Credits
Regie
Drehbuch
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Länge:
90 min
Aufführung:
Erstsendung (DE): 06.10.1999, SAT1
Titel
- Originaltitel (DE) Anna Maria - Eine Frau geht ihren Weg [Pilotfilm]
Fassungen
Original
Länge:
90 min
Aufführung:
Erstsendung (DE): 06.10.1999, SAT1
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Ja, es ist ein schon geradezu kitschig-schönes Paar, dass sich von ihren beiden Kindern feiern lässt und gegenseitig bekennt: „Der größte Teil, der mich ausmacht, bist Du!“ Zum Haushalt gehört überdies das fleißige Aupair-Mädchen Pascale Lemaine (Käthe Loaïsa), die allseits beliebt ist und wenn‘s darauf ankommt auch Überstunden macht. An diesem ganz besonderen Tag aber ist ein Festessen im kleinen Freundeskreis in einem japanischen Restaurant vorgesehen: Anna Maria soll zum Dinner das grüne Kleid anziehen, was, wie wir später anerkennend bejahen, ideal zur auf 45.000 Mark heruntergehandelten Halskette passt, die sie von ihrem Mann geschenkt bekommt.
Dabei geht es seinem auf Donausand spezialisierten Unternehmen gerade nicht so blendend: Der Feinkosthändler harrt seit längerem der Begleichung einer Sammelrechnung in Höhe von 2.000 Mark und dem Chef Hannes sitzt die Bank im Nacken, was sein Kipperfahrer „Cash“ Hansbeck (Torsten Münchow) sogar körperlich zu spüren bekommt, nachdem er die Wanne seines Fahrzeugs mit Bauschutt beladen hat. Seine entsetzte Sekretärin Margot Gärtner (Karin Rasenack), welche die Szene aus dem Büro beobachtet hat, kann Hannes jedoch sogleich beruhigen: Hansbeck trage seinen Spitznamen „Cash“ zwar zu Recht, weil er einige Privatfahrten auf eigene Rechnung unternimmt, sei aber unterm Strich sein bester, zuverlässigster Fahrer.
Während Anna Maria ihre einstige, nun schon seit 20 Jahren verwitwete Lehrerin Bertram (Ruth Hausmeister) besucht, die ebenfalls an diesem Tag geheiratet hat, geht Gatte Hannes ganz in betrieblichen Problemen auf, die er wie ein Prinzipal aus dem Bilderbuch des Kapitalismus löst: Zu tief gebaggert in der Kiesgrube? Ist doch immer gut gegangen. Keinen neuen Kredit zur Anschaffung eines neuen 38-Tonners, nachdem der 22-Tonner nach 600.000 Kilometern seinen Geist aufgegeben hat? Macht der Banker Ensinger (Dieter Goertz) Zicken, muss ihm der Bürgermeister auf die Sprünge helfen.
„Wer sich nicht aufs Pferd setzt, kann das Derby nicht gewinnen“: Es geht schließlich um Arbeitsplätze. Als sein alter Freund und Trauzeuge Alexander Langer (Christian Kohlund), Sohn seines härtesten Konkurrenten Alfred Langer (Siegfried Lowitz), mit neuer Freundin und nagelneuem Ford Mustang Cabrio auftaucht, bleibt freilich noch Zeit für eine Spritztour bis zum Dinner, an dem auch Anna Marias beste Freundin Jutta Mangold (Monika Woytowicz) und ihr Gatte Robert (Reinhard Glemnitz) teilnehmen. Nicht aber Anna Marias darob enttäuschten Eltern Christine (Eva Kotthaus) und Siegfried Bogner (Toni Berger): Als Bauern, die noch im fortgeschrittenen Alter ihren Hof bewirtschaften, passen sie wohl nicht zur feinen Münchner Gesellschaft.
Währenddessen ist Ludwig „Wiggerl“ Holzapfel (Josef Thalmeier) nach Wörth am Rhein gefahren, um den nagelneuen Mercedes-LKW selbst nach München zu fahren, da er bereits am nächsten Morgen für ein Termingeschäft benötigt wird. Nach einer gefährlichen Nachtfahrt mit den Kräften am Ende kann er den für einen sechsstelligen Betrag erworbenen Kipper an einen Fahrer übergeben. Hannes setzt sich im Überschwang der Glücksgefühle selbst ans Steuer seines Fuhrpark-Neuzugangs – ausgerechnet in der Kiesgrube, wo er den Truck zu nah an die Abbruchkante steuert.
„Dieser Lastwagen ist noch mein Tod“ ahnte Anna Maria bereits während des festlichen Abends. Wobei es nur um die drohende Konventionalstrafe ging, sollte der Auftrag am anderen Morgen nicht pünktlich ausgeführt werden können. Gerade hatte sie noch Tochter Patricia im Kindergarten abgeliefert und der Mitarbeiterin Schumann (Janina Hartwig) zugesagt, die Kinder beim Wandertag zu begleiten, als sie von innerer Unruhe ergriffen zur Kiesgrube fährt: Ihr Angstgefühl hat die nicht betrogen, alle Terminzusagen sind obsolet geworden, die bisher so heile Welt steht auf dem Kopf…
„Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg“ ist die von Cineblock Media (CBM) Köln (PL Hermann Hinze-Selch und Eberhard Schnabel) produzierte und am 17. Oktober 1994 erstausgestrahlte 90-minütige Pilotfolge der bis heute noch vor „Kommissar Rex“ und „Der Bulle von Tölz“ erfolgreichsten Sat 1-Serie. Drei Staffeln mit 27 Episoden in einer Länge von jeweils 45 Minuten und den drei letzten Episoden in einer Länge von jeweils 90 Minuten schlossen sich ihr an und sind bis zum 13. Januar 1997 vom Unterföhringer Privatsender ausgestrahlt worden.
Der Defa-Regisseur Celino Bleiweiß hat mit dem Piloten eine märchenhaft heile Welt erschaffen als ideale Einleitung zur letztlich emanzipatorischen Geschichte einer Witwe und alleinerziehenden Mutter, die sich von einer auf die andere Minute den Herausforderungen einer Unternehmerin stellen muss. Und sich konsequent stellt, was wesentlich zur anhaltenden Popularität der Schauspielerin Uschi Glas beigetragen hat. Nur ein kleiner Verweis der Sekretärin Gärtner auf einen gewissen Michael, der sich über das Verhalten von Hannes Seeberger enttäuscht geäußert hat und ein Treffen mit diesem anmahnt, weist auf zukünftige Probleme hin, die am heilen Bild der vorbildlichen Kapitalisten-Familie kratzen.
Pitt Herrmann