Mit "Remake On Location" bringt die Kinothek Asta Nielsen ergänzende Programmteile von Remake. Frankfurter Frauen Film Tage an verschiedene Spielstätten im Rhein-Main-Gebiet. In den kommenden Wochen zeigt das Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum in diesem Rahmen einige Werke der Filmemacherin Gisela Tuchtenhagen.
Termine und Filme:
Mi, 4. März, 18 Uhr
"Sing, Iris, sing. Frauen lernen Männerberufe" (BRD 1978. R: Monika Held, Gisela Tuchtenhagen)
Iris ist Elvis-Fan und Teil einer Gruppe arbeitsloser Frauen, die in Essen beim ersten Umschulungsprogramm der BRD für Frauen im "Männerberuf" der Elektro- und Metallarbeiter ausgebildet werden. Monika Held und Gisela Tuchtenhagen begleiten die Gruppe fünf Wochen lang. Die Frauen berichten von Sexismus, geringem Selbstbewusstsein und Mehrfachbelastung. Um voranzukommen, brauchen sie Rückhalt und einander – der regelmäßige wöchentliche Austausch wird in die Kneipe verlegt.
"Ich bestehe deshalb auf der Methode, mit so geringem Aufwand wie möglich zu drehen, ohne Licht, mit kleinen handlichen Geräten, weil meiner Meinung nach dabei das meiste Filmische herauskommt. Ich glaube, das liegt daran, dass wir uns nicht als Techniker präsentieren, sondern dass man merkt, dass da auch beim Drehen Menschen dahinterstecken. Ich grinse zum Beispiel auch mal hinter der Kamera, wenn ich zuhöre. Ich bin also immer noch ein Zuhörer. Dass ich nicht viel rede, ist ja klar. Ich bleibe doch Gesprächspartner mit der Kamera." (Gisela Tuchtenhagen im Gespräch mit Alf Bold und Wilhelm Roth anlässlich der Uraufführung des Films beim 8. Internationalen Forum des jungen Films 1978)
Mi, 11. März, 18 Uhr
Doppelprogramm
"Wochenschau: Im Auftrag der Arbeiterbewegung. Gegeninformation im heißen Herbst aus Betrieben in Italien" (BRD 1970. R: Gisela Tuchtenhagen, Maurice Taszman)
"Im Auftrag der Arbeiterbewegung entstehen neue Aufgaben für Filmemacher" – Diese frühe Arbeit von Gisela Tuchtenhagen, die Wochenschau 4, wurde als Kollektivarbeit im Umkreis der hochpolitisierten DFFB realisiert. Sie dokumentiert nicht nur den „Heißen Herbst“, die Streikbewegung in Italien 1969/1970, sondern ist selbst ein Beitrag zur "Kampagne für die Gegeninformation" zur Berichterstattung im bürgerlichen Funk und Fernsehen. Aufbruchsstimmung, gewerkschaftliche Organisierung, Fabrikbesetzung und Demonstrationen: gegen die Cassa per il Mezzogiorno und die Verteilung öffentlicher Gelder an Großunternehmen, gegen die italienische Fernsehanstalt RAI ("Fernsehen ist eine öffentliche Einrichtung, darum soll es uns zur Verfügung stehen – oder wenigstens auch uns") und gegen die NATO, die als gutes Geschäft für den US-amerikanischen Präsidenten Nixon auf Kosten der Arbeiterklasse bezeichnet wird. "Der Frieden ist revolutionär", und der Film zu dieser Zeit bekanntlich eine Waffe. Ein denkwürdiges Zeitdokument, mit Ausschnitten aus den Agit-Prop-Filmen von Ugo Gregoretti und Giuseppe Ferrara. (Borjana Gakovic)
"Was wissen wir schon von denen. Eine türkische Frauengruppe in Hamburg" (BRD 1982. R: Barbara Schönfeldt. Kamera: Gisela Tuchtenhagen)
Die zahlreichen Fernsehbeiträge, an denen Gisela Tuchtenhagen mitwirkte (und von denen einige aus rechtlichen Gründen derzeit nicht vorgeführt werden können), eint meist ihre feministische Thematik. Der NDR-Beitrag "Was wissen wir schon von denen?" gibt Einblick in die Arbeit einer türkischen Frauengruppe auf der zweiten Hamburger Frauenwoche, ein politisches Bildungsprogramm, welches von der Hochschule für Wirtschaft und Politik unter dem Motto "Frauen lernen gemeinsam" veranstaltet wurde. Der Beitrag, der erstmalig mit einem reinen Frauenfernsehteam entstand, dokumentiert eindrücklich den Argwohn und die islamophoben Klischees, mit denen Frauen türkischer Herkunft in der westdeutschen Frauenbewegung konfrontiert sind, und unternimmt einen Versuch, Vorurteile abzubauen und gegen Diskriminierung vorzugehen. (Fiona Berg, Zeughauskino, 2022)
Mi, 25. März, 18 Uhr
"Freier Fall: Johanna K." (DE 1992. R: Klaus Wildenhahn. Kamera: Gisela Tuchtenhagen)
In ihrem früheren Leben war Johanna K. als Bauingenieur, Herr Kamermans, in Holland unterwegs und hat Deiche und Wege gebaut. Dann hat sie ihre Vorliebe für die wunderschönen Kleider und das Cabaret entdeckt und als Tänzerin zu sich gefunden. Mit angenehmer Ruhe und Gelassenheit, und mit bewundernswerter Reflektiertheit, erzählt sie von verschiedenen Stationen ihres erfahrungsreichen Lebens zwischen Sankt Pauli und Ibiza, zwischen der eigenen Geschlechteridentität und gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen. Johanna K. erzählt auch von ihren gescheiterten Unternehmungen, wie der Pleite mit einer Bar; von ihren nachfolgenden Erfahrungen als Stripperin und Sexarbeiterin und von ihrem alternden Körper und Botox-Narben. Klaus Wildenhahn und Gisela Tuchtenhagen porträtieren sie und ihr Umfeld behutsam, sie folgen dem Rhythmus, den die Protagonistin und die jeweilige Situation vorgeben. So spielt auch Johannas jüngere Freundin und Verbündete Andrea eine wichtige Rolle in diesem vielschichtigen Dokumentarfilm, der nicht zuletzt durch diese zweite Protagonistin Unterschiede und auch Konfliktlinien innerhalb der Community thematisiert. (Borjana Gakovic)
Quelle: www.dff.film