Biografie
Tevfik Başer wurde am 12. Januar 1951 in der türkischen Provinzhauptstadt Çankırı als Sohn des Notars Musa Başer geboren und wuchs in Eskişehir auf, wo er 1971 sein Abitur abschloss. Nach dem Wehrdienst zog er nach England und machte eine Ausbildung zum Friseur. Auch als Pizzabäcker, Barmann und Tellerwäscher war er in diesen Jahren angestellt. Mit seinen Englischkenntnissen konnte er sich dann 1978 eine Stelle beim türkischen Fernsehen sichern, wo er unter anderem als Kameramann und Fotograf tätig war. Ab 1980 war er dann in der Filmklasse der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg eingeschrieben.
Während dieser Zeit entstand der einstündige Dokumentarfilm "Zwischen Gott und Erde" über die türkische Community in Hamburg-Altona. Der Film wurde mit einem Förderpreis der Hamburger Filmförderung ausgezeichnet.
Mit "40 qm Deutschland" verwirklichte Başer seinen ersten Spielfilm, über eine türkische Frau, die von ihrem konservativen Mann nach Hamburg geholt und in der kleinen Wohnung eingesperrt wird. Die Geschichte über Isolation in einem fremden Land und weibliche Machtlosigkeit in einer Ehe gewann 1986 beim Locarno Filmfestival den Silbernen Leoparden und wurde für den Deutschen Filmpreis als Bester Film nominiert. Hauptdarstellerin Özay Fecht wurde als Beste Schauspielerin mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, Claus Bantzer für die beste Musik. Başers Spielfilmdebüt gilt als einer der bedeutendsten Filme des sogenannten deutsch-türkischen Kinos.
Sein nächstes Projekt, "Abschied vom falschen Paradies", handelt von einer Frau, die unter einem gewalttätigen Ehemann leidet, diesen aus Verzweiflung tötet und deshalb im Gefängnis landet. Die Verfilmung eines Romans von Saliha Scheinhardt behandelt neben patriarchaler Gewalt auch Themen wie Emanzipation und das Schicksal von Migranten in der BRD. Zühal Olcay wurde für ihre Darstellung der Hauptfigur Elif beim Deutschen Filmpreis mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet.
Tevfik Başers bislang letzte Regiearbeit "Lebewohl, Fremde" wurde 1991 beim Cannes Filmfestival uraufgeführt. Darin verliebt sich ein türkischer Dichter, der auf der Flucht vor politischer Verfolgung in Deutschland gelandet ist, in eine deutsche Frau – doch das gemeinsame Glück ist nur von kurzer Dauer. Rolf Schübels Fernsehfilm "Zeit der Wünsche", zu dem Başer das Drehbuch schrieb und der von der ersten Generation türkischer Arbeitsmigranten in Deutschland erzählt, erhielt den Publikumspreis beim Adolf-Grimme-Preis 2005.
Seit den frühen 1990er-Jahren war Tevfik Başer als Dozent aktiv. Bis 2002 war er Gastdozent an der Filmakademie Baden-Württemberg. Danach kehrte er in die Türkei zurück, wo er von 2003 bis 2023 an der Kadir Has Universität in Istanbul Film dozierte. 2026 war er Jurypräsident der Kurzfilmsektion des Filmfestival Türkei Deutschland.