Ehe im Schatten

Deutschland (Ost) 1947 Spielfilm

Neuer Stil oder Unvermögen


Neue Zeit, Berlin/Ost, 5.10.1947


(...) Kurt Maetzig, der Regisseur und Drehbuchautor, ist der Meinung, eine Erneuerung des Films könne nur vom Inhalt her kommen. Die Wahrheit dieser wie der gegenteiligen Behauptung, die Erneuerung müsse von der Form her kommen, liegt, wie meist, in der Mitte, doch im Grunde wird sie überhaupt, wie immer bei einem Kunstwerk, von dem Maß seines Gelingens bestimmt und daher immer neu gefunden und gesetzt werden. Dr. Maetzig hat diesen Film nach seinem Grundsatz ganz vom Inhaltlichen her aufgebaut und dabei das Optische, was noch immer das formbestimmende Element des Filmes ist, weitgehend vernachlässigt oder in einer ganz konventionellen Manier behandelt. Die Geschichte der "Mischehe" des Schauspielers Wieland mit einer jüdischen Schauspielerin wird in epischer Breite erzählt und in den Ablauf der Jahre 33 bis 44 hineingestellt.

Die Anlage des Drehbuchs zeigt dasselbe Bestreben, das man wiederholt schon bei DEFA-Filmen feststellen konnte; den behandelten Stoff möglichst nach allen seinen Ausstrahlungen hin auszuleuchten und so gewissermaßen die Totalität des Lebens einzufangen. So steht dieses Drehbuch der Vertiefung dieses Themas selbst im Licht und läßt den Film im Schatten einer Unsicherheit, von der man nicht weiß, ist diese primitive Aneinanderreihung von unzähligen Szenen, Szenchen und Überblendungen, die ohne jeden optischen Einfall sind, nun die Offenbarung eines neuen realistischen Stils oder sind sie einfach Unvermögen. (...)