Credits
Regie
Musik
Darsteller
- Jesse
- Celine
- Ehefrau im Zug
- Ehemann im Zug
Produktionsfirma
Alle Credits
Regie
Musik
Darsteller
- Jesse
- Celine
- Ehefrau im Zug
- Ehemann im Zug
Produktionsfirma
Länge:
2772 m, 101 min
Bild/Ton:
Farbe
Titel
- Originaltitel (US) Before Sunrise
Fassungen
Original
Länge:
2772 m, 101 min
Bild/Ton:
Farbe
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Die Französin Celine (Julie Delpy erinnert in vielen Szenen an die junge Hanna Schygulla) findet diesen in Sichtweite eines etwa gleichaltrigen, also jungen Mannes, offenbar eines Amerikaners auf Europa-Trip. Beide kommen recht ungezwungen miteinander ins Gespräch. Celine reist von Budapest, wo ihre Großmutter lebt, nach Paris, um ihr Studium an der Sorbonne fortzusetzen. Er, Jesse, hat sein letztes Geld zusammengekratzt, um eine Freundin, die in Madrid studiert, zu besuchen. Doch das stellt sich als Flop heraus, denn bei ihren mannigfachen neuen Beziehungen wirkt Jesse nur als unerwünschter Störenfried.
So vertreibt er sich die Zeit bis zum Abflug seines Jets zurück in die Staaten mit einem Trip durch good old Europe – auf Interrail-Ticket. Am letzten Abend begegnet Jesse im Zug diesem Traum-Engel in Blond. Im Speisewagen kann er Celine für besagte letzte Nacht vor seinem definitiven Rückflug dazu bewegen, mit ihm in Wien auszusteigen – und die nächsten 14 Stunden in der Donau-Metropole zu verbringen.
Es dauert eine Weile, bis der Film – und bis die beiden in die Gänge kommen. Auf dem Riesenrad im Prater, wo sonst, gibt’s den ersten Kuss. Viel mehr passiert auch später in der Nacht am Donauufer nicht. Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden eine hauchzarte Romeo & Julia-Romanze, die ganz von den beiden jungen Protagonisten und ihren unverstellten Dialogen lebt. Überhaupt passiert auf der Leinwand erstaunlich wenig und nimmt man es genau, wird pausenlos nur geredet. Aber miteinander – und das ist eine Qualität an sich in unserer kommunikationsarmen Zeit.
Die Stadt Wien mit ihren touristischen Highlights, aber auch einigen Spezialitäten für Kenner, ist nur die Folie für eine Romanze, die in jeder europäischen Metropole spielen könnte. Und dennoch: „Before Sunrise“ von Kim Krizan (Buch) und Richard Linklater (Buch und Regie) hat beim jugendlichen Publikum, das sonst nach London und Paris reiste, einen Boom auf das Bermuda-Dreieck rund um die Synagoge und das Schönlatern-Viertel hinter dem Stephansdom ausgelöst.
Die Ringstraßen-Architektur mit Staatsoper und Burgtheater, die Albertina (eine der schönsten Einstellungen des Films wurde im nächtlichen Schummerlicht auf der damals noch gesperrten Plattform mit herrlichem Blick auf die Staatsoper gedreht), der Prater, aber auch die atmosphärischen Gassen des Spittelberg-Viertels, das Donaukanalufer mit Otto Wagners blauem Technikhäuschen, das Bermuda-Dreieck und die junge Szene im Schönlatern-Viertel mit dem stimmungsvollen Franziskaner-Platz, das Jugendstil-Juwel Cafe Sperl: Im weichen Licht der Abend- und Nachtstunden gelingen Lee Daniel wunderschön romantische Aufnahmen einer Stadt, die durch diesen Film in das Bewusstsein vieler junger Leute beiderseits des Großen Teichs gerückt ist.
Die Frage, ob er sie nun ins grüne Bett am Donauufer kriegt oder nicht, bleibt letztlich in der Schwebe – und das ist auch gut so: Der Raum für die Phantasie des Publikums bleibt erhalten und erhöht die Spannung dieses actionarmen Films. Der auch seine kitschigen Szenen hat wie die, in der ein Szenewirt dem abgebrannten Paar eine Flasche Wein spendiert. Hier ist die Phantasie mit dem amerikanischen Regisseur durchgegangen – zur Freude der Wiener Tourismuswerbung.
Die Trennung am anderen Morgen am Westbahnhof ist herzzerreißend, aber nicht ohne Hoffnung: die beiden verabreden sich in einem halben Jahr am gleichen Ort. Dann entschwindet Celine ins Zugabteil Richtung Paris und Jesse in den Flughafenbus nach Schwechat. Letzte Fragen bleiben auch hier offen – ein sympathischer, ganz europäischer Zug dieses für amerikanische Verhältnisse so unspektakulären Streifens. Und ganz so kitschig ist diese „Boy meets girl“-Geschichte dann doch auch wieder nicht...
Die wundervolle Wien-Hommage, von Anne Walker-McBay für Linklaters in Austin/Texas beheimatete Detour produziert, ist am 19. Januar 1995 beim Sundance Filmfestival uraufgeführt worden, Deutsche Erstaufführung war am 14. Februar 1995 auf der 45. Berlinale, wo Richard Linklater mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden ist. Kinostart in Deutschland war am 30. März 1995, Free-TV-Premiere am 17. Oktober 1998 im ZDF. „Before Sunrise“ hat mit „Before Sunset“ (2004) und „Before Midnight“ (2013) zwei Sequels in Originalbesetzung beider Protagonisten.
Pitt Herrmann