Credits
Regie
Kamera
Schnitt
Produzent
Alle Credits
Regie
Kamera
Schnitt
Produzent
Uraufführung (DD): 26.11.1989, Leipzig, Internationale Dokumentarfilmwoche;
Aufführung (DE): Februar 1990, Berlin, IFF - Forum
Titel
- Originaltitel (DD) 10 Tage im Oktober
Fassungen
Original
Uraufführung (DD): 26.11.1989, Leipzig, Internationale Dokumentarfilmwoche;
Aufführung (DE): Februar 1990, Berlin, IFF - Forum
Digitalisierte Fassung
Aufführung (DE): 24.04.2026, Potsdam, Sehsüchte
Die Digitalisierung dieses Films wurde 2024 im Rahmen des Förderprogramm Filmerbe gefördert.
Das Förderprogramm Filmerbe (FFE) von BKM, den Ländern und FFA stellt seit dem 1. Januar 2019 für den Zeitraum von zehn Jahren jährlich bis zu 10 Millionen Euro für die Digitalisierung von Kinofilmen zur Verfügung.
Für die abendfüllenden Spiel- und Dokumentarfilme in diesem Förderprogramm stellt filmportal.de die jeweiligen Filmanfänge bereit. Eine Übersicht über alle geförderten Filme auf filmportal.de finden Sie hier.
Weitere Informationen unter www.ffa.de
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Da die internationalen Medien zu den Aufmärschen und Militärparaden des Jahrestages großzügig mit Visa bedacht worden waren, wurde ihre offiziell als Fasten deklarierte Aktion, in der sie wie weitere, später hinzukommende Mitstreiter nur auf feste, nicht auf flüssige Nahrung verzichtete, rasch zum weltweit verbreiteten Ereignis, das die Staatsorgane herausforderte, insbesondere das nach dem Gründer der sowjetrussischen Geheimpolizei Tscheka benannte Wachregiment „Feliks Dzierzynski“, ein dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellter militärischer Verband.
Während in der zunehmen bis über die Kapazitätsgrenze hinaus gefüllten Kirche allabendlich der dreistimmige Kanon „Dona nobis pacem“ intoniert wird, ein kurzes Friedensgebet mit dem Text aus dem Agnus Dei der lateinischen Messe, spitzt sich draußen in der Stadt, aber auch an anderen Orten wie Dresden und Leipzig, die Konfrontation zwischen kasernierter Volkspolizei und Demonstrierenden für eine andere, demokratisch legitimierte Republik in Anlehnung an die Öffnungspolitik des sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschows zu. Mitglieder der kirchlichen „Kontakttelefon“-Gruppe wie Werner Fischer, die zunächst nur Aktionen koordinieren wollten, sind nun allein damit beschäftigt, Daten Inhaftierter zu sammeln und deren Angehörige zu informieren.
Regisseur Thomas Frick, Student an der Hochschule für Film und Fernsehen HFF in Potsdam-Babelsberg, der noch im September 1989 zu einer Reservistenübung der Nationalen Volksarmee eingezogen worden war, hatte die Demonstrationen und die Polizeigewalt auf den Straßen Berlins selbst erlebt. Zusammen mit dem Filmproduktionsstudenten Thomas Zickler und weiteren Kommilitonen bat er den Babelsberger Rektor Lothar Bisky um die Bewilligung, die Ereignisse filmisch zu dokumentieren. Mit einfachster Technik, die teilweise durch Polizeiabsperrungen in die Kirche geschmuggelt wurde – wie auch das belichtete Filmmaterial hinaus – dokumentierten sie die folgenden zehn Tage, in denen der Ausgang der Situation und das Schicksal tausender Verhafteter ungewiss war.
„Es wurde geprügelt nach Strich und Faden“: Neben Angela Kunze und Aktivisten kirchlicher Gruppen und der Bürgerrechtsbewegung kommen auch Anwohner wie Gerd Miedthank zu Wort, welche die Polizeiabsperrungen rund um die Gethsemanekirche vom Balkon aus verfolgt haben. Der Arzt Dr. Schnabel spricht von Einkesselungen und Ausschreitungen ziviler Polizisten oder Stasi-Mitarbeiter. Eine schwangere Anwohnerin der Stargader Straße, die ihren Vornamen Eva nennt, schildert, wie sie sogar getreten wurde und entsprechend in Panik geriet.
Thomas Frick und sein Kamera-Kommilitone Olaf Kreiß konnten auf Vermittlung Lothar Biskys aber auch mit Vertretern der Staatsorgane sprechen, die nach den spektakulären Berichten in den West-Medien unter einem enormen Rechtfertigungsdruck standen. Oberstleutnant Kunst, Kommandeur der kasernierten Volkspolizei, leugnet jegliche Gewalt seitens der Volkspolizei und berichtet mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein von „wild gewordenem Mob“ auf den Straßen, der von ZDF-Reportern aufgestachelt worden sei, den Herrn „Hanno“ habe er selbst unter den Demonstranten entdeckt. Genosse Kunst meint Horst Hano, gerade frisch eingesetzter ARD-Korrespondent in Ost-Berlin.
Während Kunst minutiös schildert, wie seine Truppe, den Einsatzbefehl als Klassenauftrag verstehend, den Palast der Republik abgesichert und die Rathausbrücke gesperrt haben, um den Demonstrationszug am Marsch auf das Brandenburger Tor zu hindern, sprechen untergeordnete Ränge wie Obermeister Schatte sowie die Hauptwachtmeister Jäckel und Grützmann von den Einsätzen an der Schönhauser Allee, an der Kirche sowie an den leergeräumten VP-Garagenhallen in Rummelsburg, an deren Wänden „Zugeführte“ stundenlang stehen mussten. Letzterer räumt Fehlverhalten ein, da die Volkspolizisten für einen solchen, in der Geschichte der Republik bisher einmaligen Einsatz psychologisch nicht vorbereitet worden sind.
Da das Filmmaterial aus dem HFF-Lagerbestand nicht ausreichte, so Thomas Frick am 24. April 2026 in Potsdam, musste Tonmaterial mit authentischen Schwarz-Weiß-Fotos unterlegt werden. Seine nach dem HFF-Diplom wahrscheinliche Defa-Karriere war mit der Auflösung der Studios beendet, noch bevor sie begonnen hatte. Nach rekordverdächtig kurzer Postproduktion fand die Uraufführung bereits am 26. November 1989 auf der Int. Dokfilmwoche Leipzig statt, die Westdeutsche Erstaufführung folgte im Februar 1990 im Rahmen des 20. Int. Forums des jungen Films auf der 40. Berlinale, wo überdies sieben bislang unveröffentlichte Verbotsfilme der DDR ihre Uraufführung feierten.
„10 Tage im Oktober“ wurde vom Goetheinstitut weltweit eingesetzt und ist auf zahlreichen Festivals gezeigt worden. Die Doku erhielt zusammen mit den Studentenfilmen „Es lebe die R“. und „Aufbruch ’89 Dresden“ die „Goldene Taube“ ehrenhalber bei der Int. Dokfilmwoche Leipzig sowie den „Preis für Jugend und Bildung“ beim Filmfest Frankfurt/Main. Im Abspann wird das Fernsehen der DDR als Kooperationspartner genannt, ein Ausstrahlungstermin im dann wieder umbenannten Deutscher Fernsehfunk ist nicht bekannt.
Pitt Herrmann