Inhalt
Eine launische und autoritäre Herrscherin lässt ihr Volk jeden morgen von einem Kanonenschuss statt von einem Hahn wecken. Der Schmied ist darüber sehr verärgert, da die Kanonenkugel fast immer in seinen Brunnen fällt. Deshalb wird der Kanonier von der erbosten Königin verurteilt, ausgepeitscht zu werden. Der Verzweifelte sucht beim Hofnarren Rat. Der Hofnarr hat eine Idee, die die Königin zur Vernunft bringen soll. Er tauscht die Königin bei Nacht und Nebel gegen Hanne, die Frau des Schmieds, aus. So muss Hanne regieren und die Königin die Hausarbeit machen. Hanne, die eine kluge Frau ist, macht ihre Aufgabe sehr gut und verhindert auch, dass der Kanonier ausgepeitscht wird. Die Königin dagegen ist eine miserable Hausfrau. Nach einem Tag und einer Nacht ist alles wieder beim Alten und die Dinge gehen ihren Gang, ohne dass die Königin jemandem davon erzählt.
Die Ausstattung dieser Filmseite wurde durch die DEFA-Stiftung gefördert.
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Beim morgendlichen Rapport erklärt der Lackaffe von Hofmarschall, warum Ihro Majestät auch diese Nacht geruhten ein bisschen mehr zu ruhen: drei „Dorfköter“ mussten ihr Leben lassen, damit die erste Frau im Staate nicht im Schlaf gestört wird. Der ist für ihre Untertanen längst vorbei, als sie diese jeden Morgen mit einem Kanonenschuss wecken lässt: Die Kugel fällt regelmäßig in den Teich einer Schmiede – sehr zum Ärger des Schmieds und seines Gesellen Florian, der vorsorglich das Federvieh aus dem Wasser scheucht und dann die Kugel herausfischt – bestes Grundmaterial für die Esse.
Besagter Barde heißt Bartholomäus, ist der Hofnarr und hat jede Menge zu tun, um seine launische Arbeitgeberin bei Laune zu halten und die Opfer ihrer Launen zu trösten. Etwa die schöne Zofe Marie, welche der Barbier die langen, weichen Haare abschneiden musste, um der eifersüchtigen Königin eine Perücke daraus zu fertigen. Oder den armen Jörg, der durch ein Lächeln den Unmut seiner Königin erweckt hat, woraufhin er zu zwanzig Peitschenhieben täglich verdonnert worden ist.
Woraufhin er aus Mutwillen mit einer weiteren Kugel den ehernen Wetterhahn vom Schlossdach geschossen hat, welcher dem Hofmarschall auf den gepuderten Schopf gefallen ist. Noch vor Sonnenaufgang soll Jörg hängen, befiehlt die Königin. Nun ist Bartholomäus gefragt und setzt den ganzen Charme des Minnesängers ein, um dieses Urteil dahingehend abzumildern, dass der Kanonier nur die Kugel zurückbringen soll.
Was für den Schmied ein leichtes ist, hat er doch noch genug von den täglichen Geschossen auf Lager. Bei dieser Gelegenheit macht Jörg Bekanntschaft mit Hanne, der Gattin des Schmiedes – und kann seine Augen gar nicht mehr von dieser so handfest-zupackenden und dabei so liebevollen Hausfrau abwenden: Äußerlich gleicht sie der Königin wie deren eineiige Zwillingsschwester. Darauf baut der mutige Plan des Hofnarren: In einer Vollmondnacht werden beide Frauen vertauscht.
Am anderen Morgen freut sich Hanne über das weiche Bett – und fühlt sich auch sonst wie im Traum und jedenfalls im Paradies. Sie ist zu allen Untergebenen nett, revidiert, stets um Gerechtigkeit bemüht, offenbar unsinnige Urteile wie das königliche Glatzen-Verdikt, begnadigt den Kanonier, leiht Marie eine ihrer Perücken, bis deren Haar wieder nachgewachsen ist und untersagt das allmorgendliche Schießen. Ja, sie lässt sich sogar in der Schlossküche blicken und vom Oberkoch Buttermilch vorsetzen. Bevor sie den ganzen Hofstaat zum Festbankett mit Musik und Tanz einlädt.
Der Schmied dagegen hat es nicht so gut getroffen, er wacht am Morgen neben einer kratzbürstigen Alten auf, die frech behauptet, die Königin zu sein und keinen Handschlag rührt, den hart arbeitenden Männern das Frühstück zu bereiten oder gar die Tiere im Stall zu versorgen. So ein Chaos hat der Schmied noch nicht erlebt, der seine völlig aus dem Ruder laufende vermeintliche Gattin, die aus lauter Wut den halben Hausrat zerdeppert, übers Knie legt und ihr ordentlich den Hintern versohlt. Der Widerspenstigen Zähmung: wenn sie schon zu dämlich ist, die Tiere zu füttern, was nun Florian besorgen muss, soll sie sich wenigstens am Blasebalg nützlich machen. Offenbar ihre erste körperliche Arbeit, danach geht’s in den Badezuber – zusammen mit dem Schmied. Was zuviel ist, ist zuviel: Die Königin nimmt reißaus und kehrt ins Schloss zurück, wo sie in ihrem derangierten Zustand für eine Hexe gehalten und ins Verließ gesperrt wird.
Aber der perplexe Schmied ist ihr gefolgt und lüftet das Geheimnis der beiden Verschwörer Bartholomäus und Jörg: Nach einer ungeplanten Begegnung beider Frauen im Thronsaal macht sich der Schmied, heilfroh, seine Hanne wieder in den Arm schließen und an den heimischen Herd mitnehmen zu können, rasch aus dem Staub, während die gerade auch durch ihr eigenes Versagen an der „Basis“ geläuterte Regentin sich nichts anmerken lässt, alle Ereignisse für einen bösen Traum ausgibt und als ersten Beschluss verkündet, dass nicht mehr geschossen werden soll, und so früh am Morgen schon gar nicht...
„Die vertauschte Königin“ ist ein im wahren Wortsinn farbiges hausgemachtes Märchen, das alle Bestandteile eines Defa-Klassikers aufweist: ein aberwitzig-lächerliches, aber auf Kosten des einfachen Volkes opulentes Hofleben unter nutzlos in den Tag hinein lebenden Speichelleckern, Herrscherwillkür und Prasserei unter Adeligen, die sich ihre ausgebeuteten Untertanen halten wie die Königin ihr kleines Äffchen im Schloss – als Spielgegenstand zum allgemeinen Ergötzen.
Was nun aber nicht bedeutet, dass es sich hierbei um einen realistisch-sozialkritischen Film handelt, ein Lehrstück gar im Sinne des ollen B.B. Obwohl auch etwas Brecht in ihm steckt: Hans-Jürgen Kruses Kamera fokussiert in der Schlusseinstellung auf Christian Steyer, der wie zu Beginn eine eigene Komposition zur Gitarre singt, nun aber nicht in der Schlosskulisse, sondern in einem Studio-Raum steht und auf das Modell einer mittelalterlichen Burg blickt. So verweist der erst zweite – und letzte – Spielfilm des langjährigen Defa-Dramaturgen Dieter Scharfenberg endgültig auf das Reich der Märchen.
Pitt Herrmann