Das kunstseidene Mädchen

BR Deutschland Italien Frankreich 1959/1960 Spielfilm

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Falk Schwarz
Ein halbseidenes Püppchen
Warum sich Kurt Ulrich entschloss, für viele Hunderttausend Mark die Italienierin Giulietta Masina zu engagieren, ist nie ganz geklärt worden. Dem deutschen Film zu Weltgeltung verhelfen? Mit einem Star, aber ohne Stoff? So setzte er „Jons und Erdme“ in den polnischen Sand und sicherte sich für den zweiten Film die Rechte an Irmgard Keuns Roman vom kunstseidenen Mädchen. Ob er den Roman gelesen hatte? Ein expressionistischer Versuch von 1932, der schon bei der Lektüre ein schales Gefühl hinterlässt. So stöckelt die Masina dann durch die deutsche Provinz (Idstein im Taunus) und verliert dabei alles, was sie berühmt gemacht hatte. Sie wirkt puppenhaft adrett, künstlich und ohne jede sinnliche Ausstrahlung. Sie kommentiert das Geschehen in einem inneren Monolog (mit der Stimme von Ruth Nimbach): Knuth (als Freier): „Sie sollten zum Film gehen. Ich kenne da einen Produzenten...“ Masina (für sich): „Der will doch bloss das Eine. Ich brauche eine Armbanduhr.“ Statt eine eigene Existenz aufzubauen, flattert sie wahllos von Mann zu Mann, immer deutlich an der Kante zur Prostitution. Sexuelle Untertöne ohne Ende: „Wenn ich ja sage und die Augen zumache“, „Lieber gleich, dann haben wir es hinter uns“, „Die wahre Liebe isses vielleicht, wenn man nicht zusammen schläft.“ , „Mitleid im Bett“. Das Alles wie hinter Milchglas, und Kameramann Göran Strindberg macht aus dem Film eine Sinfonie in dunkel. Das Licht wird so sparsam eingesetzt, dass die Details sich verwischen. Klar, dies ist die dunkle Seite eines Menschen. Aber wo sich normalerweise Mitgefühl einstellt, da ist hier nur: Gleichgültigkeit. Was, noch ein Freier? Kennen wir den? Die Besetzungsliste liest sich so umfangreich und teuer wie in keinem anderen Ulrich-Film. Regisseur Julien Duvivier war sich offenbar auch nicht klar, was er eigentlich aus der lauen Vorlage machen sollte. Die Masina (als eben nicht seidenes Mädchen, sondern eher als halbseidenes) sagt es selbst: „Du wartest auf einen Zug, der niemals ankommt.“

Credits

All Credits

Director

Director of photography

Music

Cast

Duration:
2860 m, 104 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
s/w, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 22.01.1960, 21553, ab 18 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 16.02.1960, Berlin, Filmbühne Wien

Titles

  • Weiterer Titel (FR) La grande vie
  • Weiterer Titel (IT) La gran vita
  • Originaltitel (DE) Das kunstseidene Mädchen
  • Arbeitstitel La jeune fille en soie artificielle

Versions

Original

Duration:
2860 m, 104 min
Format:
35mm, 1:1,37
Video/Audio:
s/w, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 22.01.1960, 21553, ab 18 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 16.02.1960, Berlin, Filmbühne Wien