Nachts im Grünen Kakadu

BR Deutschland 1957 Spielfilm

Nachts im grünen Kakadu



Georg Herzberg, Film-Echo, Wiesbaden, 07.12.1957

Die Leistung Marika Rökks ist erstaunlich und bewundernswert. Sie filmt nun in Deutschland seit 22 Jahren und wurde noch immer, was die Summe ihres tanzakrobatischen, gesanglichen und schauspielerischen Könnens anbelangt, von keiner ihrer Kolleginnen erreicht. Ihr Erfolg nach vierjähriger Pause ist auch der ihres Regisseurs Georg Jacoby, der mit Hilfe des alten Kamera-Kämpen Willy Winterstein demonstriert, daß er noch immer ein einfallsreicher Meister der Filmrevue ist. Es wäre mithin alles in schönster Ordnung, wenn die Autoren Curt J. Braun und Helmut M. Backhaus ein wenig mehr Rücksicht, auf die Gegebenheiten der Besetzung genommen hätten. Wenn nun schon Marika Rökk im Mittelpunkt einer Liebesgeschichte stehen mußte, dann hätte man sie der Persönlichkeit einer Schauspielerin anpassen müssen, von der jedermann im Parkett weiß, daß sie nicht mehr 23 ist und daß auch ihr Partner, der hier wieder einmal sehr unglücklich eingesetzte Dieter Borsche, nicht zur Buchholz-Generation gehört. Anstatt die beiden ihre Herzensaffäre im Stile von "Über das Alter sind wir schließlich hinaus" regeln zu lassen, müssen sie sich durch eine Folge platter und für sie nicht geeigneter Lustspiel-Situationen quälen. Die Rökk zeigt auch in diesem Film, daß sie schauspielerisch da am besten und überzeugendsten ist, wo sie eine kluge, couragierte, moderne und schlagfertige Frau sein darf. Warum also dieser Frau einen geistigen Zopf andichten, den ihr doch keiner glaubt, wozu der Ausflug in die Klappsmühle und die Anleihe bei "Pension Schöller?" Den Nebenrollen fehlt die rechte Autorenliebe. Alles ist auf die Wirkung des Augenblicks abgestellt, nirgends der Versuch, eine Figur über den ganzen Film hinweg interessant oder gar liebenswert zu machen. Weitaus am besten hält sich noch Hans Nielsen, es ist nur schade, daß er so selten in Aktion tritt. Renate Ewert darf nett aussehen, zu mehr gibt ihr der Film keine Chance. Gunnar Möller scheint mit der Zeit arriviert genug, um eine Rolle wie die ihm hier Gebotene ablehnen zu können.

Noch einmal: Der Film ist wegen der Rökk und der schwungvollen Revueszenen, die auch in musikalischer Hinsicht allen Ansprüchen entsprechen, sehenswert. Seine "Handlung" steht auf dem in dieser Spielzeit bereits bedrohlich angewachsenen Schuldkonto der Dramaturgie.