...und morgen kommen die Polinnen

DDR 1974/1975 TV-Dokumentarfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Ein IFA-LKW mit Anhänger rast selbst durch kleine Ortschaften der Mark Brandenburg. Er hat Federvieh geladen für das Kombinat Industrielle Mast (KIM) Storkow, genauer gesagt: für den Schlachthof des Volkseigenen Betriebes. Vor dem Verwaltungsgebäude hält wenig später ein Omnibus, dem vierzig Polinnen entsteigen. Sie stammen aus Breslau, dem heutigen Wroclaw, und waren bisher im Krankenhaus, in der Gastronomie, als Kosmetikerin oder Fleischerei-Verkäuferin tätig.

Weil in ihrer Heimatstadt ein neuer Geflügelschlachtbetrieb entsteht, der mit festen (Schicht-) Arbeitszeiten und attraktiver Bezahlung lockt, haben sie sich für vier Wochen als Vertragsarbeiterinnen in Storkow verpflichtet, um dort die arbeitsteilige, fast vollständig mechanisierte Akkordarbeit am Fließband kennenzulernen. Eine, wie sich bald herausstellt, viel zu kurze Zeit, um an der Seite deutscher Kolleginnen, die eine achtmonatige Ausbildung hinter sich haben, bestehen zu können.

Was trotz der auf Funktionärsebene plakativ herausgestellten internationalistischen Solidarität unter befreundeten sozialistischen Volksgemeinschaften bald zu Problemen führt: Die Geschwindigkeit des Fließbandes kann nur kurzzeitig herabgesetzt werden, um die Normerfüllung oder gar die Prämien verheißende Übererfüllung nicht zu gefährden. Schon der erste Eindruck von der blutigen Handarbeit, aus der einmal knusprige Goldbroiler entstehen sollen, ist für die schlesischen „Anlernlinge“ verheerend. Tränen fließen bei den ersten negativen Bemerkungen der genervten, da doppelt geforderten deutschen Band-Nachbarinnen.

Diese trocknet die Parteiorganisatorin Christa mit dem Charisma einer treusorgenden Mutter der Kompagnie. Die Vorarbeiterin betreut alle vier Wochen ein neues Kontingent vielfach sehr junger Frauen, welche sich erstmals im Ausland befinden, einige sogar erstmals von Zuhause fort sind, mit großer Empathie. Frauensolidarität ist der überzeugten Sozialistin Christa, der ersten weiblichen Arbeitsgruppenleiterin des in der Führungsebene beinahe rein männlich geführten Betriebs, eine Herzensangelegenheit.

Sie gleicht die Verständigungsprobleme und Mentalitätsunterschiede mit enormer Einsatzbereitschaft rund um die Uhr aus und setzt auf gemeinsame Ausflüge etwa zum Scharmützelsee und in den Spreewald. Am Ende, nach einer feucht-fröhlichen Feier zum Weltfriedenstag, fließen nicht nur Freudentränen beim Erhalt von lang erwarteter Post aus der ja räumlich gar nicht so weit entfernten polnischen Heimat, sondern aufrichtig gemeinte Tränen des Abschiedsschmerzes…

Gitta Nickels Dokumentarfilm nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn sich die Dokumentaristin wie gewohnt jeglichen Kommentars enthält. In einmal mehr erstaunlicher Offenheit sprechen die Polinnen von der ungewohnten, so nicht erwarteten Schwere der Arbeit und einer eher negativen Atmosphäre im Betrieb. Sie seien gekommen, um zu lernen – und müssten nun, kaum oberflächlich angelernt, schuften wie die deutschen Kolleginnen. Allerdings bei gleichem Lohn ohne Abzüge für Kost und Logis: Christa findet auch hier die richtigen, d.h. klaren Worte.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
590 m, 52 min
Format:
16mm, 1:1,33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DD): 25.02.1975, DDR-TV

Titel

  • Originaltitel (DD) ...und morgen kommen die Polinnen
  • Arbeitstitel (DD) KIM-Storkow

Fassungen

Original

Länge:
590 m, 52 min
Format:
16mm, 1:1,33
Bild/Ton:
Orwocolor, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DD): 25.02.1975, DDR-TV