Bomber und Paganini

BR Deutschland Österreich 1976 Spielfilm

Summary

Bomber and Paganini are two crooks hit by bad luck: when they try to blow up a bank vault, one goes blind, the other lame. United in their misfortune, their relationship becomes symbiotic, especially so when their gang exclude them after the failed action. Working as a duo, however, they are surprisingly adept at keeping their heads above water with hole-and-corner dealings and they start to plan a big coup in which they want to steal the loot from their former cronies. However, this endeavour ends in a multi-level disaster.

Director Perakis won the top prizes including the one for "best gag" at the 1977 La Coruna Film Comedy Festival with his grotesque slapstick comedy, that is also his directorial debut. 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Der blinde Bomber und der lahme Paganini sind ein Gespann, wie es Samuel Beckett 1952 mit Wladimir und Estragon in „Warten auf Godot“ oder fünf Jahre später mit Hamm und Clov in „Endspiel“ vorgeschwebt haben mag, nur ungleich furioser: Zwei Ganoven mit reichlich Künstlerpech. Das mit einem folgenschweren Unfall begann: Bei der Sprengung eines Banktresors erblindet der eine, und der andere muss künftig im Rollstuhl sitzen.

Seither schlagen sich die beiden Wiener, deren sprechende Namen vor allem für ihre innere Konstitution stehen, mit Blindenstock und Geigenkasten durchaus mehr recht als schlecht durch. Obwohl Bomber schon seiner heißen Zeit als Zuhälter etwa der attraktiven Mona nachhängt oder Paganini seinen einstigen Erfolgen als Stehgeiger. Sie überleben mit kleinen Gaunereien, von denen ihre Gastgeberin, Bombers „Mama“ Sekulovich (Leinwand-Comeback für Hannelore Schroth in ihrer ersten Mutterrolle), am besten nichts erfährt. Denn da werden Klingelbeutel aus der Kirche ebenso in die eigene Tasche geleert wie der Groschenteller der Klofrau oder zuvor gestohlene Zeitungen verkauft.

Und zwar auf eigene Faust, denn ihre einstigen Kumpel haben sich der beiden „Behinderten“ rasch entledigt. Klar, dass Bomber und Paganini nun auf Rache sinnen, zumal der Gangster-Treff, die „Wunder-Bar“ mit der Nachtclub-Sängerin Mina, nun für sie tabu ist. Tatsächlich gelingt ihnen der große Wurf mit einem geklauten Gewehr: Der eine zielt, der andere schießt. So können sie ihrem früheren Syndikat die Beute entreißen. Und nicht nur das: Der Geldtransporter, in dem Paganini samt Rollstuhl sitzt, stürzt einen Abhang herunter und explodiert. Durch diesen Schock kann Bomber plötzlich wieder sehen – und Paganini wieder laufen. Allein, die wundersame Heilung nützt beiden nichts: Sie streiten sich derart um die Beute, dass sie sich gegenseitig erneut zu Krüppeln schlagen – unter den Klängen von Minas Nachtclub-Lied „So wie du mir, so ich dir...“...

Der griechische Bühnenbilder Nikos Perakis, der zuvor Volker Schlöndorffs „Strohfeuer“ sowie „Lina Braake“ und „Berlinger“ von Bernhard Sinkel ausgestattet hat, zeigt sich bei seinem wundervoll leichten Kinodebüt „Bomber und Paganini“, das 1977 beim Filmkomödienfestival in La Coruña sämtliche Hauptpreise abräumte und nach der Erstaufführung mit einer Bundesfilmprämie ausgezeichnet worden ist, von einer grotesk-witzigen Seite: So viel gelacht wie binnen dieser immerhin knapp zwei Stunden währenden „komödiantischen Nichtigkeit“, so ein humorloser Kraft Wetzel („Kino“) als Gastautor in der FAZ, habe ich schon lange nicht mehr.

Und beim „Jungen deutschen Film“ schon gar nicht, mit dem Perakis auch ausdrücklich nicht in einen Topf geworfen werden wollte. Die große Story fehle wie ein hohes Niveau, von einem entsprechenden moralischen Background ganz zu schweigen: Wer die Kritiken aus dem deutschen Herbst des Jahres 1976 liest, kann nur den Kopf schütteln. Unterhaltung im deutschen Kino? Bitte nur als Kompilation von Goethe-Niveau, Boulevard-Drive und Ohnesorg-Moral.

Für mich ist die Koproduktion mit dem ZDF der beste deutsche Lustspiel-Film des Jahres 1976: Skurril, ironisch und grotesk, immer wieder pfiffig und einfallsreich, ganz weanerisch melancholisch und doch so leicht und locker, wie es eine deutsche Kriminalkomödie (mit der Musik des Griechen Nikos Mamangakis) in den 1970er Jahren wohl keine zweite gibt. Ganz abgesehen von der tollen Besetzung, darunter neben den Protagonisten Hannelore Elsner, Hark Bohm, Heinrich Schweiger und der unvergleichliche Otto Tausig, welcher einen Simulanten mimt. Und das mit der Lust kann ruhig wörtlich genommen werden mit der gewohnt freizügigen Barbara Valentin vor Dietrich Lohmanns Kamera.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Duration:
3122 m, 114 min
Format:
35mm
Video/Audio:
Farbe, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 16.09.1976, 48549, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 07.10.1976

Titles

  • Originaltitel (DE) Bomber und Paganini

Versions

Original

Duration:
3122 m, 114 min
Format:
35mm
Video/Audio:
Farbe, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 16.09.1976, 48549, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 07.10.1976