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"Waltz with Bashir", der erste animierte Dokumentarfilm in abendfüllender Länge, schildert die Reise des israelischen Filmemachers Ari Folman in seine eigene Vergangenheit: Von einem altem Freund, der durch seinen Einsatz im ersten Libanon-Krieg zu Beginn der 1980er Jahre tief traumatisiert ist, wird Folman dazu inspiriert, auch seine eigenen Erlebnisse dieser Zeit aufzuarbeiten – denn erstaunlicherweise hat er alle Gedanken an den Einsatz komplett verdrängt. Er besucht alte Freunde und Kameraden, um seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Und je weiter er sich in seine Vergangenheit vorarbeitet, desto heftiger wird er plötzlich von Erinnerungen in Form surrealer Bilder heimgesucht.
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So beschließt er, Freunde, Kameraden, Journalisten und Politiker in ganz Israel und sogar in den Niederlanden aufzusuchen und mit ihrer Hilfe diese Lücke zu schließen. Bruchstückhaft kommt seine Erinnerung zum Vorschein, setzt sich, ergänzt um die Erzählungen der von ihm Befragten, zu einem Mosaik zusammen. Dieses Bild weist jedoch bis zum Schluss eine Leerstelle auf, denn an ein ganz bestimmtes Ereignis kann sich weder Ari selbst noch einer seiner Gesprächspartner erinnern. Was man nur als das Trauma einer ganzen Generation junger Israelis bezeichnen kann, wie das Trauma der Eltern Folmans, die das KZ Auschwitz überlebten, und das Trauma amerikanischer Soldaten in Vietnam...
Das Ergebnis, „Waltz with Bashir“, ist eine Sensation: die erste animierte Dokumentation der Filmgeschichte. Folman hat seiner ganz persönlichen Recherche eigener Kriegserlebnisse, die in der Erinnerung an das fürchterliche Massaker christlicher Milizen an Palästinensern in den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Shatila unter dem Schutz der israelischen Besatzer gipfelt, eine individuelle Struktur gegeben.
Auf der Grundlage der Recherchen Ari Folmans wurde zunächst ein vollständiges Drehbuch geschrieben und im Studio auf Video verfilmt. Die Interviews mit den Figuren des Films und deren Geschichten wurden als Vorlage für die Animatoren dramatisiert. An Hand der Videoversion wurde dann ein detailliertes Storyboard, aus dessen Zeichnungen wiederum ein Videoboard erstellt, eine sog. Animatic oder Story Reel. Diese diente dann führenden israelischen und ausländischen Illustratoren als Vorlage eigener Zeichnungen, die schließlich animiert wurden. Und zwar auf vergleichsweise eigenwillig-kunstvolle, wie aus der Zeit geholte Art ohne jede illusionistische Pixar-Perfektion: Die dem Film zugrunde liegende Schwarzweiß-Ästhetik wird nur durch eine sehr gedeckte Farbskala ergänzt. Ein Eindruck, der durch die ruhigen, häufig kommentierten Dialoge und die klassische Musik noch verstärkt wird.
„Filme sind doch wie Psychotherapie“ (Boaz): Der nach „Saint Clara“ (1996) und „Made in Israel“ (2001) dritte Spielfilm des (TV-) Dokumentaristen Ari Folman ist ein in seiner Vermischung von Traum und Wirklichkeit so eigenwilliger wie berührender Film, der auf die in den Schlussminuten angehängten Dokfilm-Sequenzen durchaus hätte verzichten können. Ari Folman im Pandora-Presseheft: „Ich bin nicht allein. Ich glaube, es gibt Tausende früherer Soldaten, die ihre Erinnerungen tief zurückgedrängt haben. Aber sie können jederzeit ausbrechen, und wer weiß, was dann passiert.“
Pitt Herrmann