Out of America

Deutschland 1994/1995 Dokumentarfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Michael Klier porträtiert in seinem nur gut einstündigen Dokumentarfilm mit Ghuan Featherstone, Kirk Smith, Preston McNeal und Denek Smith vier junge schwarze Ex-GIs, die in Berlin geblieben sind, als nach fast fünfzig Jahren die Amerikaner Deutschland verlassen haben. Der O-Ton der Porträtierten läuft, deutsch untertitelt, ohne Kommentierung aus dem Off. Nur zwei- oder dreimal stellt ein anonym bleibender Interviewer Fragen in deutscher oder englischer Sprache an die Soldaten bzw. ihre deutschen Ehefrauen.

„This is Nazi-Land, but okay“ bekundet Kirk, der irgendwo im brandenburgischen Nirgendwo als Hilfsarbeiter bei einem Gebrauchtwagenhändler Autos wäscht, um so seinen kargen Lebensunterhalt zu verdienen. Für ihn immer noch besser, als ins amerikanische Ghetto zurückzukehren. Das Quartett erzählt von ihrer schlimmen Kindheit in der Bronx, dem Ghetto-Dasein in den Staaten, dem ein neues, freilich vergleichsweise milderes Ghetto im Nachkriegsdeutschland gefolgt ist. Teilweise bereits in der zweiten Generation: der Vater eines der Gesprächspartner kam bei Kriegsschluss als Besatzungssoldat nach Kaiserslautern.

Er hält nicht viel von „deutschen Fräuleins“ und stand der ehelichen Verbindung seines Sohnes mit einer blonden Deutschen ablehnend gegenüber. „Out of America“ zeigt, dass Vorurteile beiderseits des Atlantiks bestehen: Bei den deutschen Nachbarn ebenso wie in den amerikanischen Familien daheim, hervorgerufen u.a. durch unsägliche Nazi-Serien in den Medien. Vorurteile bestehen sogar bei Freunden in den USA, die eine Verbindung zwischen Black and White als Verrat an der Emanzipation der Schwarzen anprangern.

Die ehemaligen Soldaten, die nach dem Abzug der US-Streitkräfte in Berlin geblieben sind, fühlen sich als Farbige nicht als Amerikaner und sehen die rassistischen Anfeindungen, denen sie auch in ihrem neuen Zuhause Deutschland ausgesetzt sind, als das kleinere Übel an. Sie offenbaren ein geradezu unbändiges Freiheits- und Lebensgefühl, das weltoffen ist und keine Heimat im herkömmlich-engen Sinn benötigt. Kennengelernt haben sie sich übrigens beim A-Capella-Gesang unter den Fenstern einer Berliner US-Army-Zahnklinik – nur eine von zahlreichen witzigen Anekdoten.

Ihre Wurzeln liegen in der Musik und sie haben beschlossen, amerikanischen Boden erst dann wieder zu betreten, wenn sie mit ihrer Soul-Funk-Rap-Band erfolgreich sind. Bisher sind sie in dem nun geschlossenen Army-Club „Starlight“ aufgetreten, eine schwarze Community existiert nicht mehr. So haben sie sich in einem noch so gerade bezahlbaren professionellen Studio eingemietet, feilen an ihrer Ballade „Out of America“ und haben erste Gigs im „One Way Club“ hinter sich. Bis sie einmal von ihrer Musik leben können, wenn überhaupt, müssen sie sich mit teilweise prekären Jobs über Wasser halten, zwei von ihnen sind mit einer Deutschen verheiratet.

„Out of America“ ist Ende Oktober 1994 bei den 28. Int. Filmtagen Hof uraufgeführt und 1995 beim Filmfestival Göteborg, beim Max Ophüls Preis in Saarbrücken, in der Berlinale-Sektion „Neue Deutsche Filme“ und beim Filmfestival Warschau gezeigt worden. Angeblich soll die Doku am 1. Juni 1995 in einige Kinos gekommen sein, gesichert ist dagegen die Erstausstrahlung am 6. Juli 1995 auf Arte.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • Berlin
Länge:
62 min
Format:
16mm, 1:1,37
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE FR): 06.07.1995, Arte

Titel

  • Originaltitel (DE) Out of America

Fassungen

Original

Länge:
62 min
Format:
16mm, 1:1,37
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE FR): 06.07.1995, Arte