Im Märzen die Bäuerin

DDR 1971 Kurz-Dokumentarfilm

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Heinz17herne
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„Wir machen das so“: Es sind selbstbewusste Frauen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Thomas Müntzer“, die der Dokumentaristin Gitta Nickel im schneereichen Frühjahr des Jahres 1971 Auskunft geben. Das Dorf Worin in Märkisch-Oderland wirkt aus emanzipatorischer Sicht alles andere als hinterwäldnerisch: Die Schäferin, die ihre Tiere morgens in die Kälte hinaustreibt, versorgt als Ehefrau und Mutter nicht nur ihre vierbeinigen Schützlinge. Aber wie der LPG-Vorsitzende Bernhard Grönert mehrfach betont, erledigen die Männer ebenfalls ganz selbstverständlich Hausarbeiten, zu denen auch das Trockenlegen und Wickeln des jüngsten Nachwuchses gehört.

Grönert erinnert daran, wie nach der Befreiung vom Naziregime durch die Rote Armee ein früherer SS-Mann in der ersten Zeit das Bürgermeisteramt bekleidete und großer Männermangel im Ort herrschte. Weil die Ehegatten und älteren Söhne entweder im Krieg gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft waren. Damals mussten die Frauen alle Arbeiten daheim, im Stall und auf dem Feld bewältigen – und das ganz ohne Melkmaschinen oder mechanische Erntehelfer. Harte körperliche Arbeit bleibt freilich auch in der heutigen Landwirtschaft noch genug übrig, aber die größte Errungenschaft aus Sicht der Gesprächspartnerinnen Gitta Nickels ist nicht der technische Fortschritt, sondern die Gründung einer Kinderkrippe.

Am 8. März wird in der sozialistischen Hemisphäre der Internationale Frauentag gefeiert. Was die 25-jährige Viehpflegerin, die nebenbei ein dreijähriges Studium absolviert, nicht dazu bewegt, sich die Lobeshymnen der Genossen anzuhören und anschließend das Tanzbein zu schwingen: Ihre Sauen wollen persönlich gefüttert und betreut werden, Feiertag hin oder her. Gitta Nickel hat sich in ihrem sehr offenen Film zum Thema Gleichberechtigung auf dem Land einmal mehr konsequent eines eigenen Kommentars enthalten.

„Aus den rückhaltlosen, humorvollen und selbstbewussten Haltungen der Bäuerinnen und Bauern entsteht das Bild des neuen Menschen, wie er sich nur in unserer Gesellschaft entwickeln konnte, erworbenes sozialistisches Verhalten untereinander, das Regel ist und nicht Ausnahme“ heißt es in einem Text des Defa-Kurzfilmstudios. Und weiter: „Dicht neben der Freude ist Nachdenkliches vorzufinden. Die Geschichte eines Dorfes wird erzählt, Rudimente alter Erziehung und Ansätze alter Verhaltensweisen werden sichtbar. Ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Moral und Ethik und eines uns gemäßen Humors.“

Der elfminütige Kurz-Dokumentarfilm ist am 18. Februar 1972 als Begleitfilm zum Hauptprogramm in den DDR-Kinos angelaufen. Zu einer Uraufführung am 20. November 1971 auf der 21. Berlinale findet sich auf der Homepage der Defa-Stiftung kein Hinweis, was im Übrigen auch für eine Aufführung im April 1972 auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen gilt. Ganz zu schweigen von der Ignoranz, dass selbst hochkarätige Defa-Produktionen für das Fernsehen der DDR für die Stiftung nicht zu existieren scheinen. Der einst vielleicht erklärliche Antagonismus zwischen Babelsberg – mit einer vergleichsweise größeren künstlerischen Freiheit – und dem streng ideologisch-politisch reglementierten Adlershof hat die deutsche Wiedervereinigung unsinnigerweise überlebt.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
289m, 10 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.11.1971, Berlin/West, IFF;
Aufführung (DE): April 1972, Oberhausen, Westdeutsche Kurzfilmtage

Titel

  • Originaltitel (DD) Im Märzen die Bäuerin
  • Arbeitstitel (DD) 8. März

Fassungen

Original

Länge:
289m, 10 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.11.1971, Berlin/West, IFF;
Aufführung (DE): April 1972, Oberhausen, Westdeutsche Kurzfilmtage

Digitalisierte Fassung

Länge:
15 min
Format:
DCP 2k, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Mono