Implosion

Deutschland Spanien 2010/2011 Spielfilm

Inhalt

Alles implodiert im 17-jährigen Thomas, als sein Vater Niels ihm im Urlaub aus heiterem Himmel seine „Neue“ vorstellt. Wütend flüchtet Thomas. So „neu“ ist die attraktive Frau an der Seite seines Vaters nicht. Ausgerechnet seine Lehrerin Angélica Caraballo erweist sich als der Scheidungsgrund seiner Eltern.

Thomas geht nun erst mal eigene Wege. Allein. So wie Djamile. Die 20-jährige Kongolesin überlebt nur knapp die Flucht aus Libyen über das Mittelmeer - in einem hoffnungslos überfüllten Schlauchboot, zusammenpfercht mit vierzig anderen Flüchtlingen und unter extremsten Bedingungen. Nach der Landung flüchtet sie orientierungslos in die Umgebung des nächsten Urlaubsortes, wo sie auf Thomas trifft, der sich im Gelände auf seinem Motorrad abreagiert. Er versteckt Djamile einfach auf seinem Hotelzimmer. Eine kurze Zeit teilen die beiden eine seltsame Nähe und finden aneinander neuen Halt.

Als Niels und Angélica jedoch von Thomas’ heimlichem Gast erfahren und sich herausstellt, dass es sich nicht um einen harmlosen Urlaubsflirt handelt, spitzt sich die Situation zu. Niels tut alles als hilflose Protesthandlung seines Sohnes ab und drängt Thomas, seine Verantwortung für Djamile schnell wieder abzulegen. Angélica spürt, dass eine grundlegende Lösung gefunden werden muss. Zusammen mit Thomas versucht sie, eine Alternative aufzutun, damit Djamile legal in Europa leben kann.

Als Djamile nachts spurlos aus dem Hotel verschwindet, macht sich Thomas verzweifelt auf die Suche nach ihr. Er ahnt noch nicht, dass er durch die Beziehung zu Djamile die Hand an ein Pulverfass legt…

Quelle: Internationale Filmtage Hof 2011

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Sommerurlaub in Spaniens sonnigem Süden. Eine Menge los im Wasser wie am Strand. Als ein großer „Pott“ in Sichtweite kommt, erklärt ein Vater seinen beiden kleinen Kindern, das Container-Schiff komme wohl aus Afrika. Einer der Jungs klettert auf einen kleinen Felsen – und bemerkt einen Körper, der mit dem Gesicht nach unten im Wasser treibt. Bald ist die ins Meer hinauskragende Felsformation dicht von Menschen umlagert. Schaulustige Touristen, die beobachten, wie Taucher immer neue Leichen aus dem Wasser ziehen, wie Polizisten bemüht sind, der großen Zahl entkräfteter Afrikaner Herr zu werden, die sich mit letzter Kraft an Land retten. Andere Touristen sind mit ihren Wasserflaschen zur Stelle, ein Hubschrauber kreist über der bizarren Szenerie: so nahe waren sich Erste und Dritte Welt noch nie wie hier im spanischen Urlaubsparadies.

Der siebzehnjährige Thomas Weniger hat davon, wenn überhaupt, nur wenig mitbekommen. Seine Eltern haben sich vor kurzem erst getrennt und er verbringt mit seinem Vater Niels die Ferien. Gerade erst ist das neue Haus fertiggeworden, da löst sich die Familie auf – schwer zu begreifen für den Teenager, der gern eigene Wege geht, dafür aber der Sicherheit eines Zuhauses bedarf. Beim ersten Besuch am Strand nach der Ankunft aus Deutschland staunt Thomas nicht schlecht, seine Spanisch-Lehrerin Angélica zu sehen. Die attraktive Frau scheint auch seinen Vater zu kennen, und als beide ihm händchenhaltend am Tisch gegenübersitzen, ist die Urlaubsstimmung schlagartig verflogen: Thomas kennt nun den eigentlichen Grund für die Trennung seiner Eltern.

Wütend zieht er sich auf sein Hotelzimmer zurück und verfolgt in den Fernseh-Nachrichten die Ereignisse vom Strand. Sogleich setzt er sich auf das vom Vater nicht ohne Hintergedanken großzügig finanzierte Leih-Moped, um sich den Ort des Geschehens näher anzusehen. Noch ist überall Polizei postiert, die nach weiteren Bootsflüchtlingen Ausschau hält. Als es im Gebüsch vor ihm raschelt, bemerkt er eine junge Frau, die vor ihm die Flucht ergreift. Erst als Thomas, der sie zuerst auf Spanisch, dann auf Englisch vergeblich zu beruhigen versucht, ins Deutsche wechselt, lässt sie sich von ihm ansprechen: Djamile ist zwanzig, stammt aus dem Kongo und hat von ihrem Vater Deutsch gelernt.

Sie war mit über 40 anderen Flüchtlingen aus Libyen über das Mittelmeer gestartet, Ziel war ein Containerschiff, dass alle nach Mitteleuropa bringen sollte. Doch nach vier Tagen, ungeschützt der brennenden Sonne ausgeliefert und ohne Trinkwasser, ist das hoffnungslos überfüllte Schlauchboot auf ein Riff gelaufen und gekentert, mehr als ein Dutzend der Boatpeople haben nicht überlebt. Thomas nimmt Djamile kurzentschlossen mit auf sein Hotelzimmer. Wo sie sich erst einmal erholen kann, das sie aber auch nicht verlassen darf. Währenddessen rächt er sich an seinem Vater, indem er Nacktaufnahmen der Lehrerin mit der Smartphone-Kamera aufnimmt und diese zu seinen Schulkameraden in die Heimat sendet. Auch wenn Niels und Angélica miteinander schlafen in ihrem Zimmer, das Thomas über einen Balkon einsehen kann, wird die Handykamera eingeschaltet.

Dass Djamile auf Dauer vom Hotelpersonal nicht unbemerkt bleiben kann, hätte ein intelligentes Kerlchen wie Thomas wissen müssen, als sie ihm das Versprechen abnimmt, niemandem etwas von ihrer Gegenwart zu verraten. Angélica und Niels, an der Rezeption auf Djamile angesprochen, regeln die Angelegenheit mit der Kreditkarte, sodass sich der vermeintlich harmlose Urlaubsflirt nun frei bewegen kann. Was die beiden jungen Leute, die sich emotional rasch nähergekommen sind, zu Ausflügen in den Ort verleitet – wo Djamile von einem Schleuser erkannt und angesprochen wird.

Am anderen Morgen ist sie verschwunden. Und verdingt sich, wie Thomas herausbekommt, als Prostituierte. Zusammen mit Angélica, die spürt, wie ernst es ihm ist, Djamile nach Deutschland zu holen, tritt Thomas über Willem, einen so freundlichen wie zwielichtigen Afrikaner mit spanischem Pass, in Kontakt mit der Organisation der Schleuser, Schieber und Zuhälter, die sich als Schrotthandel tarnt. 20.000 Euro kostet Djamile – nun muss Vater Niels helfen. Doch der, eh' schon voller Angst, als Staatsdiener nicht nur das Einkommen, sondern auch seine Pension aufs Spiel zu setzten, verweigert sich. Kurzerhand klaut Thomas den Wagen des Vaters und gibt ihn bei der Tarnfirma Livingston in Zahlung. Es klappt tatsächlich: Djamile kommt frei...

„Implosion“, Sören Voigts dritter Spielfilm nach „Tolle Lage“ und „Identity Kills“, ist am 5. August 2013 im ZDF erstausgestrahlt worden. Er widmet sich einem Thema, das in den folgenden Jahren stetig an Brisanz gewinnen sollte, der Immigration sogenannter Wirtschaftsflüchtlinge aus der Dritten Welt: Kommt die Arbeit nicht zu ihren, kommen sie zu uns. Voigt, 1968 im schleswig-holsteinischen Pinneberg geboren, war nach dem Abitur zunächst Regieassistent am Kölner Schauspiel u.a. bei Dimiter Gotscheff, bevor er im polnischen Łódź und an der dffb Berlin Regie studierte u.a. bei Uwe Schrader und Rosa von Praunheim.

In „Implosion“ vermischt er die politische Geschichte der Bootsflüchtlinge mit der privaten einer in Auflösung begriffenen Familie. Sören Voigt zur Wahl des Filmtitels: „Die familiäre – und die gesellschaftliche - Bindekraft reicht nicht aus, um die Widersprüche im konkreten Erleben des Jugendlichen Thomas auszugleichen. Er entsolidarisiert sich zu Recht von der hilflosen Bevormundung seines Vaters Niels und versucht in einem verzweifelten Akt der 'Selbstjustiz' seine afrikanische Freundin zu befreien. Er versucht damit unsere gemeinsamen europäischen gesellschaftlichen Grundwerte von Freiheit, Gleichheit und Würde eines jeden Menschen konkret umzusetzen und scheitert damit fast. Wie kann das sein?“

Papa Niels, der gewalttätig wird, als sein Sohn eingesteht, Djamile mit seinem sogleich in einen Container verfrachteten Nobel-SUV ausgelöst zu haben, packt sich die Immigrantin und setzt sie am Flughafen aus, mit etwas Bargeld versehen. Thomas erhält bereits kurze Zeit später Nachrichten von ihr mit Kölner Nummer, also haut er auf der Rückreise beim Halt in einer deutschen Autobahnraststätte ab und trampt an den Rhein. Wo er Djamile tatsächlich zu Gesicht bekommt – in den Armen eines deutlich älteren und offenbar gut situierten Mannes...

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 16.08.2010 - 18.09.2010: Mallorca/Spanien und Köln
Länge:
91 min
Format:
HD, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 23.07.2013, 138667, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Aufführung (DE): 28.10.2011, Hof, Internationale Filmtage

Titel

  • Originaltitel (DE) Implosion

Fassungen

Original

Länge:
91 min
Format:
HD, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 23.07.2013, 138667, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Aufführung (DE): 28.10.2011, Hof, Internationale Filmtage

Auszeichnungen

Festivals des deutschen Films, Ludwigshafen 2012
  • Besondere Auszeichnung, Beste Schauspielerensemble