Drei Tage Mittelarrest

Deutschland 1930 Spielfilm

Drei Tage Mittelarrest


Lichtbild-Bühne, Nr. 270, 11.11.1930


Wer einmal von Herzen lachen will, dem sei getrost dieser Film empfohlen. Ohne sich der Gefahr einer Übertreibung auszusetzen, darf man ihn als Spitzenleistung der Schwank-Kunst bezeichnen.

Das Manuskript stammt von nicht weniger als drei Verfassern: B. E. Lüthge, Heinz Gordon und Karl Noti. Diesmal hat sich das alte Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei!" ganz und gar nicht bewahrheitet. Im Gegenteil! Eine Geschichte wird da aufgerollt, die durch die Komik ihres Sujets einschlagen mußte. Ohne Sentiments hat man hier auf die Vorkriegszeit zurückgegriffen. Ein Militärfilm, ohne den zweifelhaften Beigeschmack, der solchen Filmen mitunter anhaften könnte. (...)

Carl Boese hat wieder einmal bewiesen, daß er in beispielhafter Weise echt Volkstümliches zu gestalten vermag, daß er unumschränkt gerade das Schwankgenre beherrscht. Das ist wirklich die kleine Vorkriegsgarnison: mit ihren Stammtischen, Kasernenhöfen und "guten Stuben", mit ihrer ganz besonderen, eigenen Atmosphäre atmet sie uns in diesem Film entgegen.

Füsilier Nowotni ist Felix Bressart. Endlich eine ganz große Rolle für einen unserer besten Komiker. Wie er so den schlampigen, etwas schüchternen, gutmütigen Kerl hinlegt, das ist einfach fabelhaft. Eine Figur, die voll Leben steckt! – Und dann der Filmdebütant Max Adalbert. Sein Bürgermeister wird mit feinster Komik durchgeführt. Ein großer Gewinn für den Tonfilm!

Eine herrliche Auguste die kleine Lucie Englisch. Schüchtern und lieb, ein herziges, pußliges Ding. – Der Nachtjäger ist Fritz Schulz. Aufs neue darf man ihm bestätigen, daß er zu den dezentesten Komikern gehört, die wir besitzen. – Und Paul Hörbiger als Schreiber Zippert! Eine Erscheinung, die auf die Lachmuskeln einfach wirken muß. Der servile Bürokrat!