Tolle Tage

DDR 1969 TV-Spielfilm

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Die Kamera verweilt einen kurzen Moment auf dem Gemälde einer Winterlandschaft, bevor sie ins stockdunkle Foyer schwenkt. Ein Mann öffnet die Außentür und tastet sich im Schein einer Taschenlampe bis zum Sicherungskasten vor, um das Licht einschalten zu können. Wenn es ein Einbrecher sein sollte, verfügt er über Ortskenntnisse. Es scheint aber nicht so, auch wenn besagter Mann rasch die Sicherung wieder herausdreht und in einem Zimmer verschwindet, als sich weitere Ankömmlinge ankündigen.

Bei ihnen handelt es sich um den Touristikfachmann Eduard Obermüller und seinen Stellvertreter Rolf Hurtig. Letzterer soll die Leitung der zum Jahreswechsel wiedereröffneten Schneemannbaude im thüringischen Katzhütte übernehmen und vom Chef entsprechend eingewiesen werden. Zu beider Überraschung müssen sie, in Ermangelung einer Taschenlampe, noch hilfloser als ihr unbekannter Vorgänger durchs dunkle Foyer tapern, bis sie den Strom anstellen können: Keine Menschenseele da. Dafür ein Brief des Chefkochs Horst Brettschneider: Da die Anreise der Gäste erst für den 3. Januar geplant ist, haben er und die Zimmerfrau Wunderlich dem Personal über die Feiertage noch ein paar freie Tage gegönnt – und sich selbst natürlich auch.

Nun ist guter Rat teuer, zumal die Hotellerie in nächster Nähe vom Einheitsgewerkschafts- bis zum Sportlerheim gerade jetzt niemanden abstellen kann. Obermüller und Hurtig müssen also die Ärmel hochkrempeln und selbst Hand anlegen, beim Bettenmachen und in der Küche, an der Rezeption und im Heizungskeller. Denn mit dem in die Jahre gekommenen Schauspieler Siegmar-Fred Kronenberg, der sich immer noch als „jugendlicher Held“ sieht, obwohl er inzwischen nur noch den Minol-Pirol in der TV-Kinderserie Teletubbies mimt, steht bereits der erste Gast auf der Matte, dicht gefolgt vom Berliner Ehepaar Linke. Während sich Oskar Linke, als erfahrener Klempner, sogleich um die noch kalte Heizung kümmern will, erweitert Gattin Hanna ihren kulturellen Bildungshorizont beim charmanten Kronenberg.

Wildsuppe à la Rebhuhn, Rehrücken mit Preißelbeeren und überbackene Käsehäppchen stellt sich Obermüller als Abendmenü vor, allein die Speisekammer gibt nur Allerwelts-Dosenware her. Aus der Hurtig („Alles fängt mit Suppe an…“) durchaus etwas Schmackhaftes zaubert, ergänzt um Knäckebrot mit Marmelade. Während weitere Gäste die Anmeldebögen ausfüllen, darunter das in Scheidung lebende Ehepaar Susanne und Dr. Wolfgang Winterfeld aus Leipzig, das den Silvesteraufenthalt bereits im Herbst gebucht hatte, als im Zahnarzthaushalt noch die Sonne schien. Nun will sie partout nicht mit ihm ins Doppelzimmer ziehen.

Zu den nach und nach eintrudelnden Urlaubern gehören der Berliner Finanzbuchhalter Helmut Schreckling, der als begeisterter Hobbybastler seinem Namen alle Ehre macht, und das nicht nur beim obligatorischen Silvesterfeuerwerk, die attraktive Sekretärin Gudrun Ligowski, welche den Hüttenaufenthalt bei einem Sängerwettstreit ihres Konfektionsbetriebes gewonnen hat, sowie, engagiert für die große Fete in der letzten Nacht des alten und der ersten des neuen Jahres, Heinrich Theiner (Bass, Gesang), Rudolf Bürgermeister (Akkordeon, Gesang) und Helmut Henschel (Gitarre, Gesang), besser bekannt als Enzo-Trio („Wir lieben Schnee und das Jodeln“).

Da war doch noch ein Dunkelmann? Als er von Hurtig inflagranti beim Telefonieren in Obermüllers Büro erwischt wird, entpuppt sich der große Unbekannte als Konrad Holzapfel, Inspektor des Deutschen Reisebüros. Schon rutscht den beiden Häuptlingen ohne Indianer das Herz in die Hose, das aber ganz unnötig. Zum einen sind die Improvisationskünste des famosen Gespanns Obermüller/Hurtig höchst bemerkenswert, auch wenn sie es nicht übers Herz bringen, das als Sonntagsbraten vorgesehene Kaninchen zu schlachten. Und zum anderen sind Reisende in der DDR Kummer gewöhnt – und packen in diesem Fall gerne mit an. Der so stimmungsvollen wie feucht-fröhlichen Silvesterparty folgt Katerstimmung auf dem Fuße: Ganz Katzhütte ist eingeschneit, die Schneemannbaude von der Außenwelt abgeschnitten, da auch die Telefonleitung nicht mehr funktioniert. Was hilfts, Tür freischaufeln, Skier untergeschnallt und Hilfe holen…

Bei der 90-minütigen Musik-Komödie „Tolle Tage“, erstausgestrahlt am 31. Dezember 1969 im Deutschen Fernsehfunk, handelt es sich gewissermaßen um die Fortsetzung der Kreuzfahrtkomödie „Meine Freundin Sybille“ von Rudi Strahl und Wolfgang Luderer, die im Sommer 1967 in die DDR-Kinos kam. In welcher neben den Protagonisten Herricht & Preil in „ihren“ Rollen als Hurtig und Obermüller auch der Klempner Willi Narloch als Taxifahrer zu sehen war. Allerdings eine Fortsetzung im Bonsai-Format, worunter nicht nur die technische Reduzierung von 35 mm auf Bildschirm-Größe gemeint ist: das Drehbuch zur kammerspielartigen Studioproduktion (PL Wolfgang Baumbach, Schnitt: Erika Eichhorn) von Hans-Joachim Preil ist mit seinen arg dämlichen Späßen, die auch Herrichts furiose Slapstick nicht vergessen machen kann, nur ein müder Abklatsch verglichen mit Rudi Strahls Szenarium nach seiner gleichnamigen Erzählung.

Pitt Herrmann

Credits

Darsteller

Alle Credits

Szenarium

Dramaturgie

Kostüme

Darsteller

Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe

Titel

  • Originaltitel (DD) Tolle Tage

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe