Drei Flaschen Tokaier

DDR 1989 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
„O Tannenbaum“ singen Kinder auf dem Weihnachtsmarkt. Weit und breit kein Schnee. Dafür ein „Weihnachtsmann“ (Anke Neumann) in traditionell rotem Kostüm, der einen Schaustellerwagen mit geschultertem Sack verlässt. „Nichts los hier“ und „Kinderbelustigung“ lauten die abschätzigen Kommentare einer Clique Jugendlicher um den selbsternannten Anführer Karo, die in die Gaststätte „Goldbroiler“ einfällt.

Jörg Paulsen, seine Freundin Anne Amelang, Peter „Klette“ Hinrich und das Küken Nina (Gesine Berkholz), das mit einer wertvoll erscheinenden Kette aus Münzen reüssiert, haben schon ordentlich getankt, sodass der Kellner Leo Braun die Gruppe auf Anordnung seiner Chefin vor die Tür befördert. Karo setzt „Klette“ unter Druck, das hochprozentige Gemisch aus zusammengekippten Resten auf „Ex“ zu trinken, was den Underdog wie erwartet aus den Latschen kippen lässt.

Doch Karo hat immer noch nicht genug, bei Siegfried Müller soll daheim weitergesoffen werden. Und Jörg Paulsen erklärt sich bereit, aus dem gut bestückten Weinkeller Alfred Zieraus, bei dem er ‘mal als Untermieter gewohnt hat, drei Flaschen Tokajer zu stehlen. Jörg kennt den Ort des Ersatzschlüssels, nimmt drei Flaschen an sich – und leert die erste noch im Keller. Als er von seinem Rausch erwacht, liegt er neben der Leiche des Bestohlenen im Wohnzimmer.

Jörg, der sich nach einem völligen Blackout an keine Einzelheiten der Nacht mehr erinnern kann, flüchtet in Panik und lässt die beiden anderen Flaschen im Garten zurück. Als Erika Zierau (Birgit Frohriep) am anderen Morgen die Leiche ihres Schwiegervaters findet und die Polizei ruft, ist für die Ermittler. Oberleutnant Jürgen Hübner und Oberleutnant Lutz Zimmermann bald klar, dass der Abteilungsleiter einer Möbelfabrik mit dem Feuerhaken seines Kamins erschlagen wurde.

Jörg versteckt sich zunächst am Hafen, wo er von einer mitleidigen Wirtin, Frau Lüders (Ursula Werner), mit einem von der Weihnachtsfeier übrig gebliebenen Stück Blankaal versorgt wird – zwecks Ausnüchterung. Er ist sich sicher, Zierau nicht erschlagen zu haben, bittet aber vorsichtshalber seine Freunde, ihm ein Alibi zu geben. So behauptet Anne, mit Jörg die Nacht verbracht zu haben. Was diesem jedoch nichts nützt, denn erstens konnten seine Fingerabdrücke auf den zurückgelassenen Tokajer-Flaschen sichergestellt werden und zweitens ist er von einem Nachbarn am Schuppen, aus dem er den Zweitschlüssel geholt hat, gesehen worden.

Hübner, der im Gegensatz zum Kollegen Zimmermann trotzdem nicht vollends von Jörgs Schuld überzeugt ist, erfährt von dessen aktueller Zimmerwirtin Blumenthal, dass Paulsen elternlos aufgewachsen ist. Nach dem frühen Tod des Vaters hat ihn die neu liierte Mutter förmlich hinausgeschmissen. Auch Frau Blumenthal kann sich ihren Untermieter nicht als Mörder vorstellen, der nach längerer Flucht durch die Lagerhallen und Hinterhöfe der heimeligen Backsteingotik-Hafenstadt an der Ostsee verhaftet werden kann.

Das Tatwerkzeug ist immer noch nicht gefunden, als sich bei Jörg in der Einsamkeit der Gefängniszelle allmählich der Nebel der Tatnacht lichtet. Auch sonst klärt sich einiges: So geraten die undurchsichtigen Münzgeschäfte des Ermordeten und damit ein Antiquitätenhändler (Günther Götze) und seine Schwester (Rosemarie Herzog) in den Blickfeld der Ermittler. Schließlich klärt der Student Wolf-Dieter Kranz Letztere darüber auf, wie diese so heterogen zusammengesetzte Clique über all‘ die Jahre beieinander geblieben ist: Alle sind zusammen von kleinauf in die Schule gegangen, da spielt es überhaupt keine Rolle, dass Anne Fischverkäuferin ist, Karo in einer Fischräucherei arbeitet oder „Klette“ als Fensterputzer tätig ist.

Nachdem sich herausstellt, dass Karo und Nina den Rest der Nacht bei Anne verbracht haben, scheiden die drei als mögliche Täter schon ‘mal aus. Jörg wird aus der Untersuchungshaft entlassen, nachdem seine Behauptung, die am Tatort gefundene leere Zigarettenschachtel bereits im „Goldbroiler“ auf dem Tisch zurückgelassen zu haben, von Zeugen bestätigt wird. Plötzlich rückt der von Geldsorgen geplagte Kellner Leo Braun in den Fokus der Ermittler. Doch der muss sich für andere Straftaten verantworten…

Der Titel des wendungsreichen „Polizeiruf 110“-Krimis, „Drei Flaschen Tokajer“, vom 10. Dezember 1988 bis 5. März 1989 in Wismar gedreht, führt in die Irre: Es geht zwar um Diebstahl, aber weder im privaten Weinkeller noch im nicht weniger imposanten Lager eines Getränkekombinats. Sondern um Neid und Missgunst aus Eifersucht. Und ganz nebenbei auch noch um Betrug aus Habgier in Verbindung mit einer aus dem Ruder gelaufenen Sammelleidenschaft.

Die Vorlage des 1934 im sächsischen Kirchberg geborenen Romanisten, Lektors im Verlag Volk und Welt sowie überaus erfolgreichen Romanciers und Übersetzers Klaus Möckel ist 1976 in der DIE-Reihe (Delikte – Indizien – Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin erschienen und 1980 auch bei Rowohlt in Hamburg herausgekommen. Möckel hat noch im gleichen Jahr die Vorlage für eine weitere „Polizeiruf 110“-Folge geliefert mit seinem 1984 ebenfalls in der DIE-Reihe edierten Krimi „Variante Tramper“.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Produzent

Länge:
80 min
Bild/Ton:
Farbe, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DD): 27.08.1989, DDR-TV

Titel

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DD) Drei Flaschen Tokaier

Fassungen

Original

Länge:
80 min
Bild/Ton:
Farbe, Mono
Aufführung:

Uraufführung (DD): 27.08.1989, DDR-TV