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Rund 20 Jahre sind vergangen, seit das Team der Abteilung Schadensregulierung der Capitol-Versicherung sich erstmals alltägliche Büro-Kleinkriege lieferte. Nun steht ein großes Wiedersehen der wilden Truppe an, von Berthold "Ernie" Heisterkamp über Tanja und Ulf Steinke bis hin zu Jennifer Schirrmann und natürlich Bernd Stromberg "himself" sind alle dabei. Doch wie bei einem typischen Familien- oder Klassentreffen weicht die anfängliche Nostalgie mit zunehmendem Alkoholkonsum einem bitterbösen Herauskramen alter Rechnungen, unterfüttert mit neuen Vorwürfen. Was als fröhliches Wiedersehen gedacht war, eskaliert auf unterwartete Weise.
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Moderiert vom sich selbst spielenden Matthias Opdenhövel kommt die TV-Show „Stromberg – das Wiedersehen“ über erste Proben nicht hinaus. „Wer früher scheiße war, ist heute nicht super“: Zum einen, weil hinter den Kulissen die Producerin Sascha mit ihrer jungen Mitarbeiterin Luna über Political Correctness streitet – und damit über Strombergs völlig aus der Zeit gefallenen sexistischen und xenophoben Sprüche. Und zum anderen, weil sich draußen vor dem Nordpark-Studio männliche Stromberg-Fans mit Halbglatze und „Klobrillen-Bart“ mit weiblichen Gegnerinnen („Nehmt die Glatze aus der Glotze“) fetzen, sodass die Security die Polizei rufen muss.
So wird die Sendung um einige Tage verschoben und die Protagonisten haben Backstage, im Hotel und abends an der Bar – und bei einem in Köln gedrehten nostalgischen Besuch der alten, nun verwaisten Capitol-Wirkungsstätte – ausreichend Gelegenheit, über sich und die neue Arbeitswelt zu sprechen. Mit reichlich Alkohol versteht sich, sodass aus alten Rechnungen neue Vorwürfe werden und das Wiedersehen schnell eskaliert nach dem alten Motto „Büro ist Krieg“. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Bernd Stromberg („Ich bin ganz der Alte. Nur besser“) weder das Mobbing noch das Aufschneiden sein lassen kann. Beim Besuch seines neuen Arbeitgebers „alpha“ stellt sich heraus, dass sein „Chefbüro“ in Wirklichkeit das der jungen Kreativen Basma und Gaël ist und er nur noch teilzeitbeschäftigt ist als abschreckender Kotzbrocken in der Video-Serie „Lernt von Bernd“.
„Ich respektiere Frauen. Als Idee…“: Knapp 20 Jahre nach Start der ersten von insgesamt fünf Staffeln auf ProSieben, für die der Dortmunder Kabarettist Ralf Husmann die britische BBC-Mockumentary „The Office“ von Ricky Gervais und Stephen Merchant adaptierte, und annähernd zehn Jahre nach dem ersten Kinostreifen („Stromberg – Der Film“) ist Christoph Maria Herbst wieder in eine seiner berühmtesten Rollen als großmäuliger Kleingeist geschlüpft. Mit dem Unterschied, dass nun – aus meiner Sicht etwas krampfhaft – versucht wird, die Satire kritisch zu hinterfragen. Was einerseits an unseren woken Zeiten liegt, denen sich gerade Kulturschaffende verpflichtet fühlen. Und andererseits daran, dass – Stichwort Donald Trump – die fatale Realität längst jegliche Ironie obsolet erscheinen lässt.
Um nicht noch mehr zu spoilern, denn der am 1. Dezember 2025 im Berliner Zoo-Palast uraufgeführte Hundertminüter ist wirklich beste Unterhaltung, die auch von Überraschungen für eingefleischte Stromberg-Fans lebt, nur ein paradigmatisches Beispiel: Marvin Steinke, schwergewichtiger Sohn von Tanja und Ulf, scheint nicht die hellste Kerze im Familien-Leuchter zu sein. Weshalb er in der Poststelle der Capitol-Versicherung untergekommen ist, wo er vom Chef als „Praktikant mit zehn linken Daumen“ gemobbt und nach Art Bernd Strombergs zweideutig angemacht wird: „Du leckst auch noch falsch.“ Die Zeiten haben sich offenbar nicht geändert – und ob der Titelheld wie von ihm behauptet auch als Mensch ein Upgrade gemacht hat, kann jeder Zuschauer selbst entscheiden.
Ralf Husmann im Filmwelt-Presseheft: „Ein Chef in Anzug und Krawatte wirkt im modernen Büro befremdlicher als ein Hund. Bernd Stromberg war lange der klassische Vorgesetzte und so deutsch wie ein Locher. Plötzlich ist er ein Fremdkörper. Jetzt ist er zu alt, zu weiß, zu männlich. Der einzige Raucher unter lauter Vapern, eine Glatze unter Man-Buns, der letzte Mohikaner im Büro. Und keiner weiß, ob man das überhaupt noch so sagen kann. Aber der Bernd wäre nicht Stromberg, wenn er das einfach so hinnehmen würde. Er versucht es im Guten, aber er kann auch anders. Ganz anders. Er ist keiner, der irgendwelche gesellschaftlichen Gräben um jeden Preis zuschütten will. Wo bleibt denn der allgemeine Aufschrei, wenn man ihn ungerecht behandelt? Auch sein Fass hat Grenzen. Er hat es immer gesagt. Und er war nie zimperlich. Er wird wieder zum Symbol. Für all die, die das Gefühl haben, der Zeitgeist war in den letzten paar Jahren mal ganz kurz nicht auf ihrer Seite.“
Pitt Herrmann