Durch die Wälder, durch die Auen

BR Deutschland 1956 Spielfilm

Durch die Wälder, durch die Auen


Ernst-Michael Quass, Film-Echo, Nr. 85/86, 27.10.1956

Die Novelle "Die romantische Reise des Herrn Carl Maria von Weber" von Haas Watzlik diente in der Bearbeitung von Walter Forster als Vorwurf für diesen von Regisseur G. W. Pabst inszenierten Film. Es war wohl von vornherein klar, daß dem Vollender der deutschen romantischen Oper ("Freischütz", "Oberon", "Euryanthe"), dem Komponisten Carl Maria von Weber, ein romantisch-filmisches Denkmal gesetzt werden sollte. Das ist – was die Romantik anbelangt – zweifellos gelungen. Venedig mit seinen Kanälen, Gondeln, Bauten und gefühlvollen Liedern, mit seinen Palästen und verschnörkelt prunkvollen Interieurs versetzt das Publikum in jene schwärmerische Stimmung, die sich dann durch den ganzen Film zieht. Auf die weich schmeichelnde italienische Musikalität folgen dann populäre Opernklänge und Lieder, von denen "Lützows verwegene Jagd" und die "Romantische Phantasie" (wie der Komponist im Film sie nennt) den größten Teil des zu Gehör Gebrachten bestreiten. Auch vom Optischen her ist der Regie-Forderung nach Romantik vollauf Genüge getan. Düstere böhmische Wälder, wehende Baumwipfel, verträumte Täler, sonnige Wiesen, ziehende Wolken, Mondlicht, gelbe Reisekutsche, winkelig geduckte Häuslein, skurrile Musikanten, Pferde, Reiter, Jagdhornklang, Kinderreigen und Rosensträuße fügen sich gefühlsselig zusammen und aneinander. Und dazu natürlich die Liebe mit all ihrem Glück, ihren Enttäuschungen, Verzweiflungen und selbstquälerischen Ausbrüchen.

Innerhalb dieses Gefühlskolorits spielt sich dann die Geschichte der Reise des Komponisten Carl Maria von Weber ab, den Peter Arens darstellt. Seine Liebe zu der Opernsängerin Caroline Brandt (Eva Bartok) glaubt man ihm, und es wäre alles gut, wenn er sich – von Kerzenlicht umstrahlt, hinter Gazevorhängen sinnierend, verbissen komponierend und gestikulierend umherwandernd – nicht zu oft geradezu hektisch-verzweifelt gebärdete. Eva Bartok ist die schöne Sängerin, um die der Graf von Schwarzenberg (Karl Schönböck) heftig wirbt und sie nur mittels des Tricks eines fingierten, film-burlesk aufgezogenen Räuberüberfalls auf sein Schloß entführen kann. Sie spielt ihren Part brav und willig, doch hinterläßt sie den Eindruck, daß diese süß-romantische Rolle ihrem darstellerischen Naturell nicht entspricht. Karl Schönböck, der letztlich abgeblitzte Liebhaber, macht eine gute Figur und produziert sich auch als flotter Reiter, schmachtender Belcanto-Sänger und rosenspendender Kavalier. Immer wenn Joe Stöckel als Komponisten-Kutscher, Trostspender, humorig philosophierender Diener und resolutes Rauhbein auftritt, oder Rudolf Vogel als verschmitzter Kammerdiener und spitzzüngiger Berater des Grafen auf der Leinwand erscheint, geht eine Welle der Heiterkeit und des Gelächters durch die Parkettreihen. Diese beiden Figuren und ein Teil der glänzend besetzten Chargenrollen unterberchen mit ihren Spässen (besonders im Räubergasthaus "Druden-Fuß") den schleppenden Gang der Handlung. Allzuviel ist dort langatmig ausgespielt, wo kürzerer Szenenwechsel und schnelle Überblendungen dem Ganzen mehr Schwung hätten geben können. Auf Kosten vieler sehr langer (wenn auch schöner) in der Totale aufgenommenen Landschaftsbilder und Szenerien mußte der flottere Ablauf der Handlung zurückstehen. Wenn dann endlich Peter Arens auf romantisch nächtlichem Dorfmarktplatz seine "Romantische Phantasie" dirigiert, der heulende Sturm (Symbol für den Sturm der Leidenschaften oder dafür, daß Webers Kompositionen in alle Welt getragen werde) sich mit den Klängen der Musik vereint und Herz zum Herzen gefunden hat, setzen die weiblichem Zuschauer ihre Taschentücher in Bewegung. Und so werden es überall besonders die Frauen sein, denen dieser romantisch-sentimentale Farbfilm großartig gefallen wird.