Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren

Deutschland Schweden Norwegen 2024/2025 Dokumentarfilm mit Spielhandlung

Inhalt

Der Dokumentarfilm nähert sich Astrid Lindgren aus biografischer und zeitgeschichtlicher Perspektive anhand ihrer zwischen 1939 und 1945 geführten Kriegstagebücher, die erst 2015 veröffentlicht und inzwischen in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Diese Aufzeichnungen sind weit mehr als private Notizen: Sie spiegeln den Schrecken von Diktatur und Krieg aus der Sicht einer Frau und Mutter, die früh feministische Gedanken formulierte. Zwischen nüchternen Beobachtungen und persönlichen Reflexionen entfaltet sich ein leidenschaftlicher Appell für Menschlichkeit, Frieden und Gleichberechtigung. Durch dokumentarische und szenische Elemente sowie die Stimmen ihrer Tochter, Enkelin und ihres Urenkels verbindet der Film die historische Dimension der Tagebücher mit der privaten Geschichte der Autorin und eröffnet eine weniger bekannte Seite Astrid Lindgrens – als Chronistin ihrer Zeit.

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Heinz17herne
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Astrid Lindgren, die vor allem durch ihre Kinderbücher wie „Pippi Langstrumpf“, „Michel aus Lönneberga“ und „Ronja Räubertochter“ bekannt wurde, prägte mit ihren Werken Generationen von Lesern. Der unweit von Kiel lebende Regisseur Wilfried Hauke nähert sich der Autorin auf neue Weise, indem sich sein Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm erstmals ihren Kriegstagebüchern, die zwischen 1939-1945 entstanden sind, widmet.

„Schade, dass niemand Hitler erschießt“: Diese lagen 70 Jahre lang verborgen im Wäscheschrank ihres Schlafzimmers und wurden erst 2015 veröffentlicht und mittlerweile in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Sie sind eine einzigartige Dokumentation vom Schrecken der Diktatur und des Terrors aus der Sicht einer Mutter, die aus dem neutralen Schweden heraus mit akribischem Fleiß Informationen über den 2. Weltkrieg und den Holocaust sammelte und kommentierte.

„Die Menschheit hat komplett den Verstand verloren“ schreibt Astrid, als sie für die geheime Zensurstelle der schwedischen Post arbeitet und Briefe von nach Schweden Geflüchteten öffnet. So erfährt sie mit als Erste von der industriellen Vernichtung von Menschen in Konzentrationslagern und fragt sich: Was ist das für ein Volk, das ihre Lieblingsautoren Goethe und Schiller und Lieder wie „Stille Nacht“ hervorgebracht hat, und gleichzeitig zu solch‘ unvorstellbaren Grausamkeiten fähig ist?

An den historischen Stätten wie ihrem Elternhaus, dem Hof Näs bei Vimmerby, dem Sommerhaus auf der Insel Furusund oder ihrer zweiten, großen Stockholmer Wohnung am Dalagatan 46, wird Astrid Lindgrens voltenreiches Leben mit ihrem Gatten Sture sowie ihren Kindern Lars und Karin lebendig – und das ausschließlich mit den Worten aus ihrem Tagebuch. Für die wenigen, sehr behutsamen Reenactment-Szenen hatte die Familie jede fiktionale Dialogsituation oder gar Kommentierung aus dem Off untersagt, wie Regisseur Wilfried Hauke auf seiner Deutschland-Tour im Bochumer Casablanca erläuterte: Astrids 90-jährige Tochter Karin Nyman, die sich lange gegen eine Veröffentlichung der Kriegstagebücher gewehrt hatte, Enkelin Annika Lindgren und Urenkel Johan Palmberg, gehen in Gesprächen miteinander auch den schmerzhaften Ereignissen im privaten Leben Astrid Lindgrens nach.

Die sich mit 17 Jahren von ihrem Elternhaus losgesagt hatte, zwei Jahre später von ihrem verheirateten Chef, dem Zeitungsmacher Reinhold Blomberg, ungewollt schwanger wurde und sich als Sekretärin allein durchschlagen musste, weshalb Astrid Ericsson vor allem aus Sorge um das Wohlergehen ihres unehelichen, zeitweise in einer Pflegefamilie aufgewachsenen Sohnes Lars heiratete: Mit Sture Lindgren, Vater der gemeinsamen Tochter Karin, konnte sie inmitten der Kriegsjahre ein privilegiertes großbürgerliches Leben führen. Und war doch erleichtert, mit ihrem „Drecksarbeit“ genannten Geheimdienst-Job endlich wieder eigenes Geld zu verdienen, zumal Sture sich einer anderen Frau wegen ein halbes Jahr von Astrid getrennt hatte.

Im Winter 1941 erzählt sie ihrer kranken Tochter Karin das erste Mal von einem rebellischen rothaarigen Mädchen, das ganz allein ohne Eltern lebt: Es ist die Geburtsstunde von „Pippi Langstrumpf“. Noch ganz ohne Ambitionen, eine Schriftstellerin zu werden, notiert Astrid in ihren mit Bildern, Zeitungsausschnitten und heimlich abgeschriebenen Briefen ergänzten Tagebüchern den Kriegsverlauf und macht ihrer Empörung über die in ihren Augen psychisch kranken Diktatoren Hitler und Stalin Luft. Als sie Ende 1945 die Tagebücher schließt, die in der Buchausgabe 740 Seiten umfassen, ist der Weg zu einer Weltautorin vorgezeichnet…

„Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren“ erzählt mit dokumentarischen und szenischen Bildern aus der Sicht von Astrid Lindgren und ihren Nachkommen eine neue, in Spielfilmen wie Pernille Fischer Christensens grandiosem Biopic „Astrid“ (2018) bisher nicht erzählte Geschichte einer empathischen Frau und Mutter: „Ihr Mut, zu verzeihen und ihr unbedingter Wille, mit Hilfe der Fantasie die Welt besser zu machen“, sagt ihre Tochter Karin, „waren ihrer Zeit voraus – und sind es immer noch“.

Es war ein langer Weg von der Lektüre während des Corona-Lockdowns bis zur Realisierung des „über Berg und Tal ins Herz“ führenden Films (Wilfried Hauke in Bochum), zumal für einen deutschen Regisseur. Der sowohl der dänischen als auch der schwedischen Sprache mächtig ist, was ihm sicherlich bei der Familie Lindgren geholfen hat, die nicht zu Unrecht über das Erbe wacht in der gleichen Rigorosität der Erben Bertolt Brechts, wie der Versuch der politischen Vereinnahmung durch schwedische Neonazis belegt.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera-Assistenz

Farbkorrektur

Außenrequisite

Innenrequisite

Maske

Kostüme

Ton-Schnitt

Ton-Design

Darsteller

Executive Producer

Produktionsleitung

Länge:
103 min
Format:
DCP, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, SRD 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 23.07.2025, 271437, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 06.11.2025, Lübeck, Nordische Filmtage;
Kinostart (DE): 22.01.2026

Titel

  • Weiterer Titel (eng) A World Gone Mad. The War Diaries of Astrid Lindgren
  • Originaltitel (DE) Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren
  • Arbeitstitel Das Fenster in Stockholm - Astrid Lindgrens Kriegstagebücher 1939–1945
  • Weiterer Titel (eng) The Window in Stockholm

Fassungen

Original

Länge:
103 min
Format:
DCP, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, SRD 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 23.07.2025, 271437, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 06.11.2025, Lübeck, Nordische Filmtage;
Kinostart (DE): 22.01.2026