Janssen: Ego

BR Deutschland 1981-1989 Dokumentarfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Dass ich hier nicht zeichnen werde vor euch, das hat einen ganz einfachen Grund. Es hat mir noch niemand, auch die Geliebte nicht, zugeguckt beim wirklichen Zeichnen“: Horst Janssen, dieser radikale Oldenburger Dickschädel, hat es Ende der 1980er Jahre geschafft, sich erst die Hamburger und dann die bundesdeutsche Kunstszene untertan zu machen. Einzelausstellung in Henri Nannens Emdener Galerie – das ist der Durchbruch. Und dennoch ist das alkoholkranke, neurotische, egozentrische Genie ganz „Ego“ geblieben. Umgeben von einer treuen, vor keiner Schmähung zurückweichenden Paria-Kaste devoter Gestalten, die sich ihr Wohlverhalten in wohlklingender Münze auszahlen lassen. Darunter ein österreichischer Galerist, jede Menge Journalisten, Sammler und potentielle Janssen-Verleger.

Ein entlarvender Film in mehrfacher Hinsicht: Peter Voss-Andrae zeigt Horst Janssen ungeschminkt, seine Umgebung ungeschönt und den Kunstmarkt als das, was er ist – als ein Riesengeschäft. Kunst kommt tatsächlich von Können, man muss nur auf der Klaviatur der Marktmechanismen klimpern können, und zwar möglichst furios, um dieses Klingen auch im eigenen Geldbeutel hören zu können. „Mein ganzes Leben ist inszeniert“: Oder man muss sein „Ego“ so zelebrieren, dass man wie Horst Janssen als Mensch wie als Künstler zum Gesamtkunstwerk wird („Zeichne dich selbst, dann zeichnet sich Gott“). Dann kann man es sich leisten, beim Dauersignieren von Plakat- und Posterdrucken gefilmt zu werden und damit kleinere Erdbeben der treuen, zumeist weiblichen Käuferschaft zu riskieren. Diesem „Ego“ freilich kann frau nicht widerstehen...

Für „Janssen: Ego“ hat Peter Voss-Andrae, der langjährige Freund, ja Vertraute des publicityscheuen Künstlers, Horst Janssen („Wir geben nichts, auch keine Interviews“) in einem Zeitraum von acht Jahren begleitet – bei der Arbeit im Atelier, bei Lesungen etwa aus seinem „Hinkepott“ und in verräucherten Kneipen, wo er sich häufig seinen Lohn in Naturalien hat auszahlen lassen. Der knapp zweistündige Dokumentarfilm ist zwar eine Hommage zum 60. Geburtstag des Künstlers, aber so sperrig und wild, so aufbegehrend und polemisch, aber auch so intelligent wie der Porträtierte selbst.

Weshalb der Autor und Regisseur, unterstützt von der Ko-Autorin und Cutterin Stefanie Möbius sowie den Kameraleuten Robert Berghoff, Peter Fera, Hanno Hart und Karl-Heinz Walloch, bewusst auf koproduzierende Fernsehanstalten verzichtet hat. So ist „Janssen: Ego“, am 16. November 1989 bundesweit gestartet, vor allem ein radikales, vor nichts und schon gar nicht vor sich selbst zurückschreckendes Selbstporträt eines Künstlers, dessen unbändige Spottlust sich gegen die Dummheit der Heuchler und Speichellecker seiner unmittelbaren Umgebung richtet – sich selbst dabei aber keineswegs ausklammert, im Gegenteil: Das nimmt schon masochistische Züge an, was Janssen im Film über sich – und den Film – zum besten gibt.

Horst Janssen, dem seine Heimatstadt Hamburg eigentlich zu seinem 60. Geburtstag am 14. November 1989 ein Museum schenken wollte, ist seit vielen Jahren tot. Aber dieser außerordentliche Film hält ihn für alle Zeit lebendig – und das im Übrigen wunderschöne Janssen-Museum steht inzwischen in seiner wahren Heimatstadt Oldenburg, wo er aufgewachsen ist und die er immer wieder in seinen Werken verewigt hat.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
3256 m, 119 min
Bild/Ton:
Fujicolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 10.11.1989, 62964, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.11.1989, Hamburg, Passage

Titel

  • Originaltitel (DE) Janssen: Ego

Fassungen

Original

Länge:
3256 m, 119 min
Bild/Ton:
Fujicolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 10.11.1989, 62964, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.11.1989, Hamburg, Passage