Der Mensch am Wege

Deutschland 1923 Spielfilm

Der Mensch am Wege


J–s., Film-Kurier, Nr.136, 14.6.1923


Alles in allem ein schöner Film, dem man den besten Erfolg auf den Weg wünschen möchte. Wilhelm Dieterle führt zum ersten Male Regie, und er hat eine glückliche Hand. Das Manuskript ist ganz auf die deutsche Heimat gestellt, was ungemein sympathisch berührt: man findet bei den Unternehmern den Mut hierzu so selten, und um des Mutes willen, der unterstützt werden muß, treten gewisse thematische und dramaturgische Einwände, die vielleicht gegen einzelne Stellen zu erheben wären, ohne weiteres zurück.

Die Geschichte ist so wunderschön einfach, so ganz und gar unkompliziert: Der Dorfschuster hat ein Mädel bekommen und sucht Gevatter. Der herrliche, hochfahrende Gutsherr weist ihn natürlich ab, und auch die anderen Dörfler wollen von der Patenschaft nichts wissen. Nur einer findet sich, der die Christenpflicht übernimmt: ein Mann, den der Schuster am Wege aufgelesen hat, der junge Michael. Er bleibt beim Schuster wohnen, verrichtet tagsüber Landarbeit auf dem Gute und hilft abends dem Schuster bei seiner Arbeit. Die Hartherzigkeit des Gutsherrn bringt die Dörfler aber schließlich gegen diesen auf, sie wollen den "Leute-Schinder" überfallen, stürmen auf einem Feldwege auf dessen Wagen ein – doch der Herr ist bereits tot. Ein Schlagfluß hat seinem Leben ein Ende bereitet. Man verdächtigt den Schuster, bei dem der Herr kurz vorher war, ihn vergiftet zu haben, der Kutscher denunzierte ihn. Und der Schuster bleibt im Gefängnis des Ortes sitzen, bis Michael den Kutscher erweicht, der Wahrheit die Ehre zu geben.

Die Darstellung ist gut, innig und herzlich. Heinrich George als Gutsherr, Wilhelm Voelker als Kutscher, Granach als Schuster, Emilie Unda als dessen Weib, die kleine Lieselotte Rolle als Kind des Schusterpaares, Dieterle selbst als Michael – das ist eine gute vorbildliche Besetzung, die warm begrüßt werden muß. Auch die übrigen Mitwirkenden, wie Marlene Dietrich, Dr. Max Pohl, Ludwig Rex und Diegelmann, sollen nicht unterschlagen werden.

Die Bilder von Willy Hameister sind schöne deutsche Ausschnitte, die Architektur Herbert Richter-Luckians wird der Stileinheit mit der äußeren Natur vollkommen gerecht und trifft das norddeutsche Milieu, die Bauten wurden von Junkersdorf, Berlin, ausgeführt.