Cécile

BR Deutschland 1977 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
In seinem zwischen 1884 bis 1886 entstandenen, zunächst in der Zeitschrift „Universum“
vorabgedruckten und 1887 bei Emil Dominik in Berlin erschienenen Roman „Cécile“, für den Theodor Fontane drei Wochen vor Ort in Thale recherchierte, reist die so schöne wie melancholische Cécile (Doris Kunstmann) zusammen mit ihrem um zwanzig Jahre älteren Gatten, dem verabschiedeten Oberst Pierre von St. Arnaud (Günter Ungeheuer), im Jahre 1882 von Berlin nach Thale im Harz.

Im berühmten Hotel Zehnpfund lernen sie den weltgewandten Zivilingenieur Robert von Gordon-Leslie (Matthias Ponnier) kennen, mit dem sie zahlreiche Ausflüge in die nähere Umgebung unternehmen, so zur Aussichtsterrasse Roßtrappe, zum Geburtshaus des Dichters Klopstock sowie zur Abteikirche und zum Schloss nach Quedlinburg. Cécile, die auf Gordon aufgrund ihrer Unbildung zunächst keinen guten Eindruck macht, erleidet in der Schlossgalerie einen Schwächeanfall, nachdem das Gespräch über die dort ausgestellten Gemälde und deren Sujets anzüglich wird.

Überhaupt scheint die Dreißigjährige in bestimmten Dingen sehr empfindlich zu sein. Erst als sie auf späteren Ausflügen mit der Malerin Rosa (Lis Verhoeven) Bekanntschaft schließt, wird Cécile lockerer. Sie lässt Gordons Huldigungen zu – und seine immer häufigeren Besuche in der gutbürgerlichen St. Arnaudschen Villa in Berlin. Wo auch Rosa verkehrt wie auch der Prediger Dörfel (Friedrich W. Bauschulte), so etwas wie ihr Vertrauter.

Gordon hat von Anfang an gespürt, dass hinter Céciles Melancholie ein Geheimnis aus der Vergangenheit liegt. Ein Brief seiner Schwester klärt ihn auf: Nachdem sich ihr hoffnungslos überschuldeter Vater das Leben genommen hat, wurde Cécile Woronesch von Zacha, so ihr Mädchenname, Gesellschaftsdame der Fürstin von Welfen-Echingen – in Wirklichkeit aber heimliche Geliebte des Grafen. Nach dessen Tod trat sein Neffe an des Fürsten Stelle. Was in Theodor Fontanes gleichnamigem Roman noch angedeutet wird, liegt in der Bearbeitung von Traugott Krischke und Dagmar Damek offen zutage: Cécile und Gordon haben sich verliebt und treffen sich heimlich. Als ihr Gatte davon erfährt, fordert der Oberst a.D. Gordon zum Duell...

Man könnte „Cécile“ als Vorarbeit zu „Effi Briest“ bezeichnen, denn beide Romane haben die gleiche Thematik: junge, attraktive Frau eines bei weitem älteren Mannes verliebt sich in einen etwa gleichaltrigen Mann. Es kommt, aus reinem Standesdünkel, zu dem auch militärisches Ehrgefühl gerechnet werden muss, zum unvermeidlichen Duell, in dem der Liebhaber umkommt. Hier endet „Cécile“, während der anschließende Leidensweg aller noch lebenden Beteiligten bei „Effi Briest“ geschildert wird. Fontane aber hat sich in beiden Romanen gleichermaßen kritisch mit dem preußischen Ehrenkodex auseinandergesetzt.

Dagmar Dameks Verfilmung lehnt sich einschließlich der Dialoge – und des finalen Selbstmordes der Titelheldin – eng an die Vorlage Fontanes an. Sie ist auch Dank des Kameramannes Götz Neuman und des Szenenbildners Peter Rothe eine äußerst detailreiche Milieuschilderung mit grandiosen Interieur- und Landschaftsaufnahmen. Zu der auch das Defa-Studio für Spielfilme aus Babelsberg beigetragen hat: der (West-) Berliner Chamier-Film ist das Kunststück gelungen, vor Ort auf der Roßtrappe, am Hexentanzplatz und im wunderschönen Quedlinburg drehen zu dürfen.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
120 min
Bild/Ton:
Farbe
Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.05.1977, ZDF

Titel

  • Originaltitel (DE) Cécile

Fassungen

Original

Länge:
120 min
Bild/Ton:
Farbe
Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.05.1977, ZDF