Preise des IFFF Dortmund+Köln 2026 verliehen

Am Sonntagabend ging im Kölner Orangerie Theater – erstmalig Austragungsort des Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund+Köln – mit der Vergabe von fünf Filmpreisen im Wert von 18.000 Euro die 43. Festivalausgabe des IFFF Dortmund+Köln zu Ende. Im Internationalen Spielfilmwettbewerb nahmen erstmalig erste und zweite lange Spielfilme von Regisseur*innen teil. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

 

Die internationale Jury vergab den Hauptpreis einstimmig an die kroatische Regisseurin Hana Jušić für ihren zweiten langen Spielfilm "God Will Not Help" aus dem Jahr 2025.

In der Jurybegründung hieß es:

"Wir waren tief beeindruckt von den beiden weiblichen Protagonistinnen, die keine Opfer, sondern Gestalterinnen ihres eigenen Schicksals sind. Mit herausragender Inszenierung und einer filmischen Sprache von großer Präzision und Klarheit verbindet der Film meisterhaft die Genres des historischen Dramas, des Suspense und des Psychothrillers – alles durch einen kompromisslosen weiblichen Blick."

Hana Jušić erzählt in "God Will Not Help" die Geschichte der Chilenin Teresa (Manuela Martelli), die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine abgeschieden lebende Hirtenfamilie in den kroatischen Bergen kommt. Sie gibt vor, die Witwe des ausgewanderten Bruders zu sein. Teresa spricht nur Spanisch, die Familie nur Kroatisch. Ihre Ankunft verändert die Dynamik in der Gemeinschaft grundlegend und sorgt für Unruhe, doch Teresa bringt auch Freiheit mit sich.

Das IFFF Dortmund+Köln hatte die Deutschlandpremiere von "God Will Not Help" gemeinsam mit dem Festival goEast in Wiesbaden gezeigt, wo der Film parallel am Wettbewerb teilnimmt. Hana Jušić nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis am Abend persönlich in Köln entgegen. Der Film hat bislang noch keinen Verleih und Starttermin in Deutschland.

Die Jury war in diesem Jahr mit der französischen Kuratorin und Kulturmanagerin Annouchka de Andrade, der Kölner Produzentin Bettina Brokemper und der griechischen Regisseurin, Produzentin und Autorin Athina Rachel Tsangari besetzt.

Lobende Erwähnung an Verenice Benítez für "Nunkui"

Die Jury vergibt außerdem eine lobende Erwähnung an das Spielfilmdebüt "Nunkui" von Verenice Benítez. In der Begründung hieß es:

"Wir, die Jury, möchten die eindringliche Darstellung eines Mädchens auf dem Weg zur jungen Frau würdigen, die in einer Welt aufwächst, die manchmal nur schwer zu begreifen ist. Der Film geht respektvoll auf eine echte Gemeinschaft ein, ohne sie zu objektivieren. Er zeigt uns die Komplexität und die Notwendigkeit, für die eigene Würde einzustehen. Er stellt den überlieferten Traum der Vorfahren als einzigen möglichen Weg zur Selbstbestimmung dar."

Zum Film: Nunkui wächst in einer Shuar-Gemeinde am Amazonas auf. In ihrer Großfamilie lernt sie die magischen Gesänge, indigenes Handwerk und Ackerbau. Zugleich kämpft der charismatische Großvater (gespielt von Domingo Ankuash, einem bekannten Shuar-Anführer und -Aktivisten) gegen transnationale Bergbauunternehmen. In einer üppigen Welt voller Pflanzen, Tiere, Geister erzählt diese Widerstandsgeschichte von Nunkuis wachsendem Verständnis für ihren Platz in der Welt.

Die ecuadorianische Regisseurin, Musikerin und Aktivistin Verenice Benítez hatte die Europapremiere ihres Films gemeinsam mit der Bildgestalterin Pascale Marin in Köln präsentiert. Weltpremiere von "Nunkui" war kurz zuvor beim mexikanischen Guadalajara Film Festival. Der Film wurde von der deutschen Produktionsfirma Autentika Films koproduziert und hat noch keinen deutschen Verleih.

ECFA Short Film Award für "Ostrich" von Marie Kenov

Im Programm für Kinder und Jugendliche, welches das IFFF jährlich an beiden Standorten in Köln und Dortmund zeigt, wird zum siebten Mal der ECFA Short Film Award für den besten europäischen Kurzfilm für Kinder vergeben. Die Auszeichnung erhielt am Abend der 9-minütige Schweizer Animationsfilm "Ostrich" von Marie Kenov aus dem Jahr 2025.

Die Jury war mit Mitgliedern der European Children's Film Association besetzt und bestand aus Sina Musche (Interimsleitung doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche, DE), Samira Zaïbat (Jolifanto, BE) und Florence Dupont (Enfances au Cinéma, FR). Der prämierte Film wird automatisch für den Wettbewerb um den besten europäischen Kinderfilm des Jahres nominiert, der bei der nächsten Berlinale vergeben wird.

In der Jurybegründung hieß es: 

"Was mit Krafttraining und Protein-Shakes beginnt, endet schließlich in kosmetischen Operationen. Wir möchten den diesjährigen ECFA Kurzfilmpreis an einen Film vergeben, der aus unserer Sicht absolut up-to-date ist und schonungslos die Online Realität zeigt, mit der insbesondere junge Menschen täglich konfrontiert sind. Mit bunten Animationen fokussiert die Regisseurin wichtige Themen wie Bodyshaming, Selbstoptimierung und das aktuelle Internetphänomen Looksmaxxing. (...)"

Sally Forth Cinema Publikumspreis 2026

Nach Auszählung der letzten Stimmen stand fest: Der Sally Forth Cinema Publikumspreis ging an den teilanimierten Dokumentarfilm "Eine Krankheit wie ein Gedicht" von Jelena Ilić - eine berührende Tochter-Vater-Erzählung. Der Preis wurde erstmalig von der Dortmunder Produktionsfirma Sally Forth Cinema gestiftet, die das Preisgeld auf 2.000 € verdoppelt hat. An der Abstimmung nahmen alle aktuellen Festivalfilme teil, die nicht älter als zwei Jahre sind und eine Filmlänge ab 60 Minuten haben.

Weitere Preisträger*innen

Bereits im Vorfeld waren weitere Preisträger*innen ausgelobt worden. Lisa Jilg und Sophia Fenn werden am Abend mit dem Female Gaze – CineOne & sPOTTlight Nationalen Preis für Bildgestalter*innen ausgezeichnet.

Lisa Jilg erhielt den mit 2.500 € dotierten Preis für ihre Bildgestaltung in dem langen Spielfilm "Vena".

Sophia Fenn erhielt den ebenfalls mit 2.500 € dotierten Preis für ihre Bildgestaltung in dem langen Dokumentarfilm "Where The Waves Took Her".

Lenia Friedrich erhielt den mit 1.000€ dotierten Shoot – KHM & IFFF Dortmund+Köln Nachwuchspreis für Künstler*innen der KHM.

Quelle: www.frauenfilmfest.com/