Gertrud David

Weitere Namen
Gertrud Swiderski (Geburtsname)
Regie, Drehbuch, Produzent
Leipzig Berlin

Biografie

Gertrud Swiderski wird am 25. Dezember 1872 in Leipzig in eine wohlhabende Familie geboren. Ihre Eltern gewähren ihr eine gute Ausbildung: Zunächst besucht sie die Höhere Töchterschule, absolviert ihr Abitur, um anschließend Volkswirtschaft zu studieren.

Bevor sie sich dem Film zuwendet, übernimmt sie die Redaktion für die Rubrik Genossenschaftswesen in den "Sozialistischen Monatsheften", ist Herausgeberin der "Socialistischen Correspondenz" und publiziert zu den Themen Sozialismus, Genossenschaft und Arbeiterfrauen. Ihr Mann Dr. Eduard David ist ein bedeutender SPD-Politiker, der in der Weimarer Republik mehrere Spitzenämter einnimmt und verschiedene sozialdemokratische Zeitungen herausgibt. In ihrem ersten Drehbuch "Die Geächteten" (1917, Josef Stein) thematisiert sie die Lage unehelicher Kinder und deren Mütter. Am Beispiel von drei unverheirateten Frauen aus unterschiedlichen Milieus zeigt der Film, dass alle drei Kinder "Opfer der Gesellschaft" sind. Auch in ihren folgenden Drehbüchern geht es um soziale Ungerechtigkeit und unüberwindbare Klassengegensätze. Zunehmend wird Gertrud David als Regisseurin für Kultur-Werbefilme bei der Deulig-Film AG (Berlin) beschäftigt, und realisiert meist aufklärerische und sozialkritische Filme über Themen wie die Säuglingssterblichkeit oder die Bekämpfung der Kindertuberkulose.

1920 wird sie zur Beisitzerin der Film-Prüfstelle in Berlin ernannt und behält den Posten bis 1923. Ende 1924 gründet Gertrud David eine eigene Filmproduktionsfirma, die Gervid-Film. Ihre Vertragspartner sind meistens karitative Einrichtungen, so das Deutsche Rote Kreuz oder die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel, für die sie bereits mehrere Kurz-Dokumentarfilme bei der Deulig-Film AG realisiert hat. Kirchliche Unternehmen sind weiterhin ihre Hauptauftraggeber, insbesondere die bereits genannten Bodelschwinghschen Anstalten und der Evangelische Preßverband für Deutschland (E.P.D.), aber auch Vereinigungen wie die Heilsarmee oder die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden.

Zu ihrem Repertoire gehören nicht nur Kurzfilme, sondern auch abendfüllende Dokumentarfilme mit Spielhandlung, so der Missionsfilm "Auf Vorposten im Urwald einer heidnischen Insel" (1928) oder "Ringende Menschen. Die Tragödie einer Familie" (1933). Im Auftrag der Filmstelle Bethel behandelt sie im letztgenannten Film das heikle Thema der Erbkrankheit. Der Film, der mittels einer Spielhandlung das Schicksal einer Epileptiker-Familie darstellt, wird 1937 verboten. Einer ihrer erfolgreichsten Dokumentarfilme ist "Sprechende Hände" (1925), ein inszenierter, komplexer Film über blinde Gehörlose, gedreht in der Taubblinden-Anstalt des Oberlinvereins in Potsdam-Babelsberg (ehemals Nowawes). Der vom Evangelischen Preßverband in Auftrag gegebene Film läuft bis 1955 erfolgreich im In- und Ausland. Laut einer reichsweiten Umfrage gilt er als bester Kulturfilm 1925. Fortan ist Gervid-Film der größte kommerzielle Auftragnehmer der evangelischen Filmarbeit.

Bis 1935 produziert David über 41 Filme, die meisten davon im Zeitraum zwischen 1924 und 1930; bei knapp 30 Filmen führt sie selbst Regie. Am 21. Juni 1936 stirbt sie in Berlin. Ihre Tochter Sonja führt die Firma noch für ein Jahr weiter. (gw)

Ausgewählte Literaturhinweise 

Gertrud David: Der expressionistische Film. In: Der Kinematograph, Nr. 685, 13.08.1919. 

Gertrud David: Wie der Film "Sprechende Hände" entstand. In: Bildwart, 1926, Bd. 2, S. 432– 440. 

Klaas Dirks: "Sprechende Hände". Ein Film und seine Geschichte. Stuttgart, Potsdam: Verband Evangelischer Einrichtungen für die Rehabilitation Behinderter e.V. 1995, S. 60.

Quelle:

Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).

FILMOGRAFIE

1934
  • Regie
  • Produzent
1934
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1933
  • Regie
  • Produzent
1932
  • Regie
  • Produzent
1931
  • Regie
  • Produzent
1930
  • Regie
  • Produzent
1929
  • Regie
  • Produzent
1927
  • Regie
  • Produzent
1926
  • Regie
  • Produzent
1925
  • Regie
  • Produzent
1924/1925
  • Regie
  • Produzent
1924
  • Regie
  • Produzent
1919/1920
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1918/1919
  • Drehbuch
1917
  • Drehbuch