Credits
Regie
Schnitt
Darsteller
Produktionsfirma
Alle Credits
Regie
Schnitt
Darsteller
Produktionsfirma
Länge:
180 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:
Uraufführung / TV-Erstsendung: 05.01.1998
Titel
- Originaltitel (DE) Eine ungehorsame Frau
Fassungen
Original
Länge:
180 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:
Uraufführung / TV-Erstsendung: 05.01.1998
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Marlene fühlt sich vom Leben vernachlässigt, zumal sie der festen Überzeugung ist, dass mehr in ihr steckt: „Seit 13 Jahren beweise ich als Hausfrau Organisationstalent, als Ehefrau Kompromissfähigkeit und als Mutter Flexibilität“. Nachdem sie in Abendkursen Elektronische Datenverarbeitung gelernt hat, bewirbt sich Marlene auf eine Sekretariatsstelle in einem Münchner Verlag.
Bernhard versteht die Welt nicht mehr. Reicht denn das Geld, das er verdient, nicht aus? Und was soll mit Tochter Andrea werden? Sie ist zwar schon 13 und recht selbständig, doch Bernhard sieht in ihr immer noch das kleine, hilflose Mädchen. Zwischen den Eheleuten kracht es immer häufiger. Mit perfiden Tricks versucht Bernhard, Marlene von ihrem Plan, einen ihrer Fortbildung entsprechenden Beruf auszuüben, abzuhalten.
Marlene ergattert den Bürojob im Verlagshaus, in der Vorlage als Empfangsdame. Dort fällt sie mit ihrer unverblümten Art und ihrem Engagement nicht nur dem Chef Georg Winterborn (Michael Degen), sondern auch dessen charismatischem Schwiegersohn David (Huub Stapel) auf. Nur Winterborns Tochter Karola (Katharina Müller-Elmau) kann der immer selbstbewussteren, zielstrebigen Marlene nichts abgewinnen.
Die neuen Lebensumstände führen Bernhards und Marlenes Ehe in eine Sackgasse, die schließlich in die von Marlene initiierte Scheidung mündet. Sie zieht mit Andrea in eine andere Wohnung und widmet sich ganz ihrem neuen Job. In dem sie um Anerkennung für ihre Arbeit kämpfen muss. Und daheim um die Liebe ihrer Tochter (nun Lavina Wilson), die sich trotz aller mütterlichen Bemühungen vernachlässigt vorkommt.
Erst als Marlene durch einen Zufall den unkomplizierten und frechen, in der Vorlage auch politisch engagierten Jura-Studenten Niklas (Sebastian Schipper) kennenlernt, kommt auch wieder Schwung in ihr Privatleben. Und erneut läuten die Hochzeitsglocken. Doch alsbald muss sich Marlene, die im Verlag die Karriereleiter bis in die Chefetage hochsteigt, erneut mit einem radikal zum „Kinder-Küche-Kirche“-Befürworter gewandelten Gatten auseinandersetzen: „Ich hatte einen Alptraum – mein erster Mann ließ sich klonen und ich habe ihn noch einmal geheiratet“...
Der von Sytze van der Laan produzierte Film ist auch in den Nebenrollen prominent besetzt u.a. mit Hansa Czypionka als schwuler Kollege Moritz, Werner Eichhorn als Bruno und Nicole Heesters als Tilly. Der rund 180-minütige Fernseh-Zweiteiler der Grimme-Preisträgerin Annemarie Schoenle („Nur eine kleine Affäre“) und der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Vivian Naefe war bei der Erstausstrahlung am 5. und 6. Januar 1998 im ZDF mit knapp zehn Millionen Zuschauern ein enormer Publikumserfolg.
Obwohl die Story des gleichnamigen, 1994 bei Droemer-Knaur erschienenen Romans von Annemarie Schoenle um die mit 18 Jahren ungewollt schwanger gewordene Protagonistin nun wahrlich nichts neues bietet. Aber was Vivian Naefe aus diesem Plot, Hausfrau will sich beruflich emanzipieren, während sich ihr Gatte ein zweites Kind wünscht, gemacht hat, kann sich wirklich sehen lassen. Was die „Ungehorsame Frau“, jedenfalls 1998, aus dem Unterhaltungsfilm-Genre heraushob, war die Verkörperung der Titelrolle durch Veronica Ferres: Das an mehreren Fronten kämpfende „Superweib“ kann am Ende befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass sich Treue zu sich selbst bezahlt macht.
Veronica Ferres hat die erste Chance, sich im Pantoffelkino als Persönlichkeit zu präsentieren, mit Überzeugung genutzt. Und das trotz einiger offenbar unvermeidlicher Nacktszenen einmal nicht mit ihrem Körpereinsatz und Augenaufschlag. Für sie war die Rolle der Marlene, die sich mit Mut, Entscheidungskraft, Stehvermögen und Risikobereitschaft in einer von Männern dominierten Unternehmenshierarchie zu behaupten weiß, der Durchbruch auf dem Bildschirm kurz nach dem auf der Leinwand mit weitaus seichteren Sujets wie „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“.
Pitt Herrmann