Zauber um Zinnober

DDR 1983 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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„Kann man es länger aushalten mit solch‘ einer Missgeburt?“ fragt eine arme, alte Reisigsammlerin nach einem weiteren derben Streich ihres rüpelhaften Sohnes Zaches, der ihre schwere Arbeit immer wieder hintertreibt, statt seine Mutter zu unterstützen. Die Szene wird von Doktor Prosper beobachtet, dem gerade vom Fürsten unter dem Vorwurf, sein Reich zerstören zu wollen, rüde entlassenen Hofzauberer. Für einen neuen, mit Holzscheiten gefüllten Wagen und zwei Zicklein überlässt die Mutter ihren ungezogenen Klein-Zaches gerne dem Zauberer, der ihn aus Rache zum größten Mann im Staate machen will. In seiner Alchimistenküche macht Prosper aus dem strubbeligen kleinen Kerl einen ansehnlichen jungen Mann mit leuchtend roter Lockenpracht, der beim Blick in den Spiegel gar nicht aus dem Staunen herauskommt.

Prosper schleust seinen Schützling in einem Empfang bei Hofe ein als hoffnungsvollen Jura-Studenten Zinnober. Während sich der Ministerialsekretär Fabian über seine kleinwüchsige Gestalt lustig macht, wird Zinnober vom Dichter Balthasar in Schutz genommen. Was der ihm keineswegs dankt, sondern im Gegenteil sich an Balthasars Geliebte Candida heranmacht. Was erst durch einen Zauber des Doktors Prosper möglich wird: Alle Menschen in Zinnobers Umgebung werden so geblendet, dass sie ihm alle großen Taten der Beamten am Hof zuschreiben, aber etwa auch die romantischen Verse Balthasars für Candida und die köstliche Musik des auf dem Empfang spielenden Violinisten Vincent.

Prosper zeigt sich zufrieden über die allgemeine Verehrung für den sich wild gebärdenden Klein-Zaches, der eine Stufe der Karriereleiter nach der anderen nimmt: Erst verliert Fabian seinen Sekretärposten, dann der Minister sein Amt an den Geheimen Spezialrat und Ritter des Ordens vom grüngefleckten Tiger. Zinnober ist nun der Herrscher im Land und schustert seinem designierten Schwiegervater, Candidas Vater Mosch Terpin, einen lukrativen Posten zu.

Der verzweifelte Balthasar sucht mit Fabian ausgerechnet bei Prosper Rat, der beide aus seinem auf einer Insel befindlichen Labor kurzerhand aufs Schlossdach des Fürsten befördert. Andererseits hat Prosper längst erkannt, dass sein Schützling die ihm durch Zauberkraft gegebene Macht missbraucht. „Wir tragen alle das gleiche Grau“: Als Zinnober beschließt, dass alle Farben – und damit auch alle Freuden der Menschen – aus dem Reich des Fürsten verbannt werden sollen, hat er das Fass zum Überlaufen gebracht.

Prosper übergibt Balthasar eine Pfauenfeder, mit der er den Zauber lösen kann. Aus Zinnober wird wieder Klein-Zaches, der bei seiner Mutter unterkriecht und Balthasar kann endlich die überglückliche Candida in die Arme schließen…

Das 1983er Weihnachtsmärchen des Fernsehens der DDR hat mit E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen „Klein Zaches genannt Zinnober“, geschrieben ab Frühjahr 1818 während einer langwierigen fiebrigen Erkrankung unter dem Einfluss der hoffnungslosen Liebe des 33-jährigen Bamberger Musiklehrers, der zeitlebens unter seiner als misslich empfundenen Gestalt litt, zu seiner 15-jährigen Schülerin Julia Mark, nur wenig zu tun. Abgesehen von den autobiographischen Zügen ist die Fee Rosabelverde in Gestalt des adligen Stiftsfräuleins von Rosenschön bei Hoffmann die Zauberin und Professor Mosch Terpin ein rationalistischer Naturkundler, dessen Sicht auf die göttliche Natur der romantischen Überzeugung des 23-jährigen Studenten Balthasar (und des Autors Hoffmann) diametral gegenübersteht.

Viele Einzelheiten der Vorlage sind von Monika Woytowicz übernommen worden, angefangen bei den Ereignissen auf dem Empfang des Fürsten Paphnutius über den unaufhaltsamen Aufstieg Zinnobers, Fabians „Fracksausen“ und Prospers Zauberspiegel bis hin zur glorreichen Entzauberung des kleinen Monsters mit den bei Hoffmann nur drei roten Haaren. In dessen Kunstmärchen gibt eine zwar überforderte, aber liebende Mutter Liese ihren „Wechselbalg“ in die Obhut eines Pfarrers, ist der geheimnisvolle Doktor Prosper Alpanus als Gegenspieler der Fee Rosabelverde auf der Seite Balthasars und seiner beiden Mitstreiter Fabian und Pulcher, ist schließlich Klein-Zaches tot und seine betrübte Mutter zur fürstlichen Zwiebel-Lieferantin avanciert.

Celino Bleiweiß hat sich dagegen für einen kitschigen, familientauglichen Märchenschluss entschieden und zeigt, darin der Defa-Tradition folgend, eine dekadente Adelsgesellschaft, die sich von einem Außenseiter vorführen lässt. Dazu eine Wohlfühl-Musik des Polen Andrzej Korzyński, die vom Defa-Sinfonieorchester unter der Leitung von Manfred Rosenberg eingespielt worden ist. Der in den Wörlitzer Schlössern und Gärten gedrehte Film ist auf den zweiten Blick so harmlos freilich nicht: Als sich der von Zinnober verfolgte Balthasar in einem Dorf versteckt, das bei Hoffmann Hoch-Jakobsheim heißt, beschließt nur im Film „Zauber um Zinnober“ der Alleinherrscher, dass alle Bewohner nur noch einheitliche graue Kleidung zu tragen haben. Sogleich legt sich ein Grauschleier über das ganze Land…

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Drehbuch

Dramaturgie

Kamera

Kameraführung

Kamera-Assistenz

Szenenbild

Kostüme

Mischung

Darsteller

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Produktions-Assistenz

Länge:
81 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 25.12.1983, DDR-TV

Titel

  • Originaltitel (DD) Zauber um Zinnober

Fassungen

Original

Länge:
81 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DD): 25.12.1983, DDR-TV