Credits
Regie
Drehbuch
Darsteller
Produktionsfirma
Produzent
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Darsteller
Produktionsfirma
Produzent
Länge:
86 min
Aufführung:
Uraufführung (DE FR): 07.07.1995, ARTE
Titel
- Originaltitel (DE) Z-Man's Kinder
Fassungen
Original
Länge:
86 min
Aufführung:
Uraufführung (DE FR): 07.07.1995, ARTE
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Und sie ist neugierig auf das wieder geöffnete Brandenburger Tor. Diese Neugierde wird ihr und ihren beiden Begleitern zum Verhängnis. Denn zufällig tagen an diesem Wochenende die Innenminister der Länder an der Spree und das Gelände um das Reichstagsgebäude ist großflächig abgesperrt. Die Drei geraten zufällig in eine solche Sperre – und rasten in ihrer Überraschung völlig aus. Es kommt zu einem wilden Schusswechsel, bei dem die beiden Begleiter der Frau getötet werden.
Sie entkommt und flüchtet zu einem früheren Gesinnungsgenossen, dem Mittvierziger Fred (Dominik Bender). Der teilt als Musiklehrer und alleinerziehender Vater einer Tochter, welcher er konsequent den Fernsehkonsum verweigert, in einer Kreuzberger Hinterhofidylle sein beschaulich-bürgerliches Leben mit drei befreundeten, kinderreichen Familien im instandgesetzten Haus. Franzi (Nadja Engel), eine hochschwangere Mitbewohnerin, die sich ein Zubrot beim Erfinden von Kreuzworträtseln verdient, hat viel Zeit und verfolgt von ihrem Ausguck das Geschehen auf dem Hof. Sie bekommt als erste mit, dass jemand im Keller versteckt ist – und ruft die Polizei.
Parallel dazu hat Heidi Specogna eine medienkritische Handlung eingebaut, die einigermaßen bemüht Querverbindungen zur Terroristen-Schiene herstellt: Die Kreuzberger Rasselbande ist begeisterter Konsument eines privaten Kinderkanals namens Z-TV, der ständig Comics zeigt, welche einen Hinterhof weiter auf dem computerunterstützten Reißbrett entstehen. „Z-Man“ ist der positive Held einer dieser Serien. Als der Senderchef Dr. Jäger (Hanns Zischler) die Polizeifahndung nach einer gesuchten Schusswaffe dadurch unterstützt, dass er diese geschickt in das Comic einbauen lässt, kommt es zur Katastrophe in dem längst von Straßenbaumaßnahmen bedrohten Kreuzberger Idyll: Die Kinder begeben sich auf die Suche nach der Waffe – und finden die Terroristin. Gerade in dem Augenblick, als aus Spiel Ernst zu werden droht, marschiert ein gewaltiges Polizeiaufgebot in den Hinterhof. Ein Schuss hallt vielfach gebrochen durch das Mauergeviert…
Heidi Specognas Figuren entstammen beinahe sämtlich der einstmals so kämpferischen linken Szene: Der Grafiker (Jimmy Stepanoff) hat sich in seiner Medienwerkstatt eingebunkert, hier ersinnt er bei künstlichem Licht für Z-TV die Comic-Helden und ihre Geschichten, die in der unmittelbaren Kreuzberger Nachbarschaft spielen und so die Phantasie der sechs Kinder aus Freds Hausgemeinschaft noch zusätzlich fesseln. Kachel (Michael Baumann) ist ein Genosse von einst, der von der Bewegung nichts mehr wissen will. Auf Bewährung draußen hat er nicht nur der Gewalt abgeschworen, sondern – im Gegensatz zu Fred, der wenigstens in der Erziehung seiner Tochter einige Fehler vermeiden will, auch den Idealen von der Veränderbarkeit der Welt. Er verweigert die Hilfeleistung für die verletzte Terroristin, will nur noch an seinen Motorrädern herumbasteln. Fred dagegen ist hin- und hergerissen zwischen Einsicht in die Realitäten und dem alten Traum, der Solidarität. Franzi schließlich lockt die ausgelobte Geldsumme für Hinweise, die zur Ergreifung der Terroristin führen…
Heidi Specognas erster Spielfilm ist für die Mitte der 1990er Jahre wieder stärkere Beachtung findende ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ produziert und am 7. Juli 1995 erstmals von Arte ausgestrahlt worden: „Z-Man’s Kinder“ bleibt jedoch in durchaus richtigen Ansätzen stecken. Weil der Film zu wenig Licht in das Dunkel im Keller bringt, in dem die „Frau“ Fragen zu stellen beginnt nach ihrem bisherigen Leben, nach ihren weiteren Aussichten in einer ihr inzwischen völlig fremden Welt, die Deutschland heißt. Andreas Platthaus lobte dagegen (in der FAZ vom 10. Juli 1995) die Verbindung von Margarethe von Trottas „Bleierne Zeit“ mit Alfred Hitchcocks „Fenster zum Hof“: „Specogna ist eine höchst intelligente Parabel auf das Leben in Kleingruppen gelungen, auf ihre Probleme, Abgrenzungen und Hoffnungen. Dem Zuschauer verlangt die junge Regisseurin weit mehr ab, als dies im Fernsehen heutzutage üblich ist.“
Pitt Herrmann