Wege in die Nacht

Deutschland 1998/1999 Spielfilm

Summary

Paths In The Night

55-year-old Walter is unemployed. Once vested with a certain power and function, he is now less and less able to see any meaning to his existence or to adapt to the present. His last support is the belief in a better world: he wants to stand up for "good", if necessary, by violent means. And so he roves at night with two youths in the conviction that he is needed by society to maintain law and order. But society doesn′t need him. As this knowledge matures within him, so he becomes an increasing danger to himself and his surroundings. His wife, the only person who loves him, will betray him in order to save herself. However, he is now past helping. Paths In The Night: A big-city film which tells in an equally powerful and poetic manner of a forlorn love and a psyche running amuck.

Source: German films Service & Marketing GmbH

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Walter (herausragend bei sparsamstem Einsatz von Gestik und Mimik: Hilmar Thate am Rande des Wahnsinns), Ende 50, einst Direktor eines bedeutenden DDR-Kombinates, das Braunkohle zu Strom verarbeitet hat, ist jetzt so arbeits- wie hoffnungslos. Statt sich auf Wachdienst-Stellenanzeigen zu bewerben, hängt der einstige SED-Funktionär alten, notabene besseren Zeiten im Arbeiter- und Bauernstaat nach, besucht seinen alten, inzwischen baulich stark verfallenen Großbetrieb immer wieder – und lässt seine liebevolle Frau Sylvia, die ihren Beruf als Kellnerin weiterhin gern ausübt, auch in einem der schicken neuen Bistros des neuen Deutschland, schier verzweifeln.

Walter sucht sich ein neues Betätigungsfeld, das ihn wieder Macht ausüben lässt wie einst in seinem Betrieb: Zunächst stellt er zwei vermeintliche Diebe, die er dabei überrascht, wie sie ein Auto aufbrechen. Doch das Fahrzeug gehört den beiden. Dann nimmt er sich zusammen mit zwei gewaltbereiten Halbstarken, Gina und René, die zu ihrem neuen, wesentlich älteren Anführer bewundernd aufschauen, das Recht, über Gewalttäter, aber auch über Schwarzfahrer, Betrunkene oder als Ausländer Erkannte in der U- und S-Bahn zu richten, denen das Trio als selbsternannte Privat-Polizei gegenübertritt – Auge um Auge, Zahn um Zahn bis hin zum erzwungenen Sprung aus dem fahrenden Zug.

Doch auf Dauer können Walter diese nächtlichen „Einsätze“ anmaßender Selbstjustiz nicht befriedigen: Nach einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in den mondänen Friedrichstadt-Passagen legt er Sylvia ein wertvolles Collier aufs Kopfkissen und erschießt sich in der Ruine seines einstigen Betriebes...

Die DDR – ein Trümmerfeld, die neue kapitalistische Gesellschaft ein Tummelplatz für angepasste Wendehälse, da ist für einen „geraden Charakter“ wie Walter kein Platz mehr. Jürgen Jürges‘ Schwarzweiß-Bilder sind von enormer handwerklicher Perfektion wie von ästhetischer Suggestionskraft. Sie zeichnen das Psychogramm eines Verlorenen auf Zelluloid, der jeden Bezug zur eigenen Realität wie der des vereinten Deutschland verloren hat.

Ein Kinofilm ist daraus freilich nicht entstanden, auch wenn „Wege in die Nacht“ als erste deutsche Produktion die Reihe „Quinzaine des réalisateurs“ der Int. Filmfestspiele Cannes eröffnen durfte. Sondern ein Kammerspiel in fadem Bildschirm-Format, was rundum enttäuscht. Was geradezu erschüttert ist eine Ossi-Larmoyanz, die zehn Jahre nach der Wende niemand mehr hören (und sehen) kann. Die ganze Ex-DDR eine verlorene, da nun verlogene Gesellschaft ohne jeden Funken Hoffnung?

Ganz anderer Auffassung war der langjährige Defa-Vorstand Ralf Schenk, der von einem „sozial, soziologisch und politisch aufschlussreichen Meisterwerk“ sprach: „Kleinert gelang das eindringliche Psychogramm einer ganzen Schicht von Ex-DDR-Bürgern, die längst nicht in der Bundesrepublik angekommen sind, vielleicht nie in ihr ankommen werden. Als ‚Wege in die Nacht‘ anlief, wurde er in der Öffentlichkeit leider nur ungenügend wahrgenommen; die heiteren DDR-Abschiede ‚Sonnenallee‘ und ‚Good bye, Lenin!‘ waren dem Publikum deutlich angenehmer.“

Beim Deutschen Filmpreis 2000 gabs zwei Lolas für Henriette Heinze (Beste Nebendarstellerin) und Jürgen Jürges (Beste Kamera). Hilmar Thate wurde beim Int. Filmfestival Karlovy Vary als „Bester Darsteller“ ausgezeichnet.

Andreas Kleinert wurde 1962 in Ost-Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete er als Transportarbeiter und Requisitengehilfe, ehe er im Defa-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg erst Volontär und schließlich Regieassistent wurde. Von 1984 bis 1989 absolvierte er ein Regiestudium an der renommierten Babelsberger Filmhochschule „Konrad Wolf“, das er mit folgender Diplomarbeit abschloss: „Bewusstseinsebenen in der Filmpoesie von Andrej Tarkowskij.“ Seit 1990 ist Andreas Kleinert freischaffend als Drehbuchautor und Regisseur tätig, zu seiner Filmographie gehören Streifen wie „Verlorene Landschaft“ und „Neben der Zeit“, die schon im Titel die Befindlichkeiten der Protagonisten ausdrücken.

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Director

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Director of photography

Assistant camera

Clapper loader

Steadycam operator

Still photography

Lighting design

Set design

Prop master

Construction manager

Title

Make-up artist

Costume design

Costumes

Editing

Assistant editor

Negative cutter

Sound assistant

Audio mixing

Co-Producer

Producer (TV)

Unit production manager

Location manager

Original distributor

Original video distributor

Shoot

    • 08.09.1998 - 17.10.1998: Berlin
Duration:
2635 m, 96 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
s/w, Dolby SR
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 21.09.2000, 84754, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (FR): 13.05.1999, Cannes, IFF - Quinzaine des réalisateurs;
Aufführung (DE): 01.07.1999, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 25.11.1999;
TV-Erstsendung (DE): 13.11.2000, ZDF

Titles

  • Originaltitel (DE) Wege in die Nacht

Versions

Original

Duration:
2635 m, 96 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
s/w, Dolby SR
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 21.09.2000, 84754, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (FR): 13.05.1999, Cannes, IFF - Quinzaine des réalisateurs;
Aufführung (DE): 01.07.1999, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 25.11.1999;
TV-Erstsendung (DE): 13.11.2000, ZDF

Awards

Deutscher Filmpreis 2000
  • Lola, Beste Kamera
  • Lola, Beste Nebendarstellerin