Die Nibelungen. 2. Kriemhilds Rache

BR Deutschland 1966/1967 Spielfilm

Gemetzel bei Etzel



Hans Helmut Kirst, Münchner Merkur Zeitung, München, 18.02.1967

"Kriemhilds Rache" – der Film-Nibelungen zweiter und garantiert auch letzter Teil. Denn diese Sarg-Saga ist weder zu überbieten, noch zu verlängern. Nahezu das ganze Darstellerverzeichnis verwandelt sich in eine Leichenliste. Und selbst wer mühsam überlebt, kommt dennoch nicht unverwundet und ungeprellt davon.

Wie diese Kriemhild das fertig gebracht hat, wäre ein ewiges Rätsel, wenn von diesen Nibelungen nur dieser Film existierte. Hier blickt diese Dame zumeist bleich und erschreckt, gelegentlich aber auch empört, was man ihr gut nachfühlen kann. Warum aber der König Etzel bei ihrem Anblick in die Knie sinkt, sein ganovenartiger Bruder in verwilderte Leidenschaft entbrennt und enthemmte Hunnen rachebrüllend ihre sichtbar schmierige Haut riskieren, warum das so ist und nicht anders, ist ein Geheimnis, das alle mit in ihr Groschengrab nehmen.

So ist aus Kriemhilds Rache mehr Trotzköpfchen-Todestanz geworden, entpuppt sich Ohm Hagen endgültig als schauriger Schlagetot. Nunmehr mordet er nicht nur als liebender Verwandter und treuer Unrechtsstaatsdiener, sondern weil das Effekt macht und Respekt verschafft. Selbst Kinder und Priester müssen daran glauben. Denn das alles gehört mit zu seinen trutzigen Treuekundgebungen, die bei seinem König taumelnde Ergriffenheit erzeugen.

Diese Schlacht-Orgie weitet sich schließlich zu einem pathetischen Durchhaltefilm aus, für den Produzent Arthur Brauner, bei nur geringfügigen Änderungen, vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten vermutlich hochdekoriert worden wäre. Beim Gemetzel bei Etzel prallen Über- und Untermenschen, in gutgemachter Mythosmethode, aufeinander. Letztere liegen dann in zusammengehauenen Haufen herum, klägliche Reste ziehen sich schreckensbleich und angstbibbernd zurück – bis endlich nordmännische, einem Hagen somit rassisch und damit auch kämpferisch gleichwertige Sieger – Spezialisten in diesen Nibelungenring treten. Kampfleiter Harald Reinl inszeniert souverän ein Monstermassaker von bestaunenswerten Ausmaßen.