Die Nacht vor der Premiere

BR Deutschland 1959 Spielfilm

Die Nacht vor der Premiere



Georg Herzberg, Film-Echo, Nr. 40/41, 23.05.1959

Der Erfolg war eindeutig. Das Premierenpublikum brüllte vor Vergnügen, begann mit seinem Applaus schon nach einigen hundert Metern und wollte nach Filmschluß Marika Rökk nicht von der Bühne lassen. Von allen ihren Nachkriegsfilmen ist dieser ohne Zweifel der beste.

Der Erfolg ist nicht allein mit dem "Wunder" Marika Rökk zu erklären, also mit der erstaunlichen Tatsache, daß diese Frau, die nun schon seit fünfundzwanzig Jahren im gleichen Metier steht, in ihrer Gesamtleistung heute besser ist denn je. Zu dem Können der. Rökk, zu der Virtuosität ihrer Tanzakrobatik, zu ihrer Musikalität und dem Charme ihrer Persönlichkeit, lieferten diesmal Buch, Regie und Technik einen besonders geglückten Rahmen. Nicht nur die Rökk ist gut; der Film als Ganzes ist gut. Das Buch, an dem nicht weniger als vier Autoren gearbeitet haben, gibt dem Star die Rolle einer Revuesängerin, die in Harnisch gerät, als ein Hamburger Südfruchthändler seinem Sohn verbietet, ihre Tochter, die Tochter einer "Hupfdohle", zu ehelichen. Sie erteilt dem Hochmütigen eine eindringliche, für den Zuschauer recht ergötzliche Lektion. Das ist gewiß kein umwerfender Einfall. Aber er genügt – zusammen mit der Andeutung eines Kriminalgeschehens – durchaus, zumal das Possenhafte in erträglichen Grenzen gehalten wird, für die Übergänge in die Revue ausgezeichnete Lösungen gefunden wurden und zwischendurch Frau Rökk immer wieder Gelegenheit erhält, die turbulenten Vorgänge auf die Basis des gesunden Menschenverstandes zurückzuführen. Georg Jacoby, seit Jahrzehnten Meister des deutschen Revuefilms hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, mit dem Kameramann Winterstein, den Architekten Kirchhoff und Becker, der Choreographin Sabine Ress, dem Kostüm verantwortlichen P. Seltenhammer und dem Komponisten L. Olias, Schau-Szenen auf die Leinwand gezaubert, die sorgsame Vorbereitung und gründliche Überlegung erkennen lassen. Besonders gut gelungen sind die grotesken Szenen, deren Einfallsreichtum immer wieder Beifall entfesselte. Mit Geschick wurden Louis Armstrong und seine Mannen eingebaut; ihre Auftritte sollten dem Film unter der Jugend zusätzliche Besucher verschaffen. Wolfgang Lukschy ist der Rökk ein sehr sympathischer Partner, Wiebke Paritz bringt als Rökk-Tochter für ihr Kamera-Debüt erfrischende Jugend mit, Theo Lingen kommt zu seinen Lachern, ohne überdreht zu werden, Ursula Grabley, mit Grazie älter geworden und zu Unrecht vom Film vernachlässigt, empfiehlt sich für das Fach der mère noble. Der Film sollte in den kommenden schwierigen Wochen einer der wichtigsten Trümpfe im Kinogeschäft sein.