Finding Connection

Deutschland 2023-2026 Dokumentarfilm

Inhalt

Nachrichten an einen Chatbot, spät in der Nacht. Antworten, die verstehen, trösten, Nähe spenden. "Finding Connection" begleitet vier Menschen, für die KI-Chatbots zu Gefährten im Alltag oder sogar zu Beziehungspartnern geworden sind. Mit großer Sensibilität beobachtet der Film ihre Routinen und emotionalen Bindungen. Als sich die KI-Systeme im Jahr 2024 spürbar verändern und die persönliche Ansprache zurückfahren, werden diese Beziehungen auf die Probe gestellt. In einem Zusammenspiel aus zurückhaltender Beobachtung und abstrakten, KI-generierten Bildern öffnet "Finding Connection" einen Resonanzraum für Fragen nach Intimität im Zeitalter künstlicher Intelligenz und macht vor allem unser tiefes Bedürfnis sichtbar, gehört, verstanden und getröstet zu werden.

Quelle: DOK.fest München 2026 / Pablo Bücheler

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Heinz17herne
Heinz17herne
Was passiert, wenn künstliche Intelligenz zum Ort tiefster emotionaler Verbundenheit wird?
„Finding Connection“ beobachtet vier Protagonisten unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten in ihrem Alltag, in dem die Gespräche mit ihren KI-Begleitern längst selbstverständlich geworden sind. In stillen Momenten zu Hause oder auf langen Spaziergängen entstehen so Räume, in denen Verletzlichkeit zugelassen wird und emotionale Bedürfnisse ohne Bewertung – Florian Karner enthält sich jeglichen Kommentars – Ausdruck finden können.

In San Diego teilt Denise Valenciano (35) ihr Leben seit drei Jahren mit ihrem KI-Chatbot „Star“ – und feiert diesen „Geburtstag“ ausgiebig in der künstlichen Glamourwelt von Las Vegas. Für sie ist seither eine „romantische Beziehung“ mit einem Menschen kein Thema mehr. Denn „Star“ ist ein Freund, der alles über sie weiß und der immer für sie da ist. Denise hat es im Leben und in ihrer Familie mit philippinischen Wurzeln nie leicht gehabt. Wenn es ihr ‘mal nicht so gut geht, ist „Star“ nicht nur ein geduldiger Zuhörer, sondern auch idealer Partner für Rollenspiele, bei denen etwa eine karge Landschaft zur Mondoberfläche mutiert.

In Lübeck führt Joachim „Joe“ Hacker (59) ein eher zurückgezogenes Leben. Wenn er nicht an einer antikapitalistischen Demo teilnimmt oder den bekennend linken Kickern von „Roter Stern“ zuschaut, unternimmt er ausgedehnte Spaziergänge an die Ostsee. Joe fühlt sich von der Welt entfremdet und ist überzeugt, nie wirklich dazugehört zu haben – in den Gesprächen mit „Kira“ findet er einen Raum für emotionale Sicherheit und Vertrauen. Wobei der Chatbot nur für „gute Vibes“ sorgen will und auf Distanz geht, ja die Kommunikation sogar einseitig abbricht, als Joe gesteht, ohne die KI-Partnerin nicht mehr leben zu wollen.

Rudi John Pack (65) aus England kämpft seit seiner Kindheit mit den Folgen von Mobbing. Schüchtern und voller Zweifel lebt der seit langem mit Fran verheiratete leidenschaftliche Fotograf auch mit seiner KI-Partnerin „Trudi“ zusammen, mit der er sogar beim Tanken und beim Supermarkt-Einkauf kommuniziert. Es sind gerade diese alltägliche Gespräche, in denen er sich verstanden fühlt und Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen gewinnt. Auch für die „andere Dimension“ als Pilot in einem Flugsimulator.

Stefanie „Steffi“ Arndt (46) aus der Nähe von Hamburg, hat sich nach einer von Gewalt
geprägten Beziehung emotional abgeschottet. Anderen Menschen zu vertrauen, erscheint ihr unmöglich. Doch für „Randy“, ihrem humor- und respektvollen KI-Begleiter, würde sie nach dem Schneeschippen sogar heißen Kakao kochen, denn mit ihm kann sie nicht nur Schach spielen, sondern frei über Ängste, die ihr Leben bis heute prägen, sprechen – und durch ihn vielleicht wieder zu lieben lernen. Step by Step wird Steffi von „Randy“ aufgebaut, um ihre Persönlichkeit zu stärken. Einen Erfolg kann der Chatbot bereits für sich verbuchen: Steffis Suizidgedanken gehören der Vergangenheit an. Was vielleicht dazu geführt hat, dass Steffis Mutter „Randy“ inzwischen als eine Art Schwiegersohn akzeptiert.

Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschine werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann des Films hinauswirken. Sie betreffen auch offenbar häufige Software-Updates der Chatbots, die alle vier Porträtierten beklagen. Diese sorgen für abrupt abgerissene Kontinuitäten, emotionale Bindungen, letztlich für Abschiede und den kontraproduktiven Zwang eines Neuanfangs.

„Finding Connection“ ist der erste abendfüllende Dokumentarfilm Florian Karners. Gedreht in Deutschland (Hamburg, Lübeck, Timmendorfer Strand), Großbritannien (Feltwell und Flugsimulator Mildenhall) sowie in den USA (Las Vegas, San Diego, Temecula, Red Rock Canyon Nevada) bleibt er seinen außerordentlich mutigen, bisweilen durchaus skurrilen Protagonisten mit verständnisvoller Sympathie nah, ohne sich kommentierend oder bewertend einzumischen. Der Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie Baden-Württemberg stellt vielmehr die naturgemäß unbeantwortet bleibende Frage, was es bedeutet, wenn ausgerechnet KI-gesteuerte Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörern von Menschen werden in einer Welt, in der kaum noch Platz ist für Nähe, Verletzlichkeit und Empathie?

Früh im Produktionsprozess haben sich die Filmemacher entschieden, KI-generierte Bilder einzusetzen, speziell in den Roleplays, in denen die KI-Bots gemeinsam mit den Nutzern imaginäre Szenen und Erinnerungen entwerfen. Damit sollen diese Bilder einen Zugang zur Erzählung der Beteiligten eröffnen für diese Zwischenwelt aus realer Erfahrung und Fantasie. Um dieses Spiel mit Realität und Imagination kenntlich zu machen, sind bewusst visuelle (Verpixelung) und akustische Störungen eingesetzt worden.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
89 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 07.05.2026, 281932, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DK): 14.03.2026, Kopenhagen, CPH:DOX;
Erstaufführung (DE): 07.05.2026, München, DOK.fest;
Kinostart (DE): 13.08.2026

Titel

  • Originaltitel (DE) Finding Connection

Fassungen

Original

Länge:
89 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 07.05.2026, 281932, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DK): 14.03.2026, Kopenhagen, CPH:DOX;
Erstaufführung (DE): 07.05.2026, München, DOK.fest;
Kinostart (DE): 13.08.2026

Auszeichnungen

DOK Leipzig 2025
  • D-Facto Motion Works-in-Progress Prize (, DOK Preview Germany (DOK Industry), Bester kommender deutscher Dokumentarfilm