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Alle Fotos (2)Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Länge:
520 m, 20 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:
FSK-Prüfung: 1990, ab 12 Jahre
Aufführung:
Uraufführung (DE): 08.10.1990, Mannheim, IFF;
Aufführung (DE): 28.04.1991, Oberhausen, IFF - Deutscher Wettbewerb
Titel
- Originaltitel (DD) Zug in die Ferne
Fassungen
Original
Länge:
520 m, 20 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:
FSK-Prüfung: 1990, ab 12 Jahre
Aufführung:
Uraufführung (DE): 08.10.1990, Mannheim, IFF;
Aufführung (DE): 28.04.1991, Oberhausen, IFF - Deutscher Wettbewerb
Auszeichnungen
1991
- Hessischer Filmpreis
- Preis der Unterzeichner des Oberhausener Manifests
1990
- Filmdukaten und Volkshochschulpreis, Mannheim
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Während der Mann weitererzählt, liest eine junge Frau (Andrea Brose) in einem Buch, um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Währenddessen rücken beide auf der „Zwölf“ stehende Zeiger der Bahnsteiguhr keinen Millimeter von der Stelle. Ein weiterer Mann mit Schlapphut und Trenchcoat versteckt sich auffällig hinter dem SED-Parteiorgan „Neues Deutschland“ – und wird doch auf den ersten Blick als Stasi-Mitarbeiter entlarvt.
„Der kommt noch nicht“ bekundet ein weiterer Mann, der auf einer Bank Platz nimmt, während die junge Frau nun nervös auf und ab stöckelt. Er packt eine Brotdose aus und weiß, dass erst der Transitzug aus West-Berlin „durch muss“. Dann stellt ein Reichsbahner in Uniform (Marten Sand) die Richtungsanzeige auf „Paris“, dazu erklingt ein französischer Musette-Walzer. Tee wird serviert und ein junger Punk mit Irokesen-Schnitt wirft Münzen in einen nur scheinbar funktionieren Fahrkartenautomaten. Denn der spuckt wie ein vorsintflutliches Telexgerät Lochstreifen aus.
„Wir sind für den Frieden“ steht auf einem roten Banner, das in den Seilen hängt. Im Grünen abseits des Bahnsteigs hat sich ein weiterer Reisender mit Baskennütze auf seinen mitgebrachten Klappstuhl gesetzt und hämmert auf der Schreibmaschine Eingaben. Und besagter Herr Paul reicht der der Studentin seinen Flachmann zwecks Nervenberuhigung. Das „Paris“-Schild wird wieder einkassiert, als endlich der Triebwagen zum Hauptbahnhof einfährt. Der Punk steigt ein, der ND-Leser nicht. Auch der Mann auf der Bank bleibt sitzen, während Paul immerhin davon träumt, in den Zug zu steigen.
Plötzlich steht ein rotbrauner Koffer auf dem Bahnsteig – und die Uhrzeiger bewegen sich. Das Gepäckstück ist für die Atlas-Lichtspiele bestimmt, Paul nimmt es an sich: Er ist Filmvorführer und hat auf die Zelluloid-Rollen gewartet. Im Vorführraum hängt das Filmplakat „Paris um Mitternacht“ und Paul träumt sich in die Seine-Metropole.
Unter der Produktionsleitung von Ursula Sass und Andrea Hoffmann ist der Kurz-Spielfilm als Übung im dritten Studienjahr an der Babelsberger Hochschule Ernst Busch gedreht worden von Andreas Dresen unter Mitwirkung seiner Kommilitonin und späteren langjährigen Drehbuchautorin Laila Stieler. Mit zahlreichen jeweils leicht modifizierten Wiederholungen entstand er im Oktober 1989 als surreale Metapher auf das Fernweh der von Mauer und Stacheldraht umschlossenen DDR-Bürger. Zu diesem Zeitpunkt war überhaupt nicht abzusehen, dass deren Sehnsucht nach offenen Grenzen bereits einen Monat später Wirklichkeit werden sollte.
Hochschul-Übungsfilme waren grundsätzlich nicht für öffentliche Vorführungen vorgesehen, wurden aber vielfach auf Festivals gezeigt. So auch dieser am 8. Oktober 1990 auf dem Int. Filmfestival Mannheim, wo er mit dem Filmdukaten-, dem Volkshochschul- sowie dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Am 28. April 1991 folgte der Preis der Unterzeichner des Oberhausener Manifestes bei den 37. Int. Westdeutschen Kurzfilmtagen.
Pitt Herrmann