Papa allein zu Haus

Deutschland 2011 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Jede rote Ampel interessiert ihn mehr als wir“: Sohn Oliver (Johann von Bülow) nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um seinen Vater Theo Winter (darf zu Beginn nach Herzenslust das Arschloch ’raushängen lassen: Götz George) geht. Der Verkehrsüberwachungs-Experte beim KVR, das Kürzel steht für das Münchner Kreisverwaltungsreferat, hat zum 40. Hochzeitstag die ganze Familie um sich versammelt.

Und seiner Gattin, der liebevollen Kindergärtnerin Gabriele, keinen Rubin geschenkt, wie vom Schützenkameraden gemutmaßt, ja noch nicht einmal einen Blumenstrauß. Seine bessere Hälfte muss sich vielmehr blöde Macho-Sprüche über ihren in den vier Jahrzehnten rundlicher gewordenen Hintern anhören und dazu noch Unfasslichkeiten wie diese Aufforderung: „Du nervst mich seit vierzig Jahren, wandere aus, am besten nach Australien!“

Als sich Theo auch noch der Singstar-Anlage der Enkel bemächtigt, um sich vor versammelter Mischpoke zum Affen zu machen, kommentiert Gabriele, das treue Schaf, diese Peinlichkeit auch noch wohlwollend mit „An ihm ist ein Rockstar verloren gegangen.“ Szenen einer längst kaputten Ehe, welche die Kinder nicht länger aushalten, weshalb Tochter Theresa ihre beiden Sprösslinge einpackt und zeitgleich mit ihrem Bruder das Weite sucht.

„Gabi hüpf!“: Wer den Frust immer nur in sich hineinfrisst, wird von ihm aufgefressen. Gabriele übernimmt sich anderntags im Kindergarten – und fällt beim Sackhüpfen um. Ein Tod in den Seilen sozusagen, den Theo nach außen mit lockeren Sprüchen, innerlich aber nur mit einer gehörigen Dosis Alkohol wegsteckt. Und an einer Ampelkreuzung einen folgenschweren Unfall baut, indem er eine Fußgängerin anfährt.

Es ist die knapp 17-jährige Johanna, ein bereits kurz nach der Geburt zur Adoption freigegebenes, in Heimen aufgewachsenes und bereits mit 14 Jahren straffällig gewordenes Mädchen, dass sich aufsässig, renitent und unbelehrbar gibt, in Wirklichkeit aber davon träumt, eine richtige Familie zu haben, in der sie Geborgenheit verspürt wie das Orang-Utan-Kind im Arm der Mutter auf dem Poster über ihrem Bett.

Theo Winter ist nicht nur für zwei Jahre den „Lappen“ los, sondern muss auch noch Johanna betreuen – über zwölf Monate zwei halbe Werktage pro Woche und jeden Sonntag. Täter-Opfer-Ausgleich nennt man diese Bewährungsauflage, die beide Seiten auf eine harte Bewährungsprobe stellt. Was soll das widerspenstige Heimkind mit so einem Kotzbrocken von Opa anfangen? Und was letzterer, der seinen beiden eigenen Kindern noch nicht einmal Vater sein konnte, mit einem „kriminellen Flittchen“?

Als Theo mit dem Erreichen der Altersgrenze auch noch zwangspensioniert wird, scheint alles über ihm zusammen zu brechen. Die zugemüllte Wohnung ist dabei nur äußerliches Zeichen seiner inneren Verwahrlosung: Theo erkennt, was er an seiner Gabi hatte, und in den harschen Reaktionen seiner Kinder dämmert ihm, was für ein Vater er für sie gewesen sein muss.

Und dennoch gibt es Hoffnung. Denn mit Theo und Johanna haben sich zwei komplexbeladene einsame Herzen getroffen, die miteinander immer besser können. Was zu grotesken Vermutungen, gar öffentlich geäußerten Unterstellungen seiner Kinder führt: Läuft da etwa sexuell ’was zwischen dem immer vitaler, freundlicher, geradezu leutselig werdenden 65-Jährigen und der 17-Jährigen? Ja es läuft was, aber auf vier Rädern – trotz Führerscheinentzug: Über einen Spezi beim KVR hat Theo die leibliche Mutter von Johanna ermittelt. Kurzerhand geht es im Auto ins 600 Kilometer von München entfernte sächsische Rößnitz – zu Beate (Brigitte Hobmeier)...

„Papa allein zu Haus“ gehört nicht zu den überragenden Filmen Vivian Naefes, dafür ist das Drehbuch schlicht zu schlicht, da es ausschließlich Götz George auf den Leib geschrieben ist. Für das Drumherum hat sich Vivian Naefe offenbar nicht interessiert: Theos Gattin Gabriele zieht sich, anstatt endlich die Reißleine zu ziehen, heulend ins Obergeschoss zurück, Tochter Theresa ist eine alleinerziehende Mutter, die ohne neuen Gatten „vertrocknet“, Sohn Oliver ist schwul und lebt, vor dem Vater sorgfältig verborgen, seit vier Jahren mit dem Rechtsanwalt Bernd zusammen. Das ist eine solche Anhäufung von vorhersehbaren Klischees, dass auch das naturgemäß zur Primetime familientaugliche Ende des am 16. Mai 2011 im ZDF erstausgestrahlten Films nicht weiter überrascht.

Keine Überraschung, im positiven Sinn, ist die Schauspielschülerin Janina Stopper, die nicht mit altklugen Sprüchen („Niemanden zu haben ist schlimmer, als einen Job zu verlieren“), sondern mit ihrer grandiosen Bildschirmpräsenz dem alten Haudegen Götz George durchaus Paroli bieten kann. Die 21-jährige Münchnerin, 2008 für ihren Auftritt im Tatort „Kleine Herzen“ mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet, stand schon als Siebenjährige zusammen mit Katja Riemann in „Die Apothekerin“ vor der Kamera.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
89 min
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 16.05.2011

Titel

  • Originaltitel (DE) Papa allein zu Haus
  • Arbeitstitel Nur die Guten sterben jung

Fassungen

Original

Länge:
89 min
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 16.05.2011