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Liebe ist zollfrei

Deutschland 1940/1941 Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

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Falk Schwarz
Ein Zollinspektor exaltiert sich
Diese Rolle fällt ganz in das Moser-Schema: der kleine Zollinspektor, der jetzt für eine zeitlang den Chef vertreten muss und seine eigene Unsicherheit mit überschiessendem Eifer kaschiert. Er weiß alles besser, er behauptet, er hätte eine Nase für zwielichtige Elemente und da kommt ihm dieser Typ gerade recht, den er da im Zug nach Zürich erwischt. Und dazu noch eine Dame, die eine mondäne Ausstrahlung besitzt. Wahrscheinlich seine Komplizin. Er legt sich fest, er wird autoritär, er weiß genau, was er will und jeder merkt, dass er es nicht weiß. Aus dieser Dialektik saugt Moser seine Komik. Wen er da im Zug arretiert hat, ist der hochrangige Bankier, der gerade eine Besprechung in Wien hatte und die Dame, die zufällig mit ihm reist, ist die Freundin des Finanzministers. Er aber glaubt, er hätte ein steckbrieflich gesuchtes Betrügerpaar erwischt. Er gibt nicht auf. Noch in der Nacht nach diesem „Fang“ fährt er nach Wien, um zu rapportieren. Als er in der Zeitung liest, dass das Gaunerpaar festgenommen ist, rennt er zum Chefredakteur und behauptet frech, dass doch er die richtigen Gauner hätte. Dann telefoniert Moser mit seinem obersten Chef, dem Finanzminister - und da zeigen Moser und Emo, was sie können. Das sind die großen Szenen in dieser Komödie. Moser verhaspelt sich, versteht nicht und am anderen Ende der Leitung der Kontrast: die unerhörte Nonchalance des Finanzministers (Hans Olden), der die für ihn brenzlige Situation überhaupt nicht erkennt. Moser bläht sich auf wie ein Laubfrosch - und da legt die andere Seite einfach den Hörer auf. Da versucht Moser höchst komisch, sich selber einzufangen und nuschelt und brabbelt und vertreibt die Demütigung. Allein diese Szene hebt den Film weit hinaus über andere Komödien. Emo und Moser hatten einfach eine Antenne für einander. Der Regisseur wusste sehr genau, an welcher Stelle er Mosers Improvisationstalent nachgeben durfte und wann dessen schauspielerische Verve einzuhegen war. Solch komödiantisches Feuerwerk verdeckt dann die nationalsozialistischen Untertöne des Films.