Harry wird Millionär (1918) - rekonstruierte Fassung

Produktionsfirma
Decla-Film-Ges. Holz & Co. (Berlin)

Quelle: Deutsches Filminstitut - DIF

Am liebsten würde Harry seine Grete auf der Stelle heiraten, doch zunächst muss er die Zustimmung seines Schwiegervaters in spe erhalten, Kommerzienrat Goldfisch. Und der stellt eine nicht unerhebliche Bedingung an den armen Harry: Er muss beweisen, dass er fähig ist, seine künftige Frau auch zu ernähren. So lässt der arme Kerl sich einiges einfallen, um zu Geld zu kommen – was freilich nicht ohne Verwicklungen abgeht.

Weltweit sind nur zwei Kino-Kopien des Films erhalten – beide unvollständig –, eine niederländische im Deutschen Filminstitut – DIF und eine deutsche im Dänischen Filminstitut. Die hier zu sehende Fassung zeigt eine digitale Rekonstruktion der deutschen, farbig viragierten Originalfassung des Films. Die fehlenden Teile der deutschen Kopie wurden dabei durch entsprechende Sequenzen aus der niederländischen Kopie ergänzt. Wo deutsche Zwischentitel fehlten, wurden auf der Grundlage der niederländischen Fassung neue Zwischentitel mit deutschen Übersetzungen eingefügt.

"Harry wird Millionär" ist Teil einer Serie von Alltagskomödien mit Harry Lamberts-Paulsen in der titelgebenden Hauptrolle. Die in Vergessenheit geratene Serie wurde unter der Regie von Emil Albes von der Decla-Film produziert, überwiegend im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs. Durch seine Naivität gerät Harry in diesen Filmen immer wieder in Konflikt mit seiner Umgebung bzw. deren Vorstellungen von Anstand und Moral. Im Unterschied zu anderen Teilen der Reihe thematisiert "Harry wird Millionär" gesellschaftliche Konflikte recht explizit: Weil er zu arm ist, um eine Millionärstochter heiraten zu dürfen, muss Harry kreative und moralisch fragwürdige Wege beschreiten. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Julius Sternheim, einem weitgehend vergessenen Filmschaffenden jüdischer Abstammung aus Hannover.

"Harry wird Millionär" ist ein Beispiel für deutsche Kinounterhaltung in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Auffällig ist, dass der Rolle des arbeitsscheuen Anti-Helden Harry all die Eigenschaften fehlen, die in dieser Zeit als Ausweis von Männlichkeit galten. Als Ehemann und Schwiegersohn erweist sich Harry im Film als kaum geeignet, als Frontsoldat musste er dem Publikum ebenfalls untauglich erscheinen.