Biografie
Walter Hasenclever wurde am 8. Juli 1890 in Aachen als Sohn eines Mediziners geboren. Als Heranwachsender litt er unter der Strenge seines Vaters. 1908 begann er ein Jurastudium in Oxford, England, wechselte nach einem Semester aber nach Lausanne, Schweiz, und nach einem weiteren Jahr nach Leipzig. Dort studierte er bis 1914, ging in dieser Zeit aber vor allem seinem Interesse an Literatur und Philosophie nach.
Schließlich wurde Hasenclever Teil des Kreises um den Verleger Kurt Wolff, wodurch er Kontakt zu anderen Schriftstellern wie Ernst Rowohlt, Kurt Pinthus und Franz Werfel pflegte. Sein erstes Drama "Nirwana" erschien 1909, sein erster Gedichtband "Städte, Nächte und Menschen" 1910. 1914 erschien sein Drama "Der Sohn", das 1916 in Prag uraufgeführt wurde. Das Stück, in dem Hasenclever seine von seinem autoritären Vater geprägte Kindheit verarbeitete, wurde ein großer Erfolg und wegweisend für den aufkeimenden Expressionismus.
Angetrieben von der Idee eines neuen Zeitgeists und einer neuen Epoche, meldete Hasenclever sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges freiwillig zum Kriegsdienst. Seine Begeisterung schlug jedoch schnell in Entsetzen um. Aufgrund der psychischen Belastung schied er 1917 aus dem Militär aus und verbrachte einige Zeit in einem Nervensanatorium in Dresden, wo er den Maler Oskar Kokoschka und den Lyriker Iwar von Lücken kennenlernte. Geprägt von seinen Erlebnissen schrieb Hasenclever seine klar pazifistische Version der "Antigone" und erhielt dafür 1917 den Kleist-Preis.
Nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich in seiner Flugschrift "Der politische Dichter" an Literat*innen, um sie zu politischer Aktivität aufzurufen. Kurze Zeit später kehrte er der Politik jedoch desillusioniert den Rücken und begann, inspiriert von Paul Wegener, sich für Mystisches und Okkultes zu interessieren. 1923 spielte er in Rochus Glieses Film "Brüder. Zwischen Himmel und Erde" neben Heinz Hilpert und Greta Schröder mit.
1924 zog er nach Paris und schrieb von dort aus, als Korrespondent des Berliner 8 Uhr-Abendblatts, für den Feuilleton-Bereich. Er schloss Bekanntschaft mit Kurt Tucholsky und Jean Giraudoux und veröffentlichte 1926 mit "Ein besserer Herr" und 1928 mit "Ehen werden im Himmel geschlossen" seine ersten Theaterstücke. Beide Komödien hatten großen Erfolg. 1929 entstand in Zusammenarbeit mit Tucholsky das Stück "Christoph Kolumbus oder die Entdeckung Amerikas".
Ab 1929 wohnte Hasenclever wieder in Berlin. Im selben Jahr trat er in "Tagebuch einer Kokotte" von Constantin J. David erneut als Filmdarsteller auf, 1930 wirkte er neben Robert Florey und Carl Boese am Drehbuch zu Boeses "Komm‘ zu mir zum Rendezvous" mit. Daneben war er auf Reisen durch Europa und den Norden Afrikas unterwegs. Ebenfalls 1930 arbeitete er in Hollywood für Metro-Goldwyn-Mayer am Drehbuch der deutschen Fassung des Films "Anna Christie" mit. Regie führte Jacques Feyder, die Hauptrolle wurde, wie in der englischsprachigen Version, von Greta Garbo übernommen.
Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 wurden die Werke Hasenclevers aufgrund seiner jüdischen Herkunft in Deutschland verboten und fielen den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer. Er ging zunächst nach Nizza ins Exil, wo er die ebenfalls jüdischstämmige Exildeutsche Edith Schäfer kennenlernte, die er 1934 heiratete. In den folgenden Jahren lebten die beiden in Jugoslawien, Italien, England und Frankreich. Während seines Aufenthaltes in London 1938 schrieb er sein letztes Drama "Konflikt in Assyrien".
In Frankreich wurde Hasenclever während des Zweiten Weltkriegs zweimal als "feindlicher Ausländer" interniert, was er in seinen letzten Roman "Die Rechtlosen" einfließen ließ. Während seiner zweiten Internierung in Les Milles kapitulierte Frankreich im Juni 1940 - woraufhin sich Hasenclever angesichts der drohenden deutschen Besatzung am 21. Juni 1940 das Leben nahm.
Autor: Rüdiger Erdmann