Biografie
Enis Köstepen wurde 1979 in Izmir, Türkei, geboren. Er studierte Internationalen Handel und Soziologie an der Boğaziçi-Universität in Istanbul. Dort gehörte er 2001 zur Gründungsredaktion der türkischen Filmzeitschrift Altyazı, ein Projekt einer Gruppe befreundeter Student*innen. Während des Studiums arbeitete er unter anderem an einem Forschungsprojekt zum Agrarwandel in der Türkei sowie an einer Oral History-Ausstellung zum Thema Menschenrechte. Im Jahr 2005 zog er nach New York City, um an der New School for Social Research Anthropologie zu studieren.
Zurück in Istanbul, begann Enis Köstepen 2008 bei der Produktionsfirma Bulut Film als Produzent zu arbeiten. In dieser Funktion brachte er mehrere vielfach preisgekrönte Filme von Emin Alper auf den Weg: das Bergbauerndrama "Tepenin ardi" (2012), das Politdrama "Abluka" ("Abluka – Jeder misstraut jedem", 2015) und das anatolische Dorfdrama "Eine Geschichte von drei Schwestern" (TR/DE/NL 2019).
Im Jahr 2019 war Köstepen Mitbegründer der Altyazı Cinema Association. Zwischen 2013 und 2021 arbeitete er zudem als Koordinator für Projektentwicklung und Fundraising bei Hafıza Merkezi, einer in Istanbul ansässigen Menschenrechts-NGO.
Gemeinsam mit Ilker Çatak und der Künstlerin Ayda Meryem Çatak schrieb Köstepen das Drehbuch zu "Gelbe Briefe" (DE/FR/TR 2026), einem hochaktuellen Gesellschaftsdrama über politische Repression in der modernen Türkei. Der Film feierte im Wettbewerb der Berlinale 2026 Premiere und wurde dort mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Beim Deutschen Filmpreis 2026 erhielt der Film neun Nominierungen, darunter auch in der Kategorie Bestes Drehbuch.