Heimat und Fremde

Deutschland 1913 Spielfilm

Heimat und Fremde


Lichtbild-Bühne, Nr. 34, 23.8.1913


Nunmehr ist der erste Pagu-Film aus der Taufe gehoben worden. Im U.T. Friedrichstraße Ecke Taubenstraße waren die Vertreter der Presse und zahlreiche Gäste anwesend, um der Erstaufführung des Films "Heimat und Fremde" (Verfasser und Regisseur Joe May) und dem damit verknüpften Film-Debut dreier Berliner Bühnenkünstler beizuwohnen.

Emanuel Richter, der hervorragende Charakterdarsteller, spielt die Rolle des schwergeprüften Vaters mit enormer Kraft. Er wirkt auf der Leinwand ebenso stark, wie auf der Bühne, die ganze Schärfe seiner Charakterisierungskunst kommt voll zur Geltung. Neben ihm ist sein Sohn Ernst Richter vom Neuen Theater in Frankfurt a. M., den wir als Filmschauspieler bereits kennen, Träger des reumütigen Sohnes. (...)Johanna Terwin vom Deutschen Theater verkörpert als reizende Adoptivtochter und Gattin des Sohnes eine echte Frauengestalt, die in flottem, ausdrucksvollem Spiel sehr schön zur Geltung kommt. Die Rolle eines alten Wucherers führt Friedrich Kühne vom Deutschen Theater kraftvoll plastisch durch; die humorvolle Form seiner Charakterisierung löst Lachsalven aus. Wenn auch die ganze Handlung des Stückes als ein wenig phantastisch bezeichnet werden muß, so ist sie doch außerordentlich spannend, ja einzelne Szenen sind von geradezu erschütternder Wirkung. Ganz besonders soll hervorgehoben werden, daß ”Heimat und Fremde” ein photographisches Meisterwerk darstellt; wohl selten weist ein Film bis ins kleinste Detail so scharfe plastische Bilder auf.

Auf das Berliner Publikum übt der Film eine so starke Anziehungskraft aus, daß das U.T. in der Friedrichstraße mit seinen 850 Plätzen tagtäglich ausverkauft ist und die Kasse infolge des Massenandrangs zeitweise geschlossen werden mußte.