Der italienische Schauspieler Toni Servillo erhält den CineMerit Award des Filmfest München für seine herausragenden Verdienste um die Filmkunst. Mit einer Hommage würdigt das Festival das Werk der deutschen Regisseurin Jutta Brückner und präsentiert ihren neuen Film "Im Spiegel meiner Mutter". Mit dieser Wahl rückt das Filmfest München (26. Juni - 5. Juli) zwei renommierte Kunstschaffende ins Zentrum, die das Kino in Europa wegweisend beeinflusst haben.
Zwei Größen des Autor*innenkinos: Die Regisseurin Jutta Brückner und der Schauspieler Toni Servillo machen in ihrem Schaffen gesellschaftliche Machtstrukturen auf jeweils eigene Weise erfahrbar – Brückner durch ihr feministisches, analytisch-subjektives Erzählen, Servillo durch die vielschichtige Verkörperung ambivalenter Figuren.
"Zwei Würdigungen des Festivals gehen an Filmmenschen mit klarer Haltung – und ihre jeweils sehr europäischen Werte und Perspektiven. Wir freuen uns, mit Toni Servillo einen auf unseren Leinwänden oft gesehenen Meister der moralischen und politischen Ambivalenz endlich persönlich in München begrüßen zu dürfen. Und genauso freut es uns, einer der großen Stimmen des Neuen Deutschen Films die Bühne zu bieten, Jutta Brückner, der mit 'Im Spiegel meiner Mutter' ein äußerst vitales, feministisches Spätwerk gelungen ist", so Christoph Gröner und Julia Weigl, Künstlerisches Leitungsteam.
Das Filmfest München überreicht den CineMerit Award an Toni Servillo am Montag, den 29.06.2026. Im Rahmen der feierlichen Verleihung wird der Film "La Grazia" gezeigt.
Toni Servillo: vom Avantgarde-Theater zum Weltkinostar
Toni Servillo begann seine Karriere in den 1970er-Jahren am neapolitanischen Theater. Bereits mit 18 Jahren war er Mitbegründer des Avantgarde-Theaters "Teatro Studio", das er auch als Regisseur prägte. In den 1990er-Jahren wechselte er zum Film und etablierte sich als einer der bedeutendsten Schauspieler Italiens. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Regisseur Paolo Sorrentino, aus der prägende Werke des europäischen Autor:innenkinos hervorgingen. Toni Servillo wurde (neben Daniel Auteuil) als bisher einziger Schauspieler zweimal mit dem Europäischen Filmpreis als Bester Darsteller ausgezeichnet. Die New York Times zählt ihn zu den 25 wichtigsten Schauspieler:innen des 21. Jahrhunderts.
Die Darstellung von Männern der Macht – von realen Figuren wie Giulio Andreotti über Silvio Berlusconi bis hin zu dem fiktiven italienischen Präsidenten Mariano De Santis – hat Toni Servillo berühmt gemacht: In Rollen, die von der karikaturesken Überzeichnung eines italienischen Politikers in "Il Divo" über die melancholische Noblesse in "La Grande Bellezza" (2013) bis zur stillen Würde in "La Grazia" reichen, ermöglicht er Blicke in den Abgrund der Moral.
Jutta Brückner: anspruchsvoll, politisch reflektiert und oft unbequem
Mit einer Hommage ehrt das Festival das Werk der Regisseurin Jutta Brückner. Radikal, subjektiv und essayistisch verbindet sie feministische Fragestellungen mit der Kritik an gesellschaftlichen Strukturen und legt dabei stets den Fokus auf eine weibliche Perspektive. Das Filmfest München spannt mit drei Filmen von Jutta Brückner, die sie selbst als Trilogie über Mutter-Tochter-Beziehungen versteht, einen Bogen von den späten 1970er-Jahren bis in die Gegenwart und zeigt neben ihrem Hauptwerk "Hungerjahre" (1980) auch ihr Debüt "Tue recht und scheue niemand" (1975) sowie ihren aktuellen Film "Im Spiegel meiner Mutter" (2026).
Bereits ihr Debütfilm "Tue recht und scheue niemand" ist ein Werk von bemerkenswerter Verdichtung: Privatfotos, Archivbilder und Porträts des Fotografen August Sander fügen sich zu einem Mosaik zusammen, das aus der Lebensgeschichte ihrer eigenen Mutter zugleich ein Panorama weiblicher Unfreiheit im Deutschland des 20. Jahrhunderts macht. Fünf Jahre später erschien der Film "Hungerjahre", der als Schlüsselwerk des feministischen Deutschen Films gilt und mit dem FIPRESCI-Preis der Berlinale ausgezeichnet wurde. Inhaltlich schließt ihr aktueller Film "Im Spiegel meiner Mutter" an ihr Hauptwerk an, fokussiert sich aber noch stärker auf Machtverhältnisse und weibliche Abhängigkeit im intellektuellen Milieu. Corinna Harfouch, Carla Juri, Hildegard Schmahl, Nina Kunzendorf und Samuel Finzi sind darin zu sehen.
Quelle: www.filmfest-muenchen.de