Biografie
Stefan Paul Goetsch wurde 1978 in Freiburg im Breisgau geboren. Unter seinem Künstlernamen Hainbach ist er als Komponist, Soundkünstler und Filmkomponist für experimentelle elektronische Musik tätig. Aufgewachsen im südbadischen Denzlingen am Rand des Schwarzwalds, erhielt er früh Klavierunterricht und begann bereits als Jugendlicher mit Radios, Computern und digitalen Aufnahmeprogrammen zu experimentieren. Parallel programmierte er eigene Computerspiele und spielte Bass in einer Schulband.
Goetsch studierte Musikwissenschaft in Hamburg, versteht dieses Studium jedoch vor allem als analytische Grundlage; seine künstlerische Entwicklung vollzog sich weitgehend außerhalb institutioneller Strukturen. Bis 2009 war er Mitglied der New Wave Band The Dance Inc., deren Veröffentlichungen auf dem Hamburger Label Audiolith Records erschienen.
Seit 2010 publiziert er unter dem Namen Hainbach elektronische und ambient-orientierte Musik auf internationalen Labels wie Seil Records, Opal Tapes, Lavender Sweep Records, Chase Bliss, Soil, Ultraviolet Light, Misc., Springbreak Tapes, SA Recordings, Gohan Tapes, Marionette und Alessandro Cortinis Limited Interest. Charakteristisch für seine Arbeit ist der Einsatz von Tonbandgeräten, historischem Testequipment aus Labor- und Forschungskontexten sowie analogen Synthesizern, die er als eigenständige Klangsysteme begreift und deren Rauschen, Fehlfunktionen und Rückkopplungen er bewusst in seine Kompositionen einbezieht.
Das Tonband bildet ein zentrales Element seiner Arbeitsweise. Durch Überspielungen, Loop-Strukturen und physische Eingriffe entstehen dynamische Prozesse, die sich während einer Aufführung fortlaufend verändern. Diese Offenheit prägt sowohl seine Soloarbeiten als auch seine Kooperationen mit Ensembles.
Für das Theater komponierte Hainbach die Musik zu über 70 Produktionen, unter anderen für das Staatstheater Hannover, das Schauspielhaus Hamburg, das Theater Frankfurt, das Theater Bonn und das Deutsche Nationaltheater Weimar.
Auch im Film- und Medienbereich ist er aktiv. Er schrieb u. a. die Musik für das iOS Spiel "BrainConnect" (2016). Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Produzenten Felix und Julian Moser, fuer deren Produktionsfirma moserfilm er unter anderem am Kurzdokumentarfilm "Bruderkrieg" (2017) und Qinyuan Leis "The One Who Runs Away Is the Ghost" arbeitete, sowie gemeinsame Musikvideoprojekte durchführte.
Unter der Regie von Denis Moschitto und Daniel Rakete Siegel entwickelte er eine elektronisch geprägte Klangsprache für deren Thriller "Schock". 2025 folgte die Musik zu "Amrum", eine Zusammenarbeit mit Regisseur Fatih Akin. Hier entstand eine reduzierte, atmosphärische Klangwelt, die stark aus der filmischen Umgebung heraus gedacht ist und Naturgeräusche – insbesondere das Motiv des Windes – klanglich transformiert. Für seine Arbeit an "Amrum" wurde Hainbach 2026 für den Deutschen Filmpreis nominiert.
Bereits seit 2011 betreibt Hainbach zudem einen erfolgreichen YouTube Kanal, auf dem er experimentelle Musiktechniken, Tape Setups und Arbeiten mit historischem Testequipment vorstellt. Das Magazin Pitchfork bezeichnete den Kanal als "Schatzkammer" experimenteller Klangforschung.
Stefan Paul Goetsch lebt und arbeitet in Berlin und hat unter anderem an der Humboldt Universität zu Berlin, der Manchester School of Art, dem Hybrid Arts Lab Dresden und dem MRC Copenhagen unterrichtet.