Kohlhiesels Töchter

Kohlhiesels Töchter

Deutschland 1919/1920, Spielfilm

Inhalt

Ernst Lubitsch inszenierte seine Version des Komödienstoffs als ländliche Variante von "Der Widerspenstigen Zähmung": Der Gastwirt Mathias Kohlhiesel will seine zwei ungleichen Töchter verheiraten – die kratzbürstige Liesl und die hübsche Gretl. Xaver und Seppl bemühen sich beide um Gretl, doch Vater Kohlhiesel will erst seine ältere Tochter unter die Haube bringen. Draufgänger Xaver heiratet Liesl – anfangs nur um an Gretl zu gelangen; doch im Zuge seiner ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Umerziehungsmaßnahmen verliebt er sich in sie. Und da Xaver mit der verwandelten Liesl sein Glück gefunden hat, kann der schüchterne Seppl seine Gretl ehelichen.

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Einfach ein Glücksfall

Die hübsche Gretel und der schüchterne Seppl treffen sich am Brunnen. Gretel holt Wasser. Der Hahn ist aufgedreht, das Wasser fliesst in den Holzeimer. Doch die Beiden nehmen gar keine Notiz. Sie sind viel zu sehr mit sich beschäftigt, denn sie stellen plötzlich fest: zwischen uns ist doch etwas, wir entflammen füreinander. Doch das Wasser rauscht, der Eimer ist längst voll und fließt über. Doch die Beiden haben nur Augen für sich. Als sie dann aus ihrer Trance erwachen, nehmen sie den Eimer und tragen ihn gemeinsam ins Haus. - Das ist Lubitsch. Eine wunderbare Szene, denn durch das überfliessende Wasser wird nicht nur symbolisch aufgenommen, dass die Beiden sich da erkennen und es zwischen ihnen „fließt“, sondern der Zuschauer denkt auch unwillkürlich: das Maß ist voll. Jetzt muss etwas passieren, jetzt muss diese einseitige Geschichte endlich gelöst werden, jemand muss den Hahn abstellen... Die Mehrdeutigkeit der Bilder, das ist Lubitsch. So ist dieser Film um die bekannte Geschichte der zwei ungleichen Kohlhiesel-Töchter dem Regisseur wie aus einem Guss gelungen. Emil Jannings albert, trägt seine Braut auf Händen, reduziert alles Stummfilm-Mienenspiel auf ein Minimum, ist ausgelassen, derb, fröhlich, poltert durch das Bauernhaus irgendwo im Bayerischen, ist so ein richtig liebenswerter Depp, der dann allerdings bei der Widerspenstigen Zähmung arg zulangt. Er biegt sich seine Braut zurecht und sie geht - der Zeit gemäß - plötzlich richtig gut „bei Fuß“. Dazu hat sich der Regisseur lauter Kleinigkeiten einfallen lassen: zum Beispiel wie die Gretel dem Kuss, den sie gerade erhalten hat, mimisch noch einmal nachschmeckt. Glänzende Schauspieler! Henny Porten in der Doppelrolle lässt kein Register aus, ist als Liesel derb und als Gretel zart. Und sie überzieht nicht so grob, wie Liselotte Pulver es in der gleichen Rolle 40 Jahre später tat. Dieser Film ist auch heute noch eine reine Freude - von Anfang bis Ende. Lubitsch, der Glücksfall.

Credits

Regie:Ernst Lubitsch
Drehbuch:Hanns Kräly, Ernst Lubitsch
Kamera:Theodor Sparkuhl
Musik:Giuseppe Becce (Kino-Musik)
  
Darsteller: 
Henny PortenLiesel / Gretel Kohlhiesel
Emil JanningsPeter Xaver
Gustav von WangenheimPaul Seppl
Jakob TiedtkeVater Mathias Kohlhiesel
Willy PragerHändler
  
Produktionsfirma:Messter-Film GmbH (Berlin)

Alle Credits

Regie:Ernst Lubitsch
Drehbuch:Hanns Kräly, Ernst Lubitsch
Kamera:Theodor Sparkuhl
Bauten:Jack Winter
Kostüme:Hans Baluschek
Musik:Giuseppe Becce (Kino-Musik)
  
Darsteller: 
Henny PortenLiesel / Gretel Kohlhiesel
Emil JanningsPeter Xaver
Gustav von WangenheimPaul Seppl
Jakob TiedtkeVater Mathias Kohlhiesel
Willy PragerHändler
  
Produktionsfirma:Messter-Film GmbH (Berlin)
im Auftrag von:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)
Dreharbeiten:01.1920-02.1920: Garmisch-Partenkirchen; Ufa-Messter-Atelier Berlin-Tempelhof
Erstverleih:UFA-Filmverleih GmbH (Berlin)
Länge:4 Akte, 1129 m
Format:35 mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, stumm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 04.03.1921, Jugendfrei;
Zensur (DE): 02.1920, 43836, Jugendverbot
Aufführung:Uraufführung (DE): 09.03.1920, Berlin, Ufa-Palast am Zoo;
TV-Erstsendung (DE): 13.12.1992, Bayern 3

Titel

Originaltitel (DE) Kohlhiesels Töchter

Fassungen

Original

Länge:4 Akte, 1129 m
Format:35 mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, stumm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 04.03.1921, Jugendfrei;
Zensur (DE): 02.1920, 43836, Jugendverbot
Aufführung:Uraufführung (DE): 09.03.1920, Berlin, Ufa-Palast am Zoo;
TV-Erstsendung (DE): 13.12.1992, Bayern 3
 

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