Credits
Regie
Drehbuch
Darsteller
Produktionsfirma
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Vorlage
Bauten
Darsteller
Produktionsfirma
Länge:
80 min
Bild/Ton:
Farbe
Aufführung:
Uraufführung (DE): 02.08.1974, ARD
Titel
- Originaltitel (DE) Der Hausaufsatz
Fassungen
Original
Länge:
80 min
Bild/Ton:
Farbe
Aufführung:
Uraufführung (DE): 02.08.1974, ARD
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
So entwickelt sich im Verlauf des spontanen Telefongesprächs so etwas wie eine zarte Liebesgeschichte – einerseits. Und andererseits wird das Missverhältnis zwischen dem Denken im Schulaufsatz und dem Denken in der Wirklichkeit satirisch aufs Korn genommen. Unter der Regie von Hans Rosenbauer war die Gemeinschaftsproduktion des Saarländischen Rundfunks und des Senders Freies Berlin erstmals am 8. September 1972 gesendet und danach häufig wiederholt worden.
Zum Jahresanfang 1974 erschien bei Reclam in Stuttgart die 54-seitige Buchausgabe und damit rechtzeitig zur Bildschirm-Adaption des Autors für den Norddeutschen Rundfunk (PL Günter Handke und Dieter Meichsner). Im TV-Regiedebut des frischgebackenen Absolventen der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), Peter Frötschl, der eigentlich Bielers Erzählung „Der junge Roth“ (1968) verfilmen wolle, als das ZDF bereits Rainer Wolffhardt den Zuschlag gegeben hatte, spielen mit Jutta Wirschatz (Nele) und Stephan Schwartz (Bruno) zwei bereits kameraerfahrene junge Schauspieler.
In der „Liebesgeschichte, in der das Wort Liebe nie fällt“, so Peter Frötschl im Presseheft, kommt die 15-jährige Nele mit dem Thema ihres Hausaufsatzes nicht zurecht: „Ein Erlebnis, das mir zu denken gab“. Sie will sich Rat bei ihrer Klassenkameradin Eva einholen, trifft dort aber nur ihren Bruder Bruno an. Der Abiturient ist sogleich an dem attraktiven Mädchen interessiert und ergreift seine Chance beim Schopfe: Mit Hilfe einer Imponier-Zigarette gibt er den coolen Älteren, um seine Unsicherheit zu überdecken.
Bieler und Frötschl legen den Fokus der Adaption stärker auf soziale Unterschiede. Während Bruno aus einer bürgerlichen Juristen-Familie stammt, die in einer großzügigen Villa mit stilvollem Interieur lebt, ist Nele in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen einer katholischen Arbeiterfamilie aufgewachsen. Sie lässt sich freilich weder vom Imponiergehabe noch vom sich revolutionär gebenden jungakademischen Jargon Brunos beeinflussen, genießt jedoch sein Interesse an ihr sichtlich. Am Ende wird sie seine Traumgeschichte vom biblischen Sündenfall, in der nicht Eva, sondern Adam die Frucht vom Baum der Erkenntnis pflückt, in ihrem Hausaufsatz aufgreifen – aber in die Fassung des 1. Buchs Mose zurückgeführt.
Zudem erweitern Bieler und Frötschl das Figurenarsenal des Hörspiels um zwei pubertierende Jungmänner, Brunos Klassenkameraden Nick (Claus Jahncke) und Koch (Martin Semmelrogge). Als sich Bruno und Nele in seinem feudalen Elternhaus treffen, kommt mit Herrn Schröder (Rudolf Schündler) noch ein schrulliger Großvater hinzu, der seinen Enkel zu seinem ersten erotischen Abenteuer ausdrücklich ermutigt.
„Ob die beiden wirklich nur Schularbeiten machen?“ fragte die Fernsehansagerin (sowas gabs damals noch) süffisant, als die „Tagesschau“ vorbei war, das Publikum bei der Erstausstrahlung des 80-minütigen Kammerspiels am 2. August 1974 zur Primetime in der ARD. „Was ‚Klosterfrau‘ nicht gelingt, schafft ‚Der Hausaufsatz‘ spielend“: Während die von Langeweile geplagte Kritiker-Ikone „Momos“ in „Die Zeit“ (vom 9. August 1974) unter der Überschrift „Und redeten Papier“ einen fulminanten Verriss schrieb, sah ich den Film als angehender Student mit anderen Augen. Von der Spiegel-Szene gegenseitig anerkennender Schönheit über erste schüchterne Annäherungsversuche beim Tanzen bis hin zum „Kick“ im Fahrstuhl – da konnte ich manches aus eigener Erfahrung unterschreiben. Und habe mich köstlich amüsiert sowohl über die originellen Typen Nick und Koch, mit denen Bruno bislang seine Freizeit verbracht hat, als auch über den zwar skurrilen, aber verständnisvollen Großvater („Greif doch zu!“). Das Leben bleibt schließlich auch für Bruno lebenswert, obwohl aus seiner Sicht selbst die größte Entwicklung, die eigentümlichste Erfindung auf bereits Vorhandenem aufbaut: Der Liebe wegen!
Manfred Bieler im ARD-Presseheft: „Bruno ist einer von jenen Jungen, die bei äußerster Zartheit und Verletzlichkeit ihrer eigenen seelischen Konstitution entschlossen sind, das Problematische und Widerliche der Welt noch in dieser Generation einer glücklichen Änderung und Lösung zuzuführen. Er hofft bei solcher Gelegenheit auch persönliches Mißgeschick ein für allemal auszuräumen, etwa, was das Verhältnis zu Eltern und Geschwistern, zur Schule oder die Beziehung zu Mädchen betrifft.“
Pitt Herrmann