Rotmord

BR Deutschland 1968 TV-Spielfilm

Inhalt

Peter Zadeks Fernsehspiel nach Tankred Dorsts Theaterstück "Toller" erzählt die Geschichte der Münchner Räterepublik. 

In ihrem Zentrum steht der Dichter Ernst Toller, der in der Münchner Räterepublik 1919 Vorsitzender des Zentralrats sowie Abschnittskommandant der "Roten Garde" war und nach Zerschlagung der Räterepublik wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Für Tankred Dorst, der mit Zadek auch das Drehbuch des Films schrieb, ist Ernst Toller mehr als die Symbolfigur der Räterepublik: "Ich habe mich damals mit Toller identifiziert, wollte ihn aber auch kritisieren: Ein Dichter, der zu politischem Handeln gezwungen wird und scheitert."

 

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Heinz17herne
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„Rotmord“ erzählt die Geschichte der Münchener Räterepublik im April 1919, von ihrem schwärmerischen Beginn bis hin zu ihrem tragischen Ende. Vorsitzender des Vollzugsrats und Symbolfigur für diese kurzlebige Republik war der pazifistische Student und Dramatiker Ernst Toller, ein eloquenter Redner und feinfühliger Selbstdarsteller. Und, wie alle führenden Köpfe der Erhebung, kein Politiker. Sondern ein idealistischer, schwärmerischer Intellektueller, der links von den etablierten Parteien stehend den Traum eines basisdemokratischen Staatswesens umzusetzen versuchte, ohne sich Gedanken über eine Machtbasis zu machen.

Sein Gegenspieler war weniger der führende Sozialdemokrat Friedrich Ebert, der von der Weimarer Nationalversammlung zum ersten Reichspräsidenten gewählt wurde, sondern der Kommunist Eugen Leviné, ein begabter, realistisch denkender revolutionärer Führer. Der Toller vorwarf, mit seiner kleinbürgerlichen Gesinnung der Sache des Sozialismus zu schaden. In kaum einer Woche war dieser „linke Spuk“ bereits Vergangenheit, blutig niedergeschlagen durch eilig zusammengezogene Verbände der Reichswehr im festen Glauben an die Dolchstoß-Legende nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg: im Felde unbesiegt. Eugen Leviné wurde hingerichtet, der anarchistische Schriftsteller Gustav Landauer in der Haft von Freicorps-Soldaten erschlagen und Ernst Toller von einem Standgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die TV-Produktion des Westdeutschen Rundfunks geht, unter Beteiligung des Dramatikers Tankred Dorst, über sein 1968 in Stuttgart uraufgeführte Theaterstück „Toller – Szenen aus einer deutschen Revolution“ hinaus, indem sie Interviews mit noch Überlebenden unter den damaligen Revolutionären in die Handlung einbezieht und damit das Geschehen aus der Umbruchzeit nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs in die Gegenwart der Wirtschaftswunderzeit der 1960er Jahre reflektiert. Es ist noch Jahrzehnte nach der Erstausstrahlung nachzuvollziehen, welche Wellen dieser in Schwarzweiß gedrehte Fernsehfilm geschlagen haben muss: vor allem in ästhetischer, dann aber auch in politischer Sicht war „Rotmord“ bahnbrechend.

Um mit der Ästhetik zu beginnen, die Zadek, Dorst und ihrem Szenenbildner Wilfried Minks beim „Prix Italia“ einen Sonderpreis bescherte: „Rotmord“ ist keine zumeist mit statischer Kamera gedrehte Abfilmung einer Theateraufführung, sondern ein semidokumentarischer, die Ebene der Fiktion vielfach durchbrechender, die technischen und ästhetischen Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auslotender Streifen – Spielfilm, Reportage, Zeitdokument in einem. Aber auch die politische Brisanz wird deutlich und hier entpuppt sich „Rotmord“ als „echter“ Zadek: der Theatermacher, der in den Tagen der Zweitausstrahlung Mitte Mai 1996 im „Dritten“ des Westdeutschen Rundfunks siebzig Jahre jung und entsprechend in den Medien gefeiert worden ist, auf „Arte“ sogar mit einem ganzen Themenabend, hat sich von der linken Protestbewegung nicht vereinnahmen lassen. Denn er zeigt Ernst Toller und seine bürgerlichen Genossen, offenbart die Geschichte der Münchner Räterepublik in ihrer ganzen Zwiespältigkeit, die bei allem Blutzoll auch Lächerlichkeit in sich birgt.

Die Besetzung von „Rotmord“ ist Legion – von Gerd Baltus als Toller und Siegfried Wischnewski als Eugen Leviné über Wolfgang Neuss als Erich Mühsam und Harry Wüstenhagen als Reichert bis hin zu Erich Fried als Psychiater, Hans Schweikart als Intendant Martersteig und Jürgen Flimm: Theatermacher, die gemeinhin als „Achtundsechziger“ gelten und den Marsch durch die Institutionen erfolgreich hinter sich gebracht haben. So Schweikart als Intendant der Münchner Kammerspiele, Flimm als – späterer – Intendant des Hamburger Thalia-Theaters und der Theaterwissenschaftler Dr. Rolf Badenhausen (in der Rolle des Professors Max Weber) als Dramaturg an Gustaf Gründgens' Düsseldorfer Schauspielhaus.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Kostüme

Darsteller

Produzent

Länge:
86 min
Format:
16mm (?), 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DE): 21.04.1969, ARD

Titel

  • Originaltitel (DE) Rotmord

Fassungen

Original

Länge:
86 min
Format:
16mm (?), 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DE): 21.04.1969, ARD