Ihr schönster Tag

BR Deutschland 1961/1962 Spielfilm

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Falk Schwarz
Lebenslüge im Souterrain
„Ich bin Eure Mutter nicht mehr“, sagt Anni (Inge Meysel) verzweifelt. Die älteste Tochter -angeblich mit einem Millionär verheiratet - kommt aus den USA zurück, hat ein Kind, aber keinen Mann, der Sohn will nicht Mediziner werden, sondern studiert heimlich Betriebswirtschaft, die jüngste Tochter wird von der Mutter als Versagerin beschimpft, weil sie „nur“ Kellnerin geworden ist, ihr Mann Karl (Rudolf Platte) hat als Straßenbahnfahrer ein Augenproblem, über das mit Anni nicht gesprochen werden darf: „Mutter regt sich ja sonst so auf“. Die Mutter sieht in ihrer Verblendung nicht, dass ihre Vorstellungen von ihren Kindern sich an der Realität vorbeimogeln. „Wofür habe ich geschuftet in diesem Souterrain als Hausbesorgerin? Damit die Kinder es mal besser haben sollen“. . - Nun liegt Inge Meysel die Rolle der viel- und rechtschaffenen Mutter, aber die ganze Konstruktion dieses Bühnenstücks (das auch auf DVD existiert), von den erfahrenen Curt Flatow und Horst Pillau geschrieben, würde zusammenkrachen, wenn sie denn alle offen und vertrauensvoll miteinander geredet hätten. Aber zu dem Ausbruch der Mutter, sie wolle nicht mehr Mutter sein, kommt es ja nur, weil sie hinters Licht geführt werden will. Realität? Pustekuchen. Das macht dieses ganze Stück um die Meysel so altmodisch, klischeehaft und vorhersehbar. Die Meysel überzieht gewaltig, treibt den ganzen Plot an die äußerste Grenze, während Platte hier eher für eine Vorsicht, Ruhe und Stabilität sorgt. Also ein Stück von damals. Ausklang der Fünfziger. Nachdem der Knoten geplatzt ist und Mama nun alles weiss, zeigt sie Größe: sie vergibt auf der Stelle, wird wieder zur liebevollen Mutter und hält sich mit ihren eigenen Vorstellungen vom Fortkommen ihrer Kinder zurück. Zunächst... Die Familie zerfällt nicht. Das ist gut gespielt und streichelt das Harmoniebedürfnis. Ausserdem natürlich eine Freude, zwei so ausgezeichneten Schauspielern zuzusehen. Mit dem wirklichen Leben jedoch haben solche Boulevardstücke nichts zu tun - warum sollte man auch sonst da hinein gehen?

Credits

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Produzent

Alle Credits

Länge:
2579 m, 94 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 20.02.1962, 27392, ab 6 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 03.04.1962, Berlin, Zoo-Palast

Titel

  • Originaltitel (DE) Ihr schönster Tag
  • Arbeitstitel Das Fenster zum Flur

Fassungen

Original

Länge:
2579 m, 94 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 20.02.1962, 27392, ab 6 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 03.04.1962, Berlin, Zoo-Palast