical border guard. It illuminated a lost place in the history of the German-German divide. Visually, images of the derelict border station provide a stark contrast to Hermann’s personal memories, which evoke an almost erotic, idyllic border regime. 

Source: 76. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)

Comments

You have seen this movie? We are looking forward to your comment!

Heinz17herne
Heinz17herne
Hermann Hoffstedt hat 30 Jahre lang als Oberfähnrich der Nationalen Volksarmee der DDR dem sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat treu gedient – am antifaschistischen Schutzwall. Genauer gesagt am Grenzübergang Drewitz der früher „Interzonen-Autobahn“ genannten zentralen West-Ost-Verbindung zwischen Hannover und Berlin. „Wohin wollen wir denn? Nach Paris? So, so!“: Der im inzwischen bereits arg ramponierten Häuschen sitzende Kontrolleur führt diese Dialoge nur noch mit imaginären Fahrzeuglenkern, denn seit der deutschen Wiedervereinigung braust der Verkehr an der allmählich überwucherten Anlage vorbei.

Das sozialistische Vaterland des Genossen Hermann ist ebenso Vergangenheit wie die eigenständige, direkt dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellte Organisation der Grenztruppen der NVA. Kollegen wie sein alter Kumpel Rolf haben sich neue Jobs gesucht im verharmlosend Marktwirtschaft genannten Kapitalismus, etwa als (schein-) selbständiger Staubsaugervertreter. Als seine Frau Marianne an einem Herzinfarkt gestorben ist, erhält Hermann einen dreitägigen Sonderurlaub zu ihrer Beerdigung. Als er nach Drewitz zurückkehrt, ist die Grenze geöffnet – und er ist arbeitslos. Doch Hermann weigert sich beharrlich, sich der neuen Wirklichkeit zu stellen.

Daheim in der nun verwaisten Wohnung mit der poppig-bunten Siebziger-Jahre-Blümchentapete. Und in Drewitz, dem Niemandsland zwischen Potsdam und Berlin, wo er Tag für Tag mutterseelenallein seinen Dienst antritt und wie in alten Zeiten mit scharfer Stimme Meldung macht, das Telefon aber längst vom Netz getrennt ist: „Ein besonderes Vorkommnis: Schon wieder wurden Scheiben eingeschlagen und die BA-Kammer müsste dringend aufgeräumt werden.“ Womit die Bekleidungs- und Ausrüstungskammer gemeint ist, für die bei der NVA ein nur „Spieß“ genannter Hauptfeldwebel zuständig war.

Als Inge (Ulrike Krumbiegel in einer Doppelrolle), die Wirtin seines Stammlokals, den Sonderling aus reiner Neugierde bei der „Arbeit“ besucht, empfindet Hermann sie als Eindringling, als Spionin gar, weshalb er dem „Biest“ Handschellen anlegt und Inge in einem bunkerähnlichen Kellerloch verhört: „Name, Vorname, Abstammung.“ Die Situation eskaliert, als auch noch ein Mann nach einer Autopanne hilfesuchend vorbeikommt – und ebenfalls verhaftet und eingesperrt wird. Als Hermann mitbekommt, dass sich seine beiden Gefangenen befreien konnten, zieht er sich in die Waffenkammer zurück und mauert sich bei lebendigem Leib selbst ein…

„Der Kontrolleur“, hochkarätig besetzt mit ehemaligen Defa-Schauspielern, ist in erster Linie eine nur 62-minütige Metapher für den Verlust aller Sicherheiten der DDR-Bewohner nach dem Untergang ihres Staates, wobei Hermann Beyer zwar einen linientreuen Staatsdiener verkörpert, aber keinen in der Wolle gefärbten SED-Ideologen. Zum anderen ist der vor Ort in Drewitz gedrehte Film ein Zeitdokument, denn die Anlage wurde 1993 bis auf den Kommandantenturm zugunsten eines verkehrsgünstig gelegenen Gewerbegebietes abgerissen. Nur vom West-Berliner Gegenstück Dreilinden, dem Checkpoint Bravo der US-Army, sind noch Gebäudereste erhalten.

Stefan Trampe ist am 25. Mai1965 in Rostock geboren und lebt in Berlin. Von 1985 bis 1989 arbeitete er als Regieassistent bei der Defa, bevor er Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg studierte. „Der Kontrolleur“ ist seine Diplom-Abschlussarbeit – und nach dem während des Studiums 1993 entstandenen Kurzfilm „Amok“ sein Langfilm-Debut. Als dramaturgischer Berater fungierte kein Geringerer als Defa-Altmeister Egon Günther. „Der Kontrolleur“ wurde am 18. Januar 1995 in Saarbrücken auf dem Festival um den Max Ophüls Preis uraufgeführt und beim Filmfest Ludwigsburg 1995 als „Bester Spielfilm“ ausgezeichnet, fand aber lange Zeit keinen Verleih, sodass er im Herbst 1995 nur in einigen Kinos wie der Berliner Filmkunst 66 gezeigt wurde. Der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) sorgte am 13. November 1995 für die Erstausstrahlung. 1966 gabs beim Festróia-Festival vor den Toren Lissabons den Preis für das beste Debüt.

Pitt Herrmann

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Editing

Music

Production company

Producer

All Credits

Director

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Director of photography

Still photography

Lighting design

Set design

Set construction

Prop master

Construction manager

Make-up artist

Costume design

Editing

Assistant editor

Sound assistant

Audio mixing

Special effects

Music

Production company

Producer

Unit production manager

Production manager

Original distributor

Shoot

    • 1994: Drewitz (ehemaliger Grenzübergang) [Sommer (?)]
Duration:
62 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
Agfacolor, Ton
Screening:

Uraufführung (DE): 18.01.1995, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis;
Aufführung (DE): Februar 1995, Berlin, IFF - Neue Deutsche Filme;
TV-Erstsendung: 13.11.1995, ORB;
Aufführung (DE): 18.02.2026, Berlin, IFF - Retrospektive, ADK am Hanseatenweg

Titles

  • Originaltitel (DE) Der Kontrolleur
  • Weiterer Titel (eng) The Border Guard

Versions

Original

Duration:
62 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
Agfacolor, Ton
Screening:

Uraufführung (DE): 18.01.1995, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis;
Aufführung (DE): Februar 1995, Berlin, IFF - Neue Deutsche Filme;
TV-Erstsendung: 13.11.1995, ORB;
Aufführung (DE): 18.02.2026, Berlin, IFF - Retrospektive, ADK am Hanseatenweg