Happy Hour oder Glück und Glas

Österreich Deutschland 2000 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Prolog: Nachkriegszeit. Ein Junge entdeckt auf dem Dachboden seine Mutter, die sich erhängt hat. Das traumatisierte Kind wird in ein Heim gebracht. Schnitt. Greta Steinwendner leitet ein Reisebüro in Wien und verfolgt zusammen mit ihrer lebenslustigen Angestellten Trude Fischler durch die Schaufensterscheibe, wie auf der anderen Seite ein Bistro eingerichtet wird. Der Wirt kommt persönlich, um die neuen Nachbarinnen zu seiner Eröffnungsparty einzuladen.

Doch anderntags treffen die beiden erwartungsvoll gestimmten jungen Frauen auf einen völlig konsternierten Simon Ladiner: Seine Kellnerin ist erkrankt, die Party muss ins Wasser fallen. Greta versteht das als Wink des Schicksals und springt sofort hilfsbereit ein, schon um ihrer Kollegin zuvorzukommen, die nach der ersten flüchtigen Begegnung mit dem Barbesitzer entzückt ausgerufen hat: „Den hol’ ich mir!“

Das erledigt die offenbar mit Männergeschichten bislang nicht gesegnete Greta dann lieber selbst. Freilich nicht gleich in der ersten Nacht, aber spät wird’s dann doch: Erst gegen fünf Uhr in der Frühe steckt sie den Schlüssel in die Wohnungstür. Wo sie ihre Mutter Lea in völlig desolatem Zustand vorfindet – mit Gin förmlich vollgesogen. Es ist offenbar das erste Mal, dass ihre erwachsene Tochter so lange ausgeblieben ist. Und das ihr, die Greta allein aufgezogen, besser: durchgebracht hat, nachdem sich ihr Gatte vor zwanzig Jahren aus dem Staub gemacht hatte.

Sie kommt doch noch, die erste Liebesnacht, und dann geht alles ganz schnell: Greta willigt ohne Zögern in Simons Heiratsantrag ein. Sekt, Wodka, Kaviar – und ihre Mutter macht nicht nur die Trauzeugin, sondern stellt dem jungen Paar auch ihre große Wohnung zur Verfügung. Greta strahlt vor Glück und Simon ist sogleich Feuer und Flamme, hat er doch, wie er sagt, seine Eltern bereits im zarten Alter von sechs Jahren verloren und sich stets nach einem familiären Zuhause gesehnt.

Liebe macht blind: Simon hat großes vor mit seinem Bistro, will expandieren – natürlich mit Gretas Geld. Und die willigt trotz großer Bedenken ihrer vielleicht gar eifersüchtigen Reisebüro-Angestellten ein, eine größere Summe zur Verfügung zu stellen. Selbst Simons auch seine Gattin irritierenden nächtlichen Aktivitäten lassen bei ihr noch keine Zweifel aufkommen: Simon wird regelmäßig in den frühen Morgenstunden von seiner Vergangenheit eingeholt, er wacht immer häufiger schweißgebadet und von Alpträumen geplagt auf.

Zum ersten großen und regelrecht handgreiflich ausgetragenen Streit kommt es, als Greta – zum ersten Mal im Alter von 37 Jahren – schwanger ist und nun ihre Kohle zusammenhalten will, während Simon sich von einem stadtbekannten Luden einen mondänen Cabrio-Schlitten gekauft hat – von Gretas Geld versteht sich. Als sie ihm Vorhaltungen macht, eskaliert die Auseinandersetzung: Der jähzornige Simon rastet völlig aus und zerschlägt die halbe Wohnungseinrichtung. Um sich nur wenige Augenblicke später zu den „Reliquien“ seiner Kindheit vor einen kleinen Zimmeraltar zu hocken.

„Du bist ein Spinner“: Diese Erkenntnis kommt Greta reichlich spät. Und jedenfalls zu spät für ihre Mutter, die bis zuletzt zu Simon gehalten hat: Nach einer seiner exaltierten Ausbrüche mit reichlich Alkohol bricht sie zusammen und stirbt in der Klinik an Herzversagen. Greta, nun völlig auf sich alleingestellt, greift zum letzten Mittel, um Simons Geister der Vergangenheit zu bannen: Sie fährt mit ihm aufs Land. In der kleinen Ortschaft, wo er geboren worden ist, hofft sie Menschen zu finden, die eine Erklärung haben für das merkwürdige Verhalten, für die schwarze Seite ihres Mannes.

In der Tat findet Greta in Doktor Gussenbauer den Hausarzt der Familie, der einige der Obsessionen Simons, darunter auch die Szene aus dem im Prolog, erläutern kann – und ihr dringend zur Abtreibung rät: Die Form der manisch-depressiven Geisteskrankheit, unter welcher der Vater des noch Ungeborenen leidet, wird ausnahmslos vererbt...

Xaver Schwarzenbergers Psychodrama nach dem Drehbuch seiner ersten Gattin Ulrike, genannt Ulli, leidet unter der teilweisen krassen Überzeichnung der Figuren, der die Protagonisten Martina Gedeck und Heio von Stetten geradezu hilflos ausgeliefert sind. Hinzu kommt eine unerträgliche Musikspur mit grotesk überladenen Kompositionen, für die Arthur Lauber verantwortlich zeichnet. Nachdem die Koproduktion mit dem Wiener ORF am 25. Oktober 2000 im Österreichischen Fernsehen uraufgeführt worden ist, erfolgte die Deutsche Erstausstrahlung erst am 1. März 2005 auf 3-Sat.

Pitt Herrmann

Credits

Director of photography

Editing

Cast

All Credits

Director of photography

Still photography

Production design

Make-up artist

Costume design

Editing

Sound editor

Cast

Duration:
86 min
Format:
35mm, 1,1:78
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (AT): 25.10.2000, ORF

Titles

  • Originaltitel (AT DE) Happy Hour oder Glück und Glas

Versions

Original

Duration:
86 min
Format:
35mm, 1,1:78
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (AT): 25.10.2000, ORF