Frauen lügen besser

Deutschland 1999 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Liebe, Triebe, Intrigen, gekränkte Eitelkeiten, Rachedurst und ein Kapitalismus, der brutaler ist, als ihn Marx und Engels in Manchester kennengelernt haben: So geht es zu im deutschen Verlagswesen – und in Vivian Naefes TV-Komödie „Frauen lügen besser“, für die Annemarie Schoenle ihren gleichnamigen, 1998 bei Droemer-Knaur erschienenen Roman, adaptierte. Der von Gloria Burkert produzierte 87-minütige Fernsehfilm lebt jedoch nicht so sehr von der Story als von den hervorragenden Darstellern, allen voran dem fulminanten Frauentrio Natalia Wörner, Rebecca Immanuel und Nicole Heesters.

„Mit guten Büchern macht man keine Kohle“ ist sich Lektor Thomas Keller (Richy Müller) mit seinem Verlagsleiter Markus Kopf (Rufus Beck) einig, sodass Cheflektorin Anna Meisner (Natalia Wörner) mächtig unter Druck gerät. Die Mittdreißigerin hat schon lange keinen dicken Fisch, der goldene Eier legt, mehr an Land gezogen. Auf der Couch ihres Analytikers (Hansa Czypionka) kommt Anna die rettende Idee: Ihrer Tante Henriette Faßbender (Nicole Heesters) ist gerade gekündigt worden, weil sie in ihrer Frauenzeitschrifts-Kolumne ihre unpolitischen Geschlechtsgenossinnen zu kritisch unter die Lupe genommen hat.

Weshalb die arbeitslose Journalistin, als Mittfünfzigerin nicht gerade auf dem Sprung zu einem neuen lukrativen Job in der Branche, als Ghostwriterin einen Frauenroman verfassen könnte. Als langjährige Geliebte eines verheirateten Mannes – und überhaupt – sollte sie über die notwendige Erfahrung verfügen.

Für diesen naturgemäß möglichst seichten Debütroman einer jungen, knackigen Newcomerin wird noch jemand gesucht, der das Pseudonym Miriam Canella in der Öffentlichkeit verkörpern kann, am besten auch auf dem Catwalk der nächsten Frankfurter Buchmesse. Steht da nicht jemand auf schlanken, hübschen Beinen und mit vielversprechendem Dekolleté hinter der Safttheke des Kaufhauses um die Ecke? Die Wahl fällt auf besagte Sigi (Rebecca Immanuel), attraktive Mittzwanzigerin und zudem noch in den Hallodri von Lektor, in Thomas, verliebt, freilich auch Annas Objekt der Begierde.

So zeigen eine schlaue Cheflektorin, eine quirlige Verkäuferin, die mit ihren Kurven kaschiert, dass sie etwas langsam im Kopf ist, und eine völlig illusionslose Journalistin (Catherine Flemming) der Verlagsbranche, was eine Harke ist: Sie bilden insgeheim eine Bestseller-Fabrik. Und weil die Verleger zumeist männlichen Geschlechts sind und vor allem Ware verkaufen wollen, geht es dem Trio zunächst um die Verpackung, erst danach um den Inhalt des „Traumfrau trifft Supermann“ betitelten Debütromans.

„Frauen lügen besser“, am 3. Januar 2000 im ZDF erstausgestrahlt, ist bei aller beißenden Mediensatire vor allem ein unterhaltsamer Frauenfilm, bei dem die Männer erwartungsgemäß ganz schlecht wegkommen. Was im Übrigen ganz dem Zeitgeist von Hera Lind & Co entspricht, aber das nur so am Rande. Ansonsten sitzen Vivian Naefes Pointen zielgenau – und treffen durchaus auch die eigenen Protagonistinnen. Denn Anna ist für einen Herrn der Schöpfung nur allzu gern bereit, die Unabhängigkeit der Intellektuellen zu opfern. Und für Henriette ist es weder ein Vergnügen noch eine Herausforderung, einen Roman auf Kolportageniveau zu verfassen. Bei Sigi schließlich liegen die Dinge zumindest etwas anders: Sie sonnt sich im Starrummel, der ihr auch Thomas' ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Aber zu spät wird auch ihr bewusst, dass der Macho die Miriam Canella fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, wenn hinter ihr die Saftverkäuferin Sigi zum Vorschein kommt.

Annemarie Schoenle im ZDF-Presseheft: „Ich ärgere mich maßlos über die Inhalte der neuen Frauenliteratur. Darin wird ein Frauenbild vermittelt, dass es gar nicht gibt: Die tolle Karrierefrau, die alles schafft, die über Nacht schlank, schön und sexy wird, die ihre Wunschkinder bekommt, die sich ihren Traumprinzen angelt, und wenn es in ihrem Terminkalender 'mal eng wird, gibt es sambalesische Au-pair-Jungen oder die Haushälterin und den Gärtner, die ihr selbstlos beistehen. Geldsorgen sind natürlich auch Fehlanzeige.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
87 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton

Titel

  • Originaltitel (DE) Frauen lügen besser

Fassungen

Original

Länge:
87 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton